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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Die vier Symbole, die erstmals auf dem vierten Album erschienen

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IV. Bürgerkriegszustände in Mailand

Und kaum dass Led Zeppelin die neue Scheibe im Kasten hatten, waren sie auch schon wieder versessen darauf, live zu spielen und traten nach zwei Konzerten in Island (bei diesem kurzen Gastspiel glänzte John Bonham einmal mehr durch exzessives Verhalten, indem er einen VW Käfer in einen See fuhr, um auszuprobieren, wie wasserdicht der Wagen wohl sei; der neben ihm sitzende John Paul Jones indes fand das gar nicht komisch, da er in seinen Schuhen eine nicht unerhebliche Menge Haschisch gebunkert hatte, die er gerne trocken am Ufer gewusst hätte) am 28. Juni 1970 vor über 150.000 Zuschauern beim Bath-Festival auf, wo auch Jefferson Airplane, Frank Zappa, The Byrds, Santana, Dr. John, Country Joe und The Flock spielten.

Wegen des wechselhaften Wetters wollte Grant seine Jungs eigentlich sofort auftreten lassen, doch als er in Erfahrung bringen konnte, dass es einen spektakulären Sonnenuntergang geben würde, beschloss er, dass Led Zeppelin die Bretter just zu diesem Zeitpunkt entern sollten. Als The Flock, die unmittelbar vor den Zeps zockten, sich weigerten, ihren Set rechtzeitig zu beenden, ließ er bei der Band kurzerhand den Stecker ziehen, schleppte danach höchstpersönlich deren Equipment von der Bühne und schüchterte Protestler durch ein paar Schläge ein. Mit roher Gewalt verschaffte er seinen Schützlingen so zum perfekten Zeitpunkt ihren Auftritt; als die Sonne glutrot im Westen versank, startete die Band ihren Set mit „Immigrant Song“ vom neuen Album.

Beim selben Auftritt ruinierte Grant außerdem die Kamera eines Amateurfilmers, indem er Wasser hineingoss und ein anderes Mal begab er sich sogar in einen Plattenladen, nachdem man ihm mitgeteilt hatte, dass dieser Bootlegs im großen Stil verticke, und zerlegte mit einigen Schlägern und Cole dessen Laden.

Als die Band anschließend Deutschland beackerte, stellte sie nicht nur als Besuchermagnet neue Bestmarken auf, sondern auch als Alkoholvernichtungsmaschine: innerhalb von vier Stunden schaffte es das Quartett zusammen mit Grant und Cole, in einer Frankfurter Kneipe 280 Drinks zu kippen.

Im August startete man dann zur mittlerweile sechsten US-Tournee, bei der Led Zeppelin allein für zwei Abende im New Yorker Madison Square Garden um die 200.000 Dollar kassierten. Doch trotz dieser gigantischen Zahlen und der frenetischen Begeisterung der Fans, kritisierte die Presse die Band weiterhin, wo sie nur konnte. Jon Landau, damals Chefkritiker in Sachen Rockmusik, urteilte über einen Auftritt in Boston: „Sie sind laut, unpersönlich, exhibitionistisch (...) gewalttätig und nicht selten wahnsinnig. Sie gaben mir rein gar nichts.“

Der Rolling Stone behauptete, der Led-Zeppelin-Anhang setze sich in erster Linie aus „schwer Drogensüchtigen“ zusammen und das dritte, am 5. Oktober erscheinende Album wurde völlig niedergemacht, was die Band erneut tief traf, letztlich aber nur darin bekräftigte, die Presse komplett zu ignorieren.

Erneut verkroch man sich Ende 1970 in Bron-Yr-Aur, um am nächsten Album zu arbeiten, wo auch die ersten Versatzstücke der Megahymne „Stairway To Heaven“ entstanden. Schnell wurde der Band klar, dass sie hier etwas ganz Besonderes geschaffen hatte und als Led Zeppelin das Stück zum ersten Mal in Headley Grange probten, stellten sie mit selig grinsenden Gesichtern fest, dass sich die Magie der ersten Probensessions wieder eingestellt hatte.

Im Februar 1971 waren die Aufnahmen zur neuen Scheibe bereits beendet und alle Beteiligten waren sich einig, dass hier das bisher beste und abwechslungsreichste Led-Zeppelin-Album vorlag. Weniger einig war man sich jedoch über das Coverdesign; die Band wollte die Platte komplett unbetitelt lassen und auch keinen Hinweis auf den Künstler auf Vorder- oder Hinterseite abdrucken, was Atlantic Records natürlich überhaupt nicht gefiel. Page fand, die Musik solle für sich sprechen: „Wir könnten uns auch ,Die Kohlköpfe’ nennen, die Leute sollen die Patte wegen der Songs kaufen. Namen bedeuten überhaupt nichts.“

Obgleich es mit dem Verhältnis zur Plattenfirma wegen der konsequenten Weigerung, Singles zu veröffentlichen, sowieso nicht zum besten stand, konnten Grant und die Band sich schließlich durchsetzen und das Album wurde ohne Titel und Bandname veröffentlicht – nur vier seltsame Symbole prangten letztlich auf dem Cover, jeweils eins für jedes Bandmitglied. Jimmy hatte seine drei Mitstreiter dazu angehalten, jeder möge sich aus einem Buch über Runen ein Symbol auswählen.

