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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Trat bei "In Through The Out Door" mehr in den Vordergrund: John Paul Jones

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XIII. Schwanengesang

Led Zeppelin waren also vorerst auf Eis gelegt, was die Presse allerdings nicht davon abhielt, absurde Gerüchte und Verleumdungen zu verbreiten. Es wurde allen Ernstes behauptet, Robert Plant gäbe Jimmy Page wegen seines Interesses an Okkultismus die Schuld an den furchtbaren Dingen, die seiner Familie widerfahren waren; dass auf der Gruppe ein Fluch läge, sie ihr schlechtes Karma ernte und vor dem Aus stehe.

Des weiteren starb im August 1977 mit Elvis Presley ein großes Vorbild der Band und mit dem Punk war eine neue Musikrichtung aufgekommen, die immer populärer wurde und deren Anhänger wenig für millionenschwere Rockstars übrig hatten und Bands wie Led Zeppelin als Dinosaurier verhöhnten. Gerade dies jedoch veranlasste Page zu trotzigen Dementi, was etwaige Auflösungserscheinungen betraf.

Erst Mitte 1978 kam die Band wieder zusammen, um der Welt zu zeigen, dass der Zeppelin noch längst nicht abgestürzt war, besonders nachdem Robert zu seinem Unmut auch noch in einer Zeitung hatte lesen müssen, Roy Harper werde der neue Led-Zeppelin-Frontmann.

Plant machte sich als Sänger in einigen lokalen kleineren Bands wieder mit Live-Atmosphäre vertraut, bevor im September 1978 The-Who-Drummer Keith Moon an einer Überdosis Tabletten verstarb – ironischerweise an einem Medikament, das ihm gegen seinen Alkoholismus helfen sollte. Wieder hatte es einen aus dem Umfeld Led Zeppelins erwischt – es waren wahrhaft schwere Zeiten!

Dennoch begann man im November mit den Proben zum neuen Album „In Through The Out Door“, das im Folgemonat genau wie „Presence“ in nur drei Wochen aufgenommen und abgemischt wurde, diesmal allerdings in Abbas Polar Studios in Stockholm.

Es war auch das erste Album, bei dem nicht der ziemlich im Drogensumpf versackte Jimmy Page den Ton angab, sondern John Paul Jones, was anhand der allgegenwärtigen Synthesizer-Teppiche schnell deutlich wird.

Led Zeppelin bewiesen, dass sie der Spott seitens der Punks nicht interessierte und demonstrierten einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit. Der majestätische Opener „In The Evening“ hätte das Einläuten einer neuen Zeppelin-Ära sein können, bei „Fool In The Rain“ unternimmt die Band gar Ausflüge in brasilianische Samba-Regionen, mit „Carouselambra“ hat man ein spaciges Epos am Start, „All My Love“ ist eine Hommage an Plants verstorbenen Sohn Karac und das finale Gänsehaut-Stück „I’m Gonna Crawl“ markiert so etwas wie den tatsächlichen Schwanengesang Led Zeppelins – wenngleich letzten Endes auch unfreiwillig.

„In Through The Out Door“ erschien am 15. August 1979 und heimste schnell Platin ein, außerdem stiegen alle anderen Alben wieder in die Billboard-Charts ein – neun Platten auf einmal in den Charts hatte zuvor und bisher auch danach noch niemand geschafft.

Kurz zuvor war die Band beim englischen Knebworth-Festival zweimal als Headliner aufgetreten und spielte vor insgesamt 400.000 Zuschauern, und nach einigen Auftritten Plants, Jones’ und Bonhams bei Wohltätigkeitsveranstaltungen für die UNICEF kam das Quartett im April 1980 wieder zusammen, um für die erste Europatour seit 1973 zu proben, welche am 17. Juni in Dortmund beginnen sollte. Richard Cole war auf dieser Rundreise, die 14 Konzerte in Deutschland, Holland, Belgien, Österreich und der Schweiz umfasste, nicht mehr dabei. Peter Grant hatte sich mit ihm zerstritten und ihn nach Italien zum Entzug geschickt, da er der Nadel mittlerweile völlig verfallen war.

Ohne ihn gab es kaum noch solch ausschweifende Exzesse wie früher; die Musiker traten größtenteils freundlich auf, Jimmy Page unterhielt sich mit Fans und ausgerechnet John Bonham erklärte, es gäbe noch viel zu tun und man dächte noch lange nicht ans Aufhören.

Dennoch waren die Konzerte insgesamt eher durchwachsen, besonders der heroinsüchtige Page fiel durch sehr wechselhafte Leistungen auf; so soll er bei einigen Auftritten sehr müde gewirkt haben, bei anderen dagegen wild in die Luft gesprungen sein und sogar Song-Ansagen vollzogen haben. Der inzwischen noch mehr in die Breite gegangene Bonzo hingegen brach beim Konzert am 27. Juni in Nürnberg nach drei Songs plötzlich vor Erschöpfung zusammen (die Legende besagt, er habe vor dem Auftritt 27 Bananen heruntergeschlungen) – insgesamt jedoch waren alle Beteiligten mit der Tour zufrieden.

