Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Ozzy Osbourne: I Am Ozzy

Über drei Jahrzehnte exzessiver Konsum von Alkohol und Drogen haben ihre Spuren hinterlassen - doch ein paar Erinnerungen sind anscheinend noch da.

Das Cover von Ozzys zehnter und aktueller Studioscheibe "Scream"

Zum Thema

Natürlich ist dieser mit Ausschweifungen jedweder Art verbunden und wer würde es als junger Kerl nicht ausnutzen, wenn ihm plötzlich tonnenweise Alkohol, Kokain, Pot, Frauen und sonstiges Vergnügen zur Verfügung stehen, besonders vor dem Hintergrund, dass dies einfach nur ein Traum ist, den man nie für möglich gehalten hätte, da man vorher nichts hatte und niemand war. Und selbstverständlich spielen diese Exzesse die Hauptrolle in „I Am Ozzy“. Jeder wird sich zwar vorher schon gefragt haben, wie dieser Mann eigentlich noch am Leben sein kann, doch nach dem Lesen dieses Buches muss man trotzdem immer wieder den Kopf schütteln und sich dieselbe Frage immer und immer wieder stellen. Das Krasse ist vor allem, dass Ozzy in seiner Black Sabbath-Zeit zwar mächtig auf den Putz gehauen hat (und wegen seines unkontrollierbaren Verhaltens wurde er auch schließlich gefeuert, was er auch heute nicht wirklich als gerecht empfindet, da Tony, Geezer und Bill auch nicht viel besser gewesen seien als er, wenn auch vielleicht nicht ganz so extrem), dass das aber noch gar nichts ist im Vergleich dazu, wie er in den Achtzigern abgegangen ist. Ende 2003 brach er sich bei einem Unfall außerdem das Genick – und auch das hat der „Madman“ überlebt.

In jedem Fall jagt eine Anekdote die nächste: Einmal drückt Ozzy im Koksrausch statt die Klimaanlage einzuschalten aus Versehen einen Notrufknopf, wodurch schnellstens die Polizei da ist, was natürlich eher ungünstig ist, wenn man kiloweise Haschisch und Kokain gebunkert hat (meine Lieblingsgeschichte), ein anderes Mal säuft er mit Led Zeppelins Drummer John Bonham, den er als guten Kumpel bezeichnet, da dieser genauso irre sei wie er selbst (da dürfte was dran sein) und muss den später völlig hackedichten Schlagzeuger letztlich davon überzeugen, dass dieser im falschen Auto sitzt, dann pisst er im texanischen San Antonio einmal völlig besoffen gegen das berühmte Alamo und wird dabei von einem Bullen erwischt, der diesen Frevel kaum glauben kann, und wiederum ein weiteres Mal pennt er im Bett mit qualmender Zigarette ein und verbrennt sich so beinahe selbst. Herrlich ist auch die Story, wie er Randy Rhoads engagierte, der ihn schon mit bloßen Aufwärmübungen überzeugte. Ganz ehrlich: Wenn man das liest, kommt man aus dem Lachen nicht heraus, es ist einfach zum Brüllen komisch, wenngleich einige Dinge wohl eher weniger komisch waren, wenn man dabei war und sie selbst erlebt hat (und so trübe das Erinnerungsvermögen des Mr. Osbourne auch sein muss – ich behaupte, dieses verrückte Zeug kann man sich einfach nicht ausdenken!).

Zumal auch etliche Geschichten ans Tageslicht kommen, die wirklich übler Natur sind. So gibt Ozzy zu, man habe in den frühen Black Sabbath-Tagen, als man noch bettelarm war, manchmal Tony vorgeschickt, weil er „der am besten Aussehendste von uns war“, um mit einem Groupie herumzumachen und sie abzulenken, während die anderen aus ihrer Handtasche Geld stahlen. Außerdem habe er seine erste Frau Thelma im Suff manchmal geschlagen („vielleicht das Schlimmste, was ich je in meinem Leben getan habe“) und seine zweite Frau Sharon hätte er einmal sogar fast erwürgt, ebenfalls natürlich im Suff. Unter den Teppich kehrt er zumindest nichts, insofern ist diese Autobiographie sehr ehrlich und authentisch und im Übrigen sehr gut zu lesen. Klar haben wir hier kein literarisches Meisterwerk vorliegen, das Ganze ist im Prinzip so geschrieben, wie Ozzy redet – also steht auf jeder Seite durchschnittlich mindestens dreimal „fuck“ oder „fucking“. Aber das gehört zu Ozzy wie Whisky-Cola zu Lemmy – mit dem er im Übrigen gut befreundet ist; der Motörhead-Boss schrieb beim Album „No More Tears“ außerdem ein paar Songs mit.

