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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Eins der ersten Promofotos von 1969

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II. Aufstieg des Bleizeppelins

Warum dies der Fall ist und warum die Band als gleichsam faszinierend, stilprägend, mystisch und maßlos dekadent gilt, zeigt schon die Einleitung in Stephen Davis’ Biographie, die den Leser gleich lockt und einmal mehr verdeutlicht, was für unfassbare Storys über diese Band kursieren: „Beschimpfungen, infame Verleumdungen, ärgerliche Gerüchte – während der dritten Amerikatournee Led Zeppelins 1969 zirkulierte das alles wie vergiftetes Blut. (...) Die Jungs von Led Zeppelin stärkten sich mit Vaginalsekreten direkt aus der Quelle, sie fräßen Frauen und würden die Knochen dann aus dem Fenster werfen und heranwachsende Mädchen würden vor dem Sex in Wannen voll mit gebackenen Bohnen in Tomatensoße gesteckt.“

Es sei noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt, dass diese Geschichten aus dem Jahre 1969 stammen – die Band existierte zu diesem Zeitpunkt kaum ein Jahr und war doch schon so erfolgreich, wie andere Gruppen es nicht einmal in Jahrzehnten schaffen. Gerade in Amerika erlebten Led Zeppelin einen kometenhaften Aufstieg, verkauften dort von Anfang an Platten wie geschnitten Brot, während man in ihrer englischen Heimat überhaupt noch keine Notiz von ihnen nahm (genau umgekehrt verhielt es sich übrigens bei Jimi Hendrix, der in Seattle geboren wurde und seine ersten Erfolge in England feierte). Dabei prophezeite John Entwhistle, damals seines Zeichens Bassist von The Who, einer neuen Band vom damals noch bei den Yardbirds spielenden Jimmy Page äußerst geringe Erfolgschancen.

Laut einer sehr bekannten Anekdote soll Entwhistle, als er zusammen mit The-Who-Drummer Keith Moon und Zeppelins späterem Tourmanager Richard Cole in einer angesagten New Yorker Disco abhing, nämlich gesagt haben, als die beiden Musiker darüber jammerten, dass sie keinen Bock mehr auf The Who hätten und lieber eine Band mit Jimmy Page und Steve Winwood (Traffic) gründen wollten: „Ja, und die nennen wir dann Lead Zeppelin. Weil sie nämlich verdammt noch mal durchfallen wird wie ein Bleiballon.“

Diese Aussage, die Keith Moon mit einem wiehernden Lachen quittierte, soll Cole dann an Page weitergetragen haben und später, als Page dann tatsächlich mit Plant, Jones und Bonham eine neue Band gründete, wurde der Name wieder aufgegriffen, da die Bezeichnung „The New Yardbirds“ doch etwas zu einfallslos erschien und Jimmy die Verbindung von leicht und schwer – eine ähnliche Assoziation wie „Iron Butterfly“ – sehr gut gefiel. Nur das „a“ aus „lead“ strich man noch heraus, „damit die dussligen Amerikaner nicht ,leed’ sagen würden statt ,led’“.

Als die Band gegründet wurde war Jimmy bereits ein großer Star. Er hatte bei über 200 Produktionen mitgewirkt und sich durch sein facettenreiches und virtuoses Spiel schnell zu einem gefragten Sessiongitarristen entwickelt. Und die Yardbirds, bei denen er zwischenzeitlich mit Eric Clapton und Jeff Beck zusammen spielte, waren eine große Nummer gewesen. Auch Bassist und Keyboarder John Paul Jones, dessen Vater ebenfalls Musiker war, hatte einen recht hohen Bekanntheitsgrad als Arrangeur und Sessionmusiker erlangt, während Sänger Robert Plant und Drummer John Bonham vom Land kamen, von Tuten und Blasen noch keine Ahnung hatten und außerdem ständig pleite waren.

Während Robert und Jimmy – als Jimmy Robert zum ersten Mal sah, war er so begeistert, dass er ihn unbedingt als Sänger haben wollte und sich fragte, warum noch niemand diesen jungen Mann entdeckt hatte – schnell feststellten, dass sie, was den Musikgeschmack anging, total auf einer Wellenlänge lagen, war Bonham lange am Überlegen, ob er bei Jimmys neuer Band einsteigen sollte. Jimmy Page war zwar ein großer Name, aber bei Tim Rose, einem amerikanischen Folksänger, bei dem Bonzo gerade trommelte, verdiente er immerhin 40 Pfund die Woche.

Und Geld hatte der Schlagzeuger dringend nötig – zwischendurch war er so arm, dass er mit seiner Frau in einem Wohnwagen hausen und sogar das Rauchen aufgeben musste.

