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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Hatten eine Hymne für die Ewigkeit erschaffen: Jimmy Page und Robert Plant

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V. Die unsterbliche Hymne

Der Mailänder Vorfall veranlasste das Zeppelinsche Management zu noch paranoideren Sicherheitsvorkehrungen; so verließen die Bandmitglieder ihre Hotelzimmer zwischen den Auftritten immer seltener, auch wenn man auf der siebten Nordamerika-Tour nicht mehr so offen mit Gewalt konfrontiert wurde. Dafür aber gingen beinahe täglich Morddrohungen ein und mehrere Male glaubten Musiker und Roadies, jemanden mit einer Schusswaffe vor der Bühne gesehen zu haben.

Da bot der erste Trip für sechs Konzerte ins fernöstliche Japan eine willkommene Abwechslung, wo man einmal mehr bewies, dass man nicht nur in musikalischen Dingen, sondern auch in der Kunst des Hotelverwüstens äußerst kreativ war. So organisierten sich Cole und Bonham Samurai-Schwerter, um im Tokyo Hilton zunächst ihre eigenen Zimmer zu Kleinholz zu verarbeiten und dann zu Jones’ Suite weiterzuziehen, den Schlafenden aus seinem Bett zu zerren und auf den Flur zu schleifen und sich anschließend dessen Zimmer vorzunehmen. Mit einer Obstschlacht auf dem Korridor setzte der Chaotenhaufen dem Ganzen dann die Krone auf und bekam verständlicherweise lebenslanges Hausverbot.

In Osaka wiederum bot man dem Leiter des britischen Atlantic-Büros, Phil Carson, scheinheilig an, bei einem Song Bass zu spielen. Doch kaum hatte der sich – glücklich darüber, zu solch unerwarteten Ehren gekommen zu sein – den Tieftöner umgeschnallt, fand er sich plötzlich mutterseelenallein auf der Bühne wieder. Doch damit nicht genug: Am nächsten Tag riss der Zeppelin-Haufen dem armen Mann in einem Restaurant sämtliche Klamotten vom Leib und schickte ihn splitterfasernackt ins Hotel zurück.

Nicht von schlechten Eltern auch die Episode, als Plant, Jones und Bonham auf die ihrer Meinung nach wahnsinnig komische Idee kamen, den friedlich pennenden Page des Nachts mit einer ekelhaften Mischung aus kaltem Tee, bereits schalem Sake und altem Reis zu übergießen – wobei man sich nur leider in der Koje irrte, da man sich mit einem Mal dem schwergewichtigen Peter Grant gegenüber sah, der das überhaupt nicht witzig fand und dem Trio, sowie dem später dazu gekommenen Richard Cole, augenblicklich ein paar Ohrfeigen verpasste. Der arme Japaner, der Zeuge dieser Aktion war, wurde aschfahl und meinte, das Ende der Band mitzuerleben, bis man ihm erklärte, derartige Szenen seien völlig normal.

Nach der Japantour flogen Grant, Bonzo und Jones nach Hause, während Page, Plant und Cole noch einen Abstecher nach Bangkok unternahmen, um sich in den thailändischen Puffs zu verlustieren. Anschließend begaben sich Jimmy und Robert nach Bombay, um ihren lang gehegten Traum, etwas mit indischen Musikern aufzunehmen, zu erfüllen (was auf dieser Reise allerdings nicht geschah), während Cole sich noch weiter gen Süden begab, um die erste Zeppelin-Tour durch Australien klarzumachen.

Am 8. November 1971 erschien dann endlich das lang erwartete vierte Album und brach sämtliche Verkaufsrekorde – die Sorgen von Atlantic Records, man könne durch das namenlose Cover an Verkaufszahlen einbüßen, erwiesen sich also als unberechtigt. Die Presse war erneut eher zwiegespalten, bewertete die Platte aber zumindest besser als „Led Zeppelin III“. Was „Stairway To Heaven“ anbelangte, so reagierte man verhalten; zwar mochten selbst die verhassten Musikjournalisten den Song, jedoch konnten sie nicht eine derartig ekstatische Begeisterung wie die Fans dafür entwickeln, die die Läden in Scharen stürmten und die Platte teilweise nur wegen dieses Stücks kauften. Und schon hatten Led Zeppelin wieder die Argumente auf ihrer Seite, indem sie sich weiterhin hartnäckig weigerten, eine gekürzte Single dieses 8-Minuten-Monstrums zu veröffentlichen.

