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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Das Edgewater Inn Hotel in Seattle, Tatort der legendären "Hai-Episode"

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III. Die Hai-Episode

Der Erfolg veranlasste die Band dazu, bald eine weitere Amerikatournee zu unternehmen, bei der man es, was Eskapaden und Kapriolen anging, schon weitaus heftiger trieb als bei der ersten. Fiel man dort noch durch vergleichsweise harmlose Scherze wie Essensschlachten in Hotelzimmern auf, war man inzwischen – der Vernichtung großer Mengen an Alkohol und Dope sei Dank – weitaus kreativer, was exzessives Verhalten anging.

Dabei kam es auch zu einer legendären Episode im Edgewater Inn in Seattle, wo man direkt vom Balkon seines Zimmers in dem See hinter dem Hotel angeln konnte. Die Band und einige andere aus der Crew fingen gute zwei Dutzend kleiner Haie, denen man Kleiderbügel durch die Kiemen zog und dann im Schrank aufhängte – worüber sich das Reinigungspersonal am nächsten Tag entsprechend zu Tode erschreckte.

Den eigentlichen Legendenstatus erlangte die Geschichte aber letztlich nicht durch einen Hai, sondern durch einen Rotschwanzschnapper, den Richard Cole nach eigenen Worten auf die Vagina eines rothaarigen jungen Groupies ansetzte, nach dem Motto „wollen doch mal sehen, wie sich dein roter Schnapper mit dem roten Schnapper hier versteht“.

Das Mädchen sei dabei „mindestens zwanzigmal gekommen und auch wenn ich nicht bestreiten will, dass sie oder irgendeiner der Beteiligten dabei sternhagelvoll gewesen ist, es ist niemand zu Schaden gekommen und keiner hat dem Mädel etwas Schlimmes getan“.

Mark Stein von Vanilla Fudge, mit denen die Zeps auf Tour waren, filmte diese morbide Episode und Frank Zappa wurde dadurch zu dem Stück „Mudshark“ inspiriert.

Es war nur der Anfang von wilden, verrückten, oft über die Stränge schlagenden Eskapaden und da es erst Zeppelins zweite Tour war, sah ihnen auch noch niemand so genau auf die Finger. Diesen Umstand und die Tatsache, dass die Mädchen praktisch alles mit sich machen ließen, nutzte die Band und ihr Umfeld nur allzu gerne aus.

Eine andere Anekdote aus diesem Jahr besagt, dass sich Jimmy Page, als man sich in New York Ten Years After anschaute, so begeistert von Alvin Lees filigranem Gitarrenspiel zeigte, dass John Bonham im Vollsuff „Den mach ich kalt!“ schrie, sich kurzerhand eine Packung Orangensaft krallte und auf Lee warf, sodass die Gitarre verklebt wurde und dem Ten-Years-After-Frontmann nichts anderes übrig blieb, als die restlichen Songs des Sets langsamer zu spielen. 

Als dann noch Jeff Beck auftrat, überredete Bonham dessen Drummer, für kurze Zeit auf seinem Kit spielen zu dürfen. Tatsächlich trommelte er ein kurzes Solo und rannte dann an den Bühnenrand, wo er sich nackt auszog, was die Zuschauer mit begeistertem Gejohle zur Kenntnis nahmen. Gerade noch rechtzeitig, bevor die Polizei den Trunkenbold einbuchten konnte, zerrte Grant Bonham von der Bühne und zwang ihn – nicht ohne ihn ordentlich zusammenzufalten und anzudrohen, ihn zu feuern – in der Garderobe, sich wieder zu bekleiden. 

Led Zeppelins schlechtes Verhältnis zur Presse besserte sich übrigens nicht gerade dadurch, dass man am Ende der zweiten Tour – wahrscheinlich wieder einmal im Vollsuff – über die Journalistin Ellen Sander, die die Gruppe begleitet hatte, um einen Artikel für das Life-Magazin zu schreiben, herfiel, als diese in der Garderobe erschien, um sich zu verabschieden und zu bedanken. Peter Grant konnte Schlimmeres verhindern, indem er den völlig durchgedrehten Bonham von ihr herunterzog, aber Sander rächte sich in ihrem Artikel mit den wenig schmeichelhaften Worten: „Wenn du im Zoo in die Käfige gehst, siehst du die gefangenen Tiere aus der Nähe, du kannst sie streicheln, spürst das Fell, hast direkten Kontakt mit der Energie hinter der Aura. Auf der anderen Seite riechst du auch ganz nah die Scheiße.“