Und auch wenn Ozzy viel Scheiße gebaut hat, wirken seine Bescheidenheitsbekundungen im Buch sehr aufrichtig. Auch wenn wir wohl nie zu einhundert Prozent erfahren werden, wie es beispielsweise in dem unerfreulichen Fall mit der damaligen Rhythmussektion Bob Daisley und Lee Kerslake aussah und wer da nun recht hatte (dass Ozzy behauptet, die beiden hätten die Tantiemen für ihre Songwriting-Beiträge bekommen und kriegten sie immer noch, kann man sich denken) – man nimmt es ihm einfach ab, wenn er sagt, dass ihm dieser ganze Business-Bullshit auf den Sack geht, dass Geld für ihn nicht wichtig ist (auch wenn sich das selbstverständlich leichter für jemanden sagen lässt, der viel davon hat) und dass er nie vergisst, woher er kommt; dass er vieles bereut von dem, was er getan hat und dass ihm seine Familie und seine Fans am wichtigsten sind. Man muss den Kerl einfach mögen.

Auf seine Frau Sharon trifft das nach Meinung vieler eher nicht zu, die meisten sehen in ihr nur eine geldgeile Furie und der peinliche Eierwurf auf Iron Maidens Bruce Dickinson damals auf dem Ozzfest hat sicherlich nicht gerade dazu beigetragen, ihr Image aufzupolieren. Aber man darf nicht vergessen, dass Ozzy ohne sie nicht da wäre, wo er jetzt ist – immerhin wohnte er nach seinem Rauswurf bei Black Sabbath in einem Hotel in Los Angeles, das er monatelang nicht verließ, sondern sich stattdessen Drogen, Pizza und Bier aufs Zimmer kommen ließ und so zu einem aufgequollenen, fetten Wrack mutierte, aus dem ihn erst seine jetzige Ehefrau befreien konnte. Außerdem muss es laut diesem Buch geradezu unglaublich sein, was sie von ihrem eigenen Vater, dem Musikmanager Don Arden, zu erdulden hatte. Wenn man von dessen skrupellosem Vorgehen teilweise auch gegen sein eigen Fleisch und Blut liest, kommt man zu dem Schluss, dass dagegen wohl sogar der berüchtigte Peter Grant (der langjährige Manager von Led Zeppelin) noch verhältnismäßig harmlos gewesen sein muss. In jedem Fall haben sich in Sharon und Ozzy zwei gefunden, die zusammenpassen wie Topf und Deckel – denn dass sie beide Bekloppte sind, wie der Madman es selbst sagt, daran dürfte kein Zweifel bestehen.

„I Am Ozzy“ kann jedenfalls nur empfohlen werden, es ist wie erwähnt kurzweilig, unterhaltsam, witzig, ehrlich und authentisch und enthält zudem noch eine ganze Reihe Fotos. Manchmal hätte man sich vielleicht ein paar mehr Hintergrundinformationen gewünscht, zum Beispiel wie Jake E. Lee nach dem tragischen Tod von Randy Rhoads in die Band kam oder dass Zakk Wylde, der bei immerhin fünf Alben des Prince Of Darkness Gitarre spielte, ein paar mehr Seiten bekommen hätte und nicht nur mehr oder weniger am Rande mit einer (allerdings erneut sehr amüsanten) Anekdote bedacht wird. Auch Ozzys langjähriger (großartiger) Drummer Randy Castillo (verstarb 2002 51-jährig an Krebs) findet keinerlei Erwähnung, was ziemlich schade ist. Dennoch ist das Buch sehr lesenswert und das nicht nur für Black Sabbath- beziehungsweise Ozzy Osbourne-Fans. Es existiert sogar eine deutsche Ausgabe davon, wobei ich mir kaum vorstellen kann, wie man das einigermaßen ordentlich übersetzt haben soll. 

Englische Ausgabe:

Titel: I Am Ozzy
Autor: Ozzy Osbourne / Chris Ayres
Verlag: Little, Brown Book Group
Umfang: 416 Seiten
ISBN-10: 1847443478
ISBN-13: 978-1847443472

 

Deutsche Ausgabe:

Titel: Ozzy – Die Autobiographie
Übersetzung: Stephan Gebauer / Heike Schlatterer / Violeta Topalova
Verlag: Heyne Verlag
Umfang: 480 Seiten
ISBN-10: 3453169255
ISBN-13: 978-3453169258

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin