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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Das Hyatt Hotel in West Hollywood, wegen der Exzesse diverser Stars auch "Riot House" genannt

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VII. Kusiositäten, Skandale und Exzesse

Am 28. März 1973 erschien mit „Houses Of The Holy“ der fünfte Studiostreich der Zeps und erreichte schon allein aufgrund der Vorbestellungen sofort Goldstatus. Die Presse meckerte erneut an der Platte, wo sie nur konnte und selbst der Led Zeppelin eigentlich wohl gesonnene Chris Welch vom Melody Maker schimpfte über den eigentlich eher als Scherz gemeinten Song „D’yer Mak’er“: „Eine Blödelpop-Nummer, die unter ihrem Niveau liegt.“

Der Titel dieses mit Reggae-Appeal versehenen Stücks führt auf einen alten Witz zurück, in dem ein Typ zu einem anderen sagt: „Meine Frau ist in den Ferien.“ Der andere daraufhin: „Jamaika?“, was im Englischen auch als „Did you make her?“ gehört werden kann, also: „Hast du sie rumgekriegt?“

Die Band zeigte sich konsterniert über diese Reaktionen und Jimmy Page polterte: „Es ist ein Witz und wenn die Leute nicht mal so schlau sind, das zu kapieren, dann kann man natürlich nicht erwarten, dass sie irgendwas anderes auf dem Album kapieren. Es ist mir unbegreiflich – aber es ist mir scheißegal! Klar ist das kein Reggae.“

Letzten Endes führte diese ewige Fehde mit der Presse aber ohnehin zu nichts und sollte auch niemanden interessieren, denn die im Mai beginnende neunte Nordamerika-Tour sollte die bislang größte und aufwendigste der Band werden und alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen. Mit Pyros, Discokugeln, Rauchmaschinen und einer gigantischen Lasershow wurden spektakuläre Elemente in die Show integriert, auf die man bisher verzichtet hatte. Auch wurden einige Arrangements leicht verändert; John Paul Jones, der bislang stets dezent im Hintergrund seinen Bass gezupft hatte, spielte nun sehr viel mehr Keyboard und Orgel als zuvor. Eine über 30-köpfige Crew sorgte dafür, dass das Publikum wahrlich etwas geboten bekam für sein Geld und in Tampa/Florida, brachen die Engländer mit über 56.000 Zuschauern den US-Besucherrekord, das Konzert spülte allein 309.000 Dollar in die Bandkasse.

Mit insgesamt 30 Millionen Dollar im Jahr 1973 verdienten Led Zeppelin mehr als jede andere Band, allerdings stellten sie auch immer extravagantere Forderungen, wie sie ihre Hotelzimmer vorfinden wollten.

Jimmy Page bestand auf frische Blumen und Obst, Wasser in Flaschen, einen Wasserkocher, zugezogene Vorhänge, brennende Kerzen, gekühlten Champagner, kalten Orangensaft und eine Stereoanlage. Robert verlangte zusätzlich zu diesen Dingen noch Earl Grey, Honig und Zitronen, Bonham einen Schaffellteppich und Jones ein Klavier.

Außerdem eröffnete bei einigen Konzerten ein britischer Folksänger namens Roy Harper für die Gruppe, den Jimmy und Robert sehr bewunderten, weil er das verkörpere, was sie selbst dem schnöden Mammon, dem „Gott des Geldes“ geopfert hätten: Unschuld, Sensibilität, Idealismus, Leidenschaft. Die anderen allerdings konnten diese Verehrung nicht so ganz nachvollziehen. So meinte Cole, er verstehe nicht, was für einen Narren die Beiden an diesem Typen gefressen hätten, ihm ginge der Kerl einfach nur auf den Sack.

Ansonsten gab es natürlich auch auf dieser Tour wieder allerhand Kuriositäten, Skandale und Exzesse. So musste man in Texas Hals über Kopf vor einem bibeltreuen Farmer fliehen, dessen Ranch man gemietet und mit reichlich Groupies und Drogen vollgestopft hatte und in New Orleans fiel sogar der bei den Exzessen eher zurückhaltendere John Paul Jones durch eine Peinlichkeit auf, mit der ihn die anderen Bandmitglieder noch Jahre später aufziehen sollten: Nachdem man im Royal Orleans-Hotel abgestiegen war, schleppte Richard Cole die Band abends in Schwulenbars (laut Cole ging die Band gerne dorthin, weil sich Schwule einfach besser amüsieren könnten als Heteros und einen nicht belästigten, weil es ihnen scheißegal sei, wer Led Zeppelin waren, und außerdem weil in ihren Clubs die beste Musik lief), wo schnell die Drag-Queens auf sie aufmerksam wurden. Eine machte Jones an, der sie mit auf sein Hotelzimmer nahm, da er offensichtlich nicht raffte, dass er eigentlich einen Mann vor sich hatte. Mitten in der Nacht rückte dann die Feuerwehr an, da Jones und sein vermeintliches Mädel anscheinend in betrunkenem Zustand einen Joint geraucht hatten, dabei allerdings eingeschlafen waren und das Bett in Brand gesteckt hatten. Die Feuerwehr trat die Tür ein und fand Jones und seine „Freundin“ vor, der „der Schwanz raushing“. – Kein Wunder, dass auf diesem Fauxpas des Led-Zeppelin-Bassisten noch ewig herumgeritten wurde.

