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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Das kitischige Gemälde "Evening: Fall Of Day" von William Rimmer, das als Vorbild für das Swan-Song-Logo genommen wurde

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IX. Ein eigenes Label

Im folgenden Jahr, 1974, spielten Led Zeppelin keine Konzerte, sondern gaben auf einer Pressekonferenz im Januar die Gründung ihres eigenen Labels Swan Song bekannt, nachdem ihr Fünfjahresvertrag mit Atlantic Records Ende 1973 ausgelaufen war. Der Name entstand allerdings erst im Laufe des Jahres und sollte ursprünglich der Titel eines von Jimmy Page komponierten 20-minütigen Akustiksongs sein. Zunächst war man sich nicht sicher, ob man ihn tatsächlich verwenden sollte, da Schwanengesang schließlich als Synonym für den letzten Seufzer vor dem Tod steht, aber da Jimmy meinte, es hieße, ein Schwan würde vor dem Tod die schönsten Laute von sich geben, nahm man „Swan Song“ schließlich.

Das Unternehmen war als ernsthafte, aktive Firma gedacht, die neuen Künstlern zum Durchbruch verhelfen und nicht nur der Befriedigung von Eitelkeiten dienen sollte. Außerdem war man nun völlig selbständig und würde endlich keinen Ärger mehr wegen Cover, Artwork und Single-Veröffentlichungen haben, wie in der Vergangenheit ständig der Fall.

Nach der Einweihungsparty in New York geriet John Bonham in besoffenem Zustand mal wieder in eine Prügelei, als er sich mit der Roadcrew von Mott The Hooples anlegte, die in einem Club in der Nähe auftraten und ihn nicht mitspielen lassen wollten, und Peter Grant glänzte bei der Veranstaltung einmal mehr durch freundliche Worte, als Danny Goldberg für den Hotelteich nur Höckergänse („swan geese“) statt Schwänen hatte auftreiben können, indem er brüllte: „Glaubst du, wir können nicht zwischen verfickten Schwänen und verfickten Gänsen unterscheiden? Wir leben alle auf dem Land, verdammte Scheiße!“

Immerhin aber bewies er erneut einen untrüglichen Instinkt für gute Geschäfte, indem er für Swan Song neben der früheren Stone-The-Crows-Sängerin Maggie Bell und den Pretty Things die gerade neu gestartete Gruppe Bad Company unter Vertrag nahm, deren Debütalbum in den USA gleich mehrfach mit Platin ausgezeichnet wurde.

Erneuter Geldregen für Led Zeppelin war die Folge und aufgrund der astronomischen britischen Steuergesetze beschloss die Band, für ein Jahr ins Steuerexil zu gehen, wie es auch schon Rod Stewart und die Stones getan hatten.

Besonders Jimmy Page konnte es allerdings ohnehin nicht mehr erwarten, endlich wieder auf Tour zu gehen; er brauchte Abwechslung von seinem chaotischen Liebesleben. Mit Charlotte Martin hatte er eine Tochter, Scarlet, doch darüber hinaus pflegte er Beziehungen zu der mittlerweile 16-jährigen Lori Maddox, Bebe Buell (die später auch eine Affäre mit Steven Tyler von Aerosmith hatte und die Mutter von Liv Tyler ist) und Chrissie Wood, der Frau von Stones-Gitarrist Ron Wood, mit der er durchbrannte, als das Paar ihn in Sussex besuchte.

Doch die Zeps machten auch noch Musik: Mit den Aufnahmen zum nächsten Album hatten sie bereits Ende November 1973 im Headley Grange begonnen; im Februar 1974 wurden die Sessions fortgesetzt. Da noch Material von vorigen Alben vorhanden war – unter anderem auch der Titelsong von „Houses Of The Holy“ – brachte man mit „Physical Graffiti“ diesmal sogar ein Doppelalbum heraus, welches einmal mehr die Wandlungsfähigkeit der Band unterstrich.