Robert entschied sich für eine Feder in einem Kreis, Bonzos Wahl fiel auf drei ineinander verwobene Kreise und Jones nahm drei Ovale, die wiederum in einem Kreis zusammenliefen. Page selbst dachte sich ein neues Symbol aus, das er „Zoso“ nannte und das wohl seine mystische Aura als Crowley-Jünger bekräftigen sollte.

Wegen der Querelen mit ihrer Plattenfirma verzögerte sich der Release der vierten Zeppelin-Scheibe (von einigen Fans nach Jimmys Symbol auch als „Zoso“, von anderen schlicht als „Untitled“ bezeichnet, von wieder anderen „Four Symbols“ oder „Led Zeppelin IV“ genannt), die Band allerdings ging gleich wieder auf Tour. Zunächst absolvierte man zwei Shows in Irland, wo Bonham seinem Ruf als enfant terrible einmal mehr gerecht wurde, indem er sich völlig betrunken mit einem Hotelkoch anlegte, als er sich des Nachts auf Nahrungssuche gemacht hatte. Der Mann fuchtelte mit einem Messer vor Bonzos Gesicht herum und Bonham – der drauf und dran war, sich auf den Kerl zu stürzen, als Cole dazwischenging, um für Ruhe zu sorgen – wäre wohl ernsthaft zu Schaden gekommen, hätte Cole ihn nicht gepackt und zurückgehalten. „Du hältst jetzt deine Fresse!“, befahl er und brach dem Schlagzeuger mit einem Hieb ins Gesicht die Nase, woraufhin Bonham jammernd bei Peter Grant antanzte und erklärte, es reiche ihm und er sei raus aus der Band.

Für solche Kapriolen hatte Grant allerdings nichts übrig, da er krank war und sich beschissen fühlte: „Hör mir doch auf mit dem Dreck! Verpiss dich. Komm mir doch nicht mitten in der Nacht mit so einem Scheiß.“

Doch im Gegensatz zu diesem Vorfall, der recht schnell niemanden mehr interessierte, sollte es einige Zeit später in Mailand zu einer echten Katastrophe kommen – und diesmal trug nicht die inzwischen berüchtigte Zeppelin-Security die Schuld daran, die sich mit ihren Mafia-mäßigen Methoden einen zweifelhaften Ruf erarbeitet hatte. Die Band war für die dortige Radrennbahn, das Velodromo Maspes-Vigorelli, gebucht worden, allerdings sollten zuvor noch 28 weitere Acts auftreten.

Auffällig waren sofort hunderte von Polizisten, die in voller Kampfmontur bereit standen, im Falle des Falles einzuschreiten. Grant und Page wiesen den Promoter darauf hin, dass solch eine Miliz garantiert Stunk beim Publikum provozieren würde, und beklagten sich außerdem über den Backstage-Raum, der so voll war – bei 28 Acts kein Wunder –, dass man kaum Luft zum Atmen habe. 

Richard Cole wurde es bei dem Gedränge hinter der Bühne schließlich zu bunt und er beschloss, dafür zu sorgen, die Band einfach jetzt auftreten zu lassen: „Scheiß drauf, wir spielen verdammt noch mal, wann wir wollen.“

Nun spielten Led Zeppelin also früher als erwartet und im Handumdrehen war das Stadion ein Hexenkessel; im hinteren Teil stieg plötzlich ziemlich dicker Qualm auf. Alles weitere soll sich etwa so abgespielt haben: Der Promoter ging auf die Bühne und sagte der Band, man solle die Kids darauf hinweisen, keine Feuer anzuzünden. Schließlich aber – nach mehreren dies betreffenden, erfolglosen Hinweisen seitens Robert – landete eine Tränengasbombe vor der Bühne und die Band begriff, dass der Qualm der sogenannten „Feuer“ nichts anderes als Tränengas war. Offensichtlich hatte die Polizei die aufgeheizte Stimmung zum Anlass genommen, auf das Publikum einzuprügeln – das nun seinerseits mit Steinen und Flaschen antwortete und schließlich in eine solche Tränengaswolke eingehüllt wurde, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als die Bühne zu erklimmen, auch um den Knüppeln der sogenannten „Ordnungshüter“ zu entgehen.

Panisch mussten angesichts der Tatsache, dass das ganze Stadion auf sie zugerannt kam, nun auch Band und Crew das Weite suchen. Insgesamt wurden etwa vierzig Verletzte in die umliegenden Krankenhäuser gebracht; auch ein Zeppelin-Roadie trug eine Wunde bei dem Versuch, das Equipment zu retten, davon.

Led Zeppelin spielten nie wieder eine Show in Italien. 

 

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