Im Herbst sollte eigentlich noch eine kleinere US-Tour folgen, die quasi unter dem Motto „back to the roots“ laufen sollte: Keine Lasershow oder sonstiger Firlefanz, sondern einfach nur vier Jungs, die Musik machten. Mit 19 bereits ausverkauften Shows wollte die Band ihren ruinierten Ruf in Amerika wieder in rechtes Licht rücken, doch es sollte nicht mehr dazu kommen, der Gig am 7. Juli 1980 in der Berliner Eissporthalle würde der letzte der Zeppelin-Laufbahn sein.

Die vier Musiker trafen im September in einer von Jimmy erstandenen, ehemaligen Windmühle in Windsor zusammen, um für die bevorstehende Tour in den Staaten zu proben und Page hatte einem Journalisten gesteckt, er glaube, es stecke noch eine ganze Menge in der Band.

Gerade Bonham soll angeblich ganz heiß auf die Tour gewesen sein, da die letzte in Amerika in einem totalen Desaster geendet hatte; er hatte das Heroin hinter sich lassen können, trank allerdings immer noch wie ein Loch und nahm außerdem Medikamente gegen Angstzustände und Depressionen.

Am 24. September wurde er von Rex King, dem neuen Tourmanager Led Zeppelins, von seiner Farm abgeholt und machte vor den Proben einen Zwischenstopp in einem Pub, wo er sich zwei Schinkenbrötchen und vier vierfache Wodka einverleibte. Während und nach den Proben trank er weiter horrende Mengen an Wodka, bis er gegen Mitternacht schließlich auf einem Sofa einschlief. Anschließend brachte man ihn ins Gästezimmer und stützte ihn mit einigen Kissen ab.

Als Bonham am folgenden Nachmittag immer noch nicht wiederaufgetaucht war, gingen der Techniker Benji LeFevre und John Paul Jones los, um nach dem Schlagzeuger zu sehen; sie konnten keinen Puls fühlen. Sofort wurde ein Krankenwagen alarmiert, doch jede Hilfe kam zu spät. Bonzo war schon lange vorher an diesem Morgen an seinem eigenen Erbrochenen erstickt – so wie einige Monate zuvor AC/DCs Sänger Bon Scott nach einer durchzechten Nacht und vor bereits zehn Jahren Gitarrengott Jimi Hendrix. John Henry Bonham wurde nur 32 Jahre alt.

Robert und Jimmy konnten die furchtbare Nachricht kaum glauben, noch dazu, wo gerade eine solche Aufbruchstimmung geherrscht hatte. „Es hätte jedem passieren können, der zu viel getrunken hat“, meinte Jones. „Bonzo hat dauernd viel getrunken – sein Tod war so sinnlos.“

Dass Led Zeppelin ohne John Bonham nicht weiter existieren würden – nicht weiter existieren konnten – war sofort allen Beteiligten klar; Bonzos einzigartiger Stil, sein unsagbar kraftvolles, energetisches Drumming hätte niemand ersetzen können. Aus diesem Grund und auch aus Respekt gegenüber dem Schlagzeuger und seiner Familie erklärten Page, Plant und Jones in einer Pressemitteilung am 4. Dezember, einige Wochen nach Bonhams Beerdigung, welche am 10. Oktober stattgefunden hatte, das Ende der Band. Bei Led Zeppelin war niemand ersetzbar, gerade die Tatsache, dass sie stets in der gleichen Besetzung spielten, war eine nicht unwesentliche Ursache für ihren Erfolg. Auch wenn es zwischendurch Reibereien, Skandale und Katastrophen gab, war man doch immer eine Gruppe, die von ihrem Zusammenhalt lebte; vier Männer, die nicht nur Musik zusammen machten, sondern auch miteinander befreundet waren, so unterschiedlich die Charaktere auch waren.

Die größte Rockband aller Zeiten, die sich immer wieder gegen Presseverrisse und gegen jeden Trend – zuletzt Punk und New Wave – behauptet hatte, gab es mit einem Mal nicht mehr. Keine Band hat je wieder diese Magie versprüht, hat an diesen Erfolg auch nur annähernd anknüpfen können. Viele ihrer Riffs wurden in Stücken unterschiedlichster Musikgenres verwurstet, immer wieder tauchen Zeppelin-Songschnipsel irgendwo als Samples auf, doch das Original bleibt unerreicht. Die einzigartige Stellung Led Zeppelins unter den Giganten des Rock erklärt sich sicherlich an dem neuen harten Sound, den sie mit ihrem ersten Album in die Musikwelt einbrachten, ihrem kometenhaften Aufstieg, den sie ohne Unterstützung von Presse und Fernsehen schafften, an ihrer musikalischen Vielseitigkeit, ihren stundenlangen, magischen Konzerten, und ihrem Glamour, den sie sicherlich auch ihrer Dekadenz und ihren wilden, legendären, heute gar nicht mehr denkbaren Exzessen verdanken. 

Das rücksichtslose Verhalten gegenüber anderen und das oft rigorose Vorgehen ihrer Crew gegen Veranstalter und Bootlegger kann nicht gerade gutgeheißen werden und brachte den Zeps viel Hass ein, genau wie ihr Ruhm und ihr Reichtum ihnen viele Neider bescherte. So hat zuletzt Cream-Bassist Jack Bruce in einem Interview gegen Led Zeppelin gestänkert, weil er es ungerecht fand, dass Cream nie diesen Erfolg erreichten.

Doch gerade die Tatsache, dass die Band die Gemüter so spaltet und dass sie ein typischer Fall von „man kann sie nur lieben oder hassen, dazwischen gibt es nichts“ ist, macht sie umso größer und legendärer.

 

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