In Los Angeles, Zeppelins Hochburg, traf man am 31. Mai auf einer Party, die anlässlich Bonhams Geburtstag nach dem Konzert im L. A. Forum gegeben wurde, George Harrison und seine damalige Frau Pattie. Der Beatles-Gitarrist verfolgte die Karriere der Band schon seit einiger Zeit, war bei einigen Gigs in Südkalifornien backstage gewesen und hatte sich sehr beeindruckt gezeigt, als erfuhr, dass es trotz etwa drei Stunden Spieldauer weder Vorbands noch Pausen gab: „Als die Beatles auf Tour waren, da haben wir 25 Minuten gespielt und kamen sogar mit 15 durch.“

Auf der Party jedenfalls hatte wohl auch Harrison recht tief ins Glas geschaut, denn gerade als Bonzo seine riesige Geburtstagstorte anschneiden wollte, nahm sich George deren oberste Etage und schmiss sie dem Drummer ins Gesicht. Dieser ließ sich jedoch nicht lumpen und warf seinerseits mit dem Rest der Torte nach Harrison, der zusah, dass er umgehend Land gewann – am Ende wurden er und seine Pattie aber doch noch von Bonham erwischt, der das Ehepaar und sämtliche andere Gäste schließlich in den Pool schubste.

Im Hyatt Hotel, in dem man immer, wenn man in der Stadt der Engel war, abstieg und das wegen der Exzesse diverser Rockstars nur noch „Riot House“ genannt wurde, soll Richard Cole des Nachts gerne mal mit einer schweren Honda die Gänge und rauf und runter gebrettert sein, und als man ins Seattler Edgewater Inn, dem Tatort der legendären Hai-Episode, zurückkehrte und dort als Zeitvertreib sämtliche Fernsehgeräte aus dem Fenster schmiss, gestand der Hotelmanager Peter Grant, nachdem er die Kosten für die Zimmer und die Konsequenzen des Vandalismus zusammengerechnet hatte, er hätte auch schon immer gerne mal wie ein echter Rockstar einen Fernseher aus dem Fenster geworfen.

Peter Grant zückte daraufhin einen 500-Dollar-Schein, lachte und meinte: „Deiner geht auf uns!“, worauf der Manager schnurstracks nach oben lief, einen Motorola griff und vom Balkon plumpsen ließ.

Doch nicht immer handelte es sich bei den Eskapaden um solch vergleichsweise harmlose Kindereien, jedenfalls wenn man Bob Hart, dem Popkultur-Klatschkolumnisten der Sun glauben darf. Er sei mit einem Schreiber der Londoner Times nach L. A. geflogen und die Beiden hätten dort einiges gesehen, über das sie schlicht nicht schreiben konnten, da die Welt damals noch nicht reif für solche Storys gewesen sei.

Der Journalist Ritchie Yorke meinte gar, er habe das Gefühl gehabt, dass einige der Ausschweifungen extra für die Presse inszeniert waren; er bescheinigte der Band einen guten Instinkt für alles, was mit Publicity zu tun hatte, da sie verstanden hätte, dass sie „den Schritt von der großen Rock’n’Roll-Band zum unsterblichen Monument der Rockgeschichte tun konnten“, wenn sie erst einmal berüchtigt waren – irgendjemand bei Atlantic hätte Peter Grant wohl dazu überzeugt, dass auch ein schlechter Ruf nicht immer nur schaden könnte.

Sicherlich keine ganz unberechtigte Ansicht, denn man weiß ja: Auch schlechte Publicity ist Publicity.

Yorke ist zwar absoluter Fan der Band, gibt aber zu, dass ihn vieles von dem, was er sah, schon anwiderte, was er auf den hohen Kokainkonsum zurückführt, der auf dieser Tour beängstigende Formen angenommen haben muss und die Dekadenz von Led Zeppelin ebenso vor Augen führt, wie beispielsweise die Tatsache, dass sie Dom Perignon 1966 (ein Edelchampagner, der hundert Dollar die Flasche kostete) durchschüttelten und Leuten ins Gesicht spritzten oder mit Orangensaft vermischt tranken, wo echte Wein- und Champagnerkenner nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen konnten, angesichts eines derartigen Umgangs mit solch kostbarem Tropfen.

Danny Goldberg allerdings relativierte das wilde Image der Band ein wenig: Oft herrschte gähnende Langeweile, da alle müde waren und aus diesem Grund hätten keineswegs permanent wilde Partys stattgefunden. Vielmehr seien die Bandmitglieder häufig sehr einsam gewesen und hätten sich große Sorgen darüber gemacht, in welcher Lage sie möglicherweise irgendwo fotografiert worden waren und ob ihre Frauen vielleicht böse auf sie wären.

Das alles änderte allerdings nichts daran, dass die Gruppe von einem Triumph zum nächsten eilte und gegenüber Lisa Robinson, der New Yorker Korrespondentin des britischen Musikmagazins Disc – die nach anfänglicher Angst, sich mit Led Zeppelin zu treffen, bei all den Geschichten, die über die Band kursierten, letzten Endes von den Liveauftritten der Jungs schwärmte –, versuchte Robert Plant das Feeling, das er selbst bei Konzerten empfand, in Worte zu kleiden: „Ich stelle mir ganz gern vor, dass die Leute nach einem Konzert von uns nach Hause gehen und denken, dass wir es ziemlich wüst treiben und viele der Geschichten über uns wahr sind. Es geht uns nicht um Macht, Revolution und gereckte Fäuste, was wir rüberbringen wollen, ist das Gute an sich. Die Leute sollen sich fühlen wie nach dem Sex mit einer tollen Frau, befriedigt und erschöpft. An einigen Abenden sehe ich in die Menge runter und würde am liebsten die gesamte erste Reihe ficken.“
 

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