Bis der Song allerdings zur absolut unsterblichen Hymne wurde, sollten noch zwei Jahre vergehen; die Band wusste hingegen von Anfang an, was sie an dem Stück hatte und spielte es seit seiner Livepremiere (die erste mitgeschnittene Version stammt aus der Show vom 1. April 1971 im Londoner Paris Theatre) bei jedem Gig.

„Meiner Ansicht nach kristallisierte sich in ,Stairway’ das Wesen der Band. Der Song hatte einfach alles und zeigte die Band auf dem Höhepunkt ihres Könnens... Es war ein echter Meilenstein für uns. Jeder Musiker träumt davon, etwas zu machen, was gut genug ist, um sich sehr lange zu halten und die Zeit zu überdauern“, ließ Jimmy einen Reporter wissen. 

Um das neue Album zu supporten, beackerten Led Zeppelin erneut die wichtigsten britischen Städte, wobei man am 11. November in Newcastle begann; die Tour war binnen 24 Stunden ausverkauft. Und das, obwohl keine großen Requisiten aufgefahren wurden und keine optischen Ergänzungen wie bei den Glam-Rockern. Keine Vorbands, kein Bühnenbild, kurz gesagt: kein Bullshit, der vom Wesentlichen ablenkte. Hier gab es einfach nur mehrere Stunden Musik.

Nachdem man die England-Tour beendet hatte, stand zunächst eine kurze Verschnaufpause an, aber Anfang 1972 war die Band so groß, dass sie es sich nicht mehr leisten konnte, zu Hause zu bleiben und so entspannend das englische Landleben auch sein mochte – letzten Endes gab es doch nichts, was einen größeren Kick verlieh, als in einer ausverkauften Halle voller durchdrehender Fans zu spielen.

Zunächst absolvierte die Gruppe Auftritte in Australien und Neuseeland, zwischendurch probte man in London und New York schon wieder für das nächste Album und für den Sommer war dann die achte US-Tour angesetzt, auf welcher der 28-jährige Jimmy Page sich in das erst 14-jährige Teenmodel Lori Maddox verguckte (diese Affäre wurde selbstverständlich von allen Beteiligten so gut es ging, unter Verschluss gehalten), und bei der Grant erstmals das 90/10-Modell etablierte. Hierbei galt, dass die Band 90 Prozent der Einnahmen an einem Abend kassierte, der Veranstalter hingegen nur zehn. Laut John Paul Jones habe es damals im Musikbusiness „enorm viele Arschlöcher gegeben“; Konzertpromoter, die ihre eigenen Tickets druckten und vor der Halle schwarz verkauften. Peter Grant drehte durch, wenn er solche Typen sah und war ohnehin gut darin, Leute einzuschüchtern; viele bekamen es schon mit der Angst zu tun, wenn sie seine mächtige Gestalt nur sahen.

Allerdings hatte sich die Band diese sensationellen Vorteile bei den Konzertgagen auch durchaus verdient, spielte sie doch an einem Abend locker drei Stunden, im Gegensatz zu den faulen Combos aus den Sechzigern wie den Beatles, bei denen man schon froh sein konnte, wenn sie 40 Minuten zockten. Ein Grund mehr, warum Led Zeppelin problemlos jede Halle ausverkauften.

Und den Veranstaltern blieb sowieso keine Wahl, zähneknirschend mussten sie Grants in ihren Ohren geradezu höhnischen Spruch hinnehmen, immerhin die Ehre zu haben, mit der „erfolgreichsten Band der Welt“ zusammenarbeiten zu dürfen und dass zehn Prozent von Led Zeppelin besser seien als 50 Prozent von gar nichts. – Die Combo verdiente sich dumm und dusselig, das 90/10-Modell sollte allerdings recht bald zum Standard avancieren, da nun auch andere Bands erkannten, dass viel mehr Gewinn als ursprünglich drin war.

Nach der US-Tour flog man für einige Gigs zum zweiten Mal nach Japan (wo John Paul Jones zwischendurch an einer Grippe erkrankte, sodass sich erneut Phil Carson den Bass umschnallte, diesmal allerdings, ohne allein auf der Bühne zurückgelassen zu werden) und außerdem begaben sich Page und Plant ins indische Bombay, um erneut ihr Glück mit dortigen Musikern zu versuchen. Einige Aufnahmen mit umarrangierten Led-Zeppelin-Songs entstanden, aber trotz modernster Aufnahmetechnik missfiel Jimmy das Resultat – es gab daher nie eine Veröffentlichung dieser Zusammenarbeit. Jahre später sollten Page und Plant mit „No Quarter“ ein ähnliches Projekt ins Leben rufen, das den Zep-Gitarristen weit mehr zufriedenstellte.
 

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