Jimmy Page aber ließ nicht locker, da er von Bonhams unheimlich kraftvoller Art zu spielen völlig fasziniert war, und Peter Grant meinte, er habe gemerkt, dass es Jimmy mit Bonham wirklich ernst war, als er den Schlagzeuger zum ersten Mal nicht per R-Gespräch anrief.

Pages Geiz galt als geradezu legendär. So heißt es zum Beispiel, er habe nach der ersten gemeinsamen Probe – bei der alle sofort spürten, dass etwas Magisches in der Luft lag – die anderen, blanken Musiker um Geld für Bier und Snacks gebeten, obgleich er doch der reiche Star war. Dies brachte ihm den bandinternen Namen „Led Wallet“ ein.

Jimmys Studioerfahrung veranlasste ihn dazu, das erste Zeppelin-Album – und sämtliche darauffolgende Platten ebenso – selbst zu produzieren. Die Band allerdings ging, noch bevor die selbstbetitelte Debütscheibe auf den Markt kam, bereits auf ihre erste Nordamerika-Tournee. Ein nicht unerhebliches Risiko, das sich jedoch voll auszahlen sollte. Als die Jungs am 26. Dezember 1968 in Los Angeles ankamen, avancierten sie – noch bevor sie auch nur eine Note gespielt hatten – sogleich zu den Lieblingen der amerikanischen Groupies, worüber die Landeier Robert Plant und John Bonham nicht schlecht staunten. Wen wundert’s, dass binnen kürzester Zeit die wildesten Gerüchte um die Exzesse der Band die Runde machten, wenn jungen, hungrigen Musikern (Plant und Bonham zählten beide damals gerade 20 Lenze, Jones war 22 und Page 24) praktisch jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird und sie alles bekommen, wovon sie bisher nicht einmal zu träumen wagten? Die Vereinigten Staaten sollten sich als ein wahres Paradies für Led Zeppelin entpuppen; die Band konnte im Prinzip machen, was sie wollte, niemand hielt sie auf.

Musikalisch war auf jener ersten Tour das wohl prägendste Ereignis die letzte Show am 31. Januar, wo man als Vorband von Iron Butterfly, der damals „härtesten Band der Welt“, auftreten sollte. Led Zeppelin räumten beim Publikum dermaßen ab, dass der eiserne Schmetterling sich standhaft weigerte, die Bühne zu betreten. Äußerst symbolträchtig für eine neue, aufkeimende Generation der Rockmusik: So hart und laut hatte bisher noch keine Band geklungen, solche Begeisterungsstürme seit den Beatles niemand mehr entfacht. Die amerikanische Jugend lechzte nach etwas Neuem, Extremerem und Led Zeppelin waren genau das, wonach sie gesucht hatte. Außerdem wollen Jimmy Page und Co. beobachtet haben, wie Jugendliche beim Konzert in Boston voller Begeisterung ihre Köpfe im Takt bewegten; ein Move, der bald als Headbanging bekannt wurde.

Das Debütalbum erschien am 12. Januar 1969 über Atlantic Records in den USA – Peter Grant hatte mit der Plattenfirma einen sensationellen Deal ausgehandelt, angeblich kassierte die Band 200.000 Dollar Vorschuss, eine damals unglaubliche Summe – und wurde von der dortigen Presse in der Luft zerrissen, die Led Zeppelin als „rüde Heavy-Metal-Monster“ beschimpfte. Besonders der Rolling Stone tat sich eifrig hervor und sollte in Zukunft eigentlich alles schlecht machen, was die Band bis Mitte der Siebziger veröffentlichte. Die Gruppe zeigte sich tief betroffen über die Reaktionen und beschloss, die Presse fortan zu ignorieren – später sollte diese Ignoranz sogar in offene Feindseligkeit ausarten.

Die Fans interessierten die schlechten Kritiken allerdings herzlich wenig; die Platte war im Mai bis in die Top Ten der Billboard-Charts aufgestiegen und brachte Atlantic bis dahin 3,5 Millionen Dollar ein – bei Kosten von gerade mal 1782 Pfund. Bemerkenswerterweise wuchs die Band praktisch ohne Singleauskopplungen, was damals geradezu eine Sensation darstellte, zumal es auch so gut wie gar keine Fernsehauftritte von Led Zeppelin gab. Ähnlich wie die Heavy-Metal-Bands der frühen Achtziger erarbeitete man sich einen größeren Fankreis durch Mund-zu-Mund-Propaganda, außerdem durch Underground-Radiostationen, die das ganze Album am Stück spielten.
 

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