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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Benahm sich in Amiland gern daneben: John Bonham

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VI. Zerstörungsorgien und Geisterfahrten

Für das nächste Zeppelin-Album „Houses Of The Holy“ hatte man die Aufnahmen bereits im Frühjahr 1972 mit dem Rolling Stones Mobile-Studio erledigt – gerade mal ein halbes Jahr nach dem Release des übermächtigen Vorgängers also –, die Veröffentlichung sollte sich wegen der inzwischen geradezu Standard-mäßigen Probleme mit Artwork und Cover jedoch mal wieder verzögern.

In den freien Wochen, die Led Zeppelin nun hatten, bewies John Bonham in Sachen Spielens derber Streiche aufs Neue äußerst viel Kreativität.

Völlig betrunken kidnappte er eines Tages zusammen mit einem Saufkumpan den Geschäftsführer der bekannten Plattenfirma Chrysalis aus seinem eigenen Büro – nachdem man zuvor im Gebäude kräftig randaliert hatte –, dann umwickelten die Trunkenbolde den Labelboss mit Klebeband bis er einer Mumie glich, um den hilflosen Mann anschließend in einer belebten Einkaufsstraße mitten in der Innenstadt seinem Schicksal zu überlassen.

Danach sackte der Schlagzeuger in seiner Stammkneipe noch einige weitere besoffene Herrschaften ein, die er in arabische Kostüme zwang und die jedes Mal, wenn eine Serviererin in der Nähe war, ihre Kaftane hoben und ihr darunter liegendes bestes Stück präsentierten.

Als der betrunkenen Bande – und wohl auch den genervten Serviererinnen – dies schließlich zu langweilig wurde, fuhr Bonzo mit seinen Spießgesellen in mehreren Rolls-Royces zum obernoblen Mayfair-Hotel und mietete dort im Namen einer Reisegruppe orientalischer Prinzen die Maharadscha-Suite an. Als man auf dem Weg zu den Zimmern auf dem Hotelflur einer Gruppe amerikanischer Touristen, die ausschließlich aus älteren Damen bestand, begegnete, dachte man sich wohl, die könne man mit dem exhibitionistischen Verhalten, welches man bereits in Bonhams Kneipe an den Tag gelegt hatte, auch noch mal so richtig schocken – sah sich allerdings flugs gezückten Regenschirmen ausgesetzt, mit denen die erbosten Ladies das Gesindel resolut durch die Korridore jagten. 

Flugs retteten sich die Chaoten in ihre Suite, wo sie augenblicklich 50 Steaks orderten, von denen allerdings nicht eines in ihren Mägen landete. Binnen kürzester Zeit war das Hotelzimmer bis zur Unkenntlichkeit zerstört: sämtliche Möbel und Wandteppiche hatten dran glauben müssen und selbst ein ausgestopfter Tiger war nicht verschont worden.

Das entsetzte Hotel-Management, das diese Zerstörungsorgie kaum fassen konnte, ließ den sauberen Haufen auf der Stelle entfernen und veranlasste, dass Bonham in allen größeren Londoner Hotels Hausverbot bekam.

Während sich Peter Grant auf der folgenden Tour durch das Vereinigte Königreich und Europa nach einem amerikanischen Presseagenten umsah, der der Band endlich einmal einen guten Draht zu den Medien vermitteln konnte, da man es nun doch leid war, bei den glänzenden Erfolgen, die man feierte, von der Presse ignoriert oder bestenfalls schlecht gemacht zu werden (Grant wurde letztlich in Danny Goldberg fündig), hörte Bonham nicht auf, durch Eskapaden aufzufallen.

Im März 1973, als man für fünf Gigs durch Frankreich tourte, beschloss die Band, von ihrem Auftritt in Lyon zum nächsten Konzert in Nantes selbst zu fahren. Dort ergab es sich, dass Bonzo zwischendurch selbst das Steuer eines gemieteten Volvo übernahm, in dem außer ihm noch ein französischer Atlantic-Angestellter namens Benoit Gautier saß, der vor Angst fast starb, da der Schlagzeuger fünf bis zehn Minuten trotz Gegenverkehrs auf der falschen Straßenseite fuhr. Am Ende wunderte sich Gautier, diese geistesgestörte Fahrt überhaupt überlebt zu haben und erst nachdem er später bei einem Picknick Bonham mit Rotwein betrunken gemacht hatte, konnte sich der Franzose wieder hinter das Lenkrad klemmen.

In Nantes wiederum gefiel Bonham die Verpflegung hinter der Bühne nicht und so griff er kurzerhand den Schlägel seines großen, schweren Gongs und zertrümmerte damit das gesamte Inventar der drei Trailer, die als Garderobe fungierten.

Was John Bonham angeht, ist sich Benoit Gautier sicher, dass der Drummer eine gespaltene Persönlichkeit hatte – so wie es viele vermuten, die ihn kannten und weswegen man davon sprach, er mutiere zu „The Beast“, wenn er durchdrehte. „Er konnte der großzügigste Mensch der Welt sein und losheulen, wenn er von seiner Familie erzählte. Und dann stachelten ihn die Roadies zu irgendeinem Unfug an und er spielte verrückt“, meinte der Atlantic-Mann.

So soll Bonzo Gautier einmal beispielsweise eine Riesenstraße Koks angeboten haben, die der Franzose sich eben in die Nase ziehen wollte, als er plötzlich feststellte, dass es sich um Heroin handelte. „Das ist doch Smack!“, rief er erstaunt, während Bonham diesen Streich so komisch fand, dass er sich vor Lachen geradezu auf dem Boden wälzte. „Ich hätte dabei draufgehen können!“, so Gautier.

Bonham selbst erklärt seine für Mitmenschen oft gar nicht so komischen Scherze mit der Langeweile auf Tour und Sehnsucht nach Frau und Kindern, wie auch seine Schwester Debbie bestätigte: „Auf Tour vermisste er seine Familie. Also hieß es: Trinken, trinken, trinken, und irgendwann drehte er dann eben durch.“ Sie merkt allerdings an: „Ihn auf die Rolle des hirnlosen Schlägers zu reduzieren, ist falsch“ – kannte sie ihn doch als liebevollen Familienmensch.

Doch auch die Zep-Roadies und Richard Cole verstanden es, anderen auf die Nerven zu fallen und Stunk zu machen: Als man für Robert im Hotel der Band in Nantes keine Milch für seinen Tee hatte, setzten die Roadies zwei Etagen mit einem Feuerwehrschlauch unter Wasser, verstopften die Toiletten, hängten Türen woanders ein, demolierten das Mobiliar und terrorisierten andere Gäste. Und bei einer weiteren Fahrt im Volvo, bei der Gautier am Steuer saß und mit Band und Crew insgesamt sechzehn Leute an Bord hatte, zerlegten die Roadies die Inneneinrichtung des Fahrzeugs, woraufhin der rotzbesoffene Haufen prompt von einer Polizeistreife angehalten wurde. In Gautier kam Panik auf, da er befürchtete, man mache ihn als einzigem Franzosen inmitten von Briten für den Aufstand verantwortlich.

Die Polizei knastete die Chaoten allesamt ein, ließ sie allerdings schon nach fünf Minuten wieder gehen, da Richard Cole seine Kumpels dazu veranlasst hatte, aus Leibeskräften englische Fußballhymnen und Pubsongs zu singen – und sechzehn grölende Briten hielten die französischen Ordnungshüter einfach nicht aus.

 

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