Mit Tracks wie dem epischen Bluesrocker „In My Time Of Dying“ inklusive Slidegitarre von Jimmy Page, dem relaxten, Country-beeinflussten „Down By The Seaside“, dem Akustikinstrumental „Bron-Yr-Aur“ (die beiden letzten stammten noch aus den Sessions zu „III“), dem psychedelischen „In The Light“, dem groovigen Hammondorgel-Kracher „Night Flight“, dem funkigen „Trampled Underfoot“ und natürlich dem weltbekannten, orientalisch-sehnsüchtigen „Kashmir“ (das Jimmy Page später für den Film „Godzilla“ in Zusammenarbeit mit Puff Daddy zum unsäglichen "Come With Me" verunstalten sollte), landeten wieder einmal vollkommen unterschiedliche Nummern auf dem Album, die trotzdem stets nach Zeppelin klingen und stimmig zusammengesetzt wurden.
„Physical Graffiti“ erschien am 24. Februar 1975, als Led Zeppelin bereits zu ihrer nächsten, der zehnten US-Tour aufgebrochen waren. Die Band war genauso heiß auf die Tour wie ihr Publikum – immerhin hatte man seit 18 Monaten nicht mehr live gespielt. Beinahe allerdings wäre die Konzertreise nach zwei Aufwärmgigs in Rotterdam und Brüssel ins Wasser gefallen, da sich Jimmy Page den Ringfinger der linken Hand in der Londoner Victoria Station an der U-Bahn-Tür verletzte.

Eine Absage jedoch konnte man sich kaum noch leisten, zumal es bereits in Washington zu Unruhen an den Schlangen einer Vorverkaufsstelle gekommen war, als einige ungeduldige Fans mit Flaschen nach Polizisten, die für Ordnung sorgen sollten, geworfen hatten. Und der Bostoner Auftritt wurde vom dortigen Bürgermeister sogar komplett gecancelt, als man Zeppelin-Jüngern, die bei eisigen Temperaturen draußen kampieren wollten, um am nächsten Tag die Tickets zu kaufen, erlaubte, in der Arena zu übernachten, diese dies jedoch dahingehend honorierten, indem sie die Halle plünderten und Fensterscheiben einschmissen.

Alle saßen also buchstäblich auf heißen Kohlen und trotz dieser vereinzelten unschönen Vorfälle war die Tour innerhalb eines Tages ausverkauft. Auch „Physical Graffiti“ verkaufte sich prächtig und sorgte dafür, dass auch alle anderen Zeppelin-Alben wieder in die Billboard-Charts einstiegen; sechs Alben auf einmal in den Charts und dazu noch die drei Swan-Song-Scheiben von Bad Company, Maggie Bell und den Pretty Things – dieses Kunststück war noch keiner Band zuvor gelungen.

Wegen seiner Verletzung beschloss Page, auf eine Drei-Finger-Technik umzusteigen und für die ersten Termine wurde das anstrengende „Dazed And Confused“ aus dem Programm genommen. Allerdings gab es bald noch weitere gesundheitliche Probleme. So litt Bonham unter Magenkrämpfen und Durchfall und Plant holte sich eine Grippe. Aus diesen Gründen stellte man einen Arzt ein, der die Tournee im Starship begleitete und der schon für die Rolling Stones gearbeitet hatte; trotzdem trat Robert Plant teilweise mit hohem Fieber auf und Jimmy Page soff unablässig Jack Daniels, um die Schmerzen in seinem Finger zu betäuben.

Der Gig am 27. Januar in St. Louis musste dann aber doch abgesagt werden, da Roberts Grippe so schlimm wurde, dass der Arzt ihm strikte Bettruhe verordnete. Nun hatte man plötzlich vier Tage Tourpause und der Rest der Band beschloss, die Zeit zu nutzen, um ins sonnige Los Angeles zu fliegen – Pech für Robert!

Auf dem Flug machte Bonham seinem nach Bonzo zweiten Spitznamen „The Beast“ wieder einmal alle Ehre. Er leerte alleine eine ganze Flasche Scotch, pennte zwei Stunden und begann anschließend wieder einmal Stunk zu machen. Nur mit einem Bademantel bekleidet kam er aus dem Schlafzimmer und hatte im Delirium die Absicht, eine der Stewardessen des Starship von hinten zu nehmen. Das arme Mädchen begann aus Angst, vergewaltigt zu werden, zu schreien und erst Richard Cole und Peter Grant konnten die Saufnase davon abhalten, der Flugbegleiterin etwas Schlimmes anzutun.

Während Jimmy Page beruhigend auf die junge Frau einredete, kam Cole auf die ausgerechnet auf diesem Flug anwesenden Journalisten Cameron Crowe vom Rolling Stone, Chris Charlesworth vom Melody Maker und Tourfotograf Neal Preston zu und sorgte laut Charlesworth mit folgenden Worten für klare Verhältnisse: „Ich will, dass kein beschissenes Wort seinen beschissenen Weg in eure beschissenen Magazine macht. Ist das klar?“ – Den Journalisten kam bei Coles böse funkelnden Augen zu keiner Sekunde in den Sinn zu widersprechen...

 

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