Während des Tourens hatte man mal eben neue Stücke geschrieben, zwischendurch aufgenommen und abgemischt, denn aufgrund des nie für möglich gehaltenen Erfolges stand man unter immensem Zeitdruck. „Led Zeppelin II“ erschien schließlich am 22. Oktober 1969 und klang nicht mehr ganz so roh, wild und ungestüm wie das Debüt, sondern etwas strukturierter, ausgereifter und noch abwechslungsreicher. Überflüssig zu erwähnen, dass auch diese Platte bei den Fans einschlug wie eine Bombe (aufgrund des braunen Covers übrigens auch „Brown Bomber“ genannt) und daher schon nach drei Wochen vergoldet wurde. Der Megahit „Whole Lotta Love“, mit seinem simplen, aber enorm effektiven Main-Riff wurde trotz Protesten seitens der Band und Peter Grant als gekürzte Single veröffentlicht, allerdings nur im amerikanischen Raum, was die englische Atlantic-Niederlassung zur Weißglut trieb, da man dort bereits die Goldauszeichnungen vor dem geistigen Auge schweben sah. 

Die von Grant clever ausgehandelten Konditionen mit ihrer Plattenfirma machten die vier Zeppelin-Jungs endgültig zu Multimillionären und das viele Geld wurde alsbald in Nobelschlitten und neue Immobilien investiert (auch aus steuerrechtlichen Gründen). So betätigten sich Robert Plant und John Bonham als Hobbyfarmer, indem sie sich Bauernhöfe mit üppigen Grundstücken kauften, während Page, der einen Faible für den sagenumwobenen Aleister Crowley entwickelt hatte, sich wenig später Boleskine House, Crowleys frühere Wohnstatt, gönnte.

Ärger gab es dennoch immer wieder, beispielsweise, als man Anfang 1970 eine Europatour absolvierte und sich in Kopenhagen mit einer gewissen Eva von Zeppelin konfrontiert sah, die alle Hebel in Bewegung setzte, um den Auftritt des Quartetts zu verhindern. Sie werde es nicht zulassen, dass eine „Horde kreischender Affen das Erbe ihrer angesehenen Familie“ beschmutze und da sie mit rechtlichen Schritten drohte, nannte die Band sich an diesem Abend einfach „The Nobs“ – ein Londoner Slang-Ausdruck für „Die Schwänze“.

In den amerikanischen Südstaaten wiederum musste die Band sich vor hasserfüllten Rednecks hüten, denen die Hippies mit ihren langen Haaren ein Dorn im Auge waren. Sogar die Polizei soll damals versucht haben, dem Zeppelin-Tross Drogen unterzujubeln, damit man die neureichen englischen Musiker einbuchten konnte. Da man ständig Gefahr lief, in Schlägereien verwickelt zu werden, wurden schließlich acht Bodyguards als Privatarmee eingestellt, die dann auch gegen die verhassten Bootlegger das ein oder andere Mal äußerst rüde zu Werke schritten.

Auch bei einem Konzert in Vancouver ließ Grant einen vermeintlichen Bootlegger zusammenschlagen und dessen ziemlich teure High-Tech-Ausrüstung demolieren. Zu dumm, dass der Mann sich als Regierungsangestellter entpuppte, der lediglich den Lärmpegel in der Halle messen sollte. Mit Hilfe einer ordentlichen Summe Bargeld konnte der Zeppelin-Manager einer Verhaftung gerade noch so entgehen.

Der Band selbst berichtete man möglichst wenig davon, um sie nicht mit all dem Stress zu belasten; sie wurde ohnehin immer mehr von der Außenwelt abgeriegelt, da mehrere Geistesgestörte Morddrohungen eingehen ließen. Das Ende vom Lied war natürlich noch mehr Drogenkonsum und noch ausschweifendere Sexpraktiken.

Völlig ausgebrannt zogen sich Robert Plant und Jimmy Page mit ihren Familien (Robert war mit der Halb-Inderin Maureen verheiratet, die inzwischen ein Kind zur Welt gebracht hatte, und Jimmy mit dem französischen Fotomodell Charlotte Martin liiert) und drei Roadies im Frühjahr nach Bron-Yr-Aur, einer Bauernhütte in Wales, zurück, wo man sich von den Strapazen der letzten Touren erholen wollte. Obwohl es eigentlich gar nicht geplant war, entstand hier einiges Material für das dritte Album, welches im Herbst erscheinen sollte und einen deutlich höheren Akustikanteil als die vorigen Werke innehaben würde. Im Mai begann man in Headley Grange, einem alten Landhaus in Hampshire, schließlich mit den Aufnahmen zu „Led Zeppelin III“.
 

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