Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Robert und Jimmy während einer Performance von "Achilles Last Stand" 1977

Zum Thema

XII. Weitere Schicksalsschläge

Am 1. April 1977 begann in Dallas die elfte Tour Led Zeppelins durch die USA, die einmal mehr eine Steigerung der gigantischen Erfolge der bisherigen Tourneen bedeuten sollte.

Die Gruppe – die mittlerweile in einer anderen Luxus-Boeing, dem „Caesar’s Chariot“, herumflog, nachdem das „Starship“ durch einen Triebwerksausfall außer Gefecht gesetzt war – brach wieder einmal alle Rekorde und scheffelte Geld wie Heu: Die 1,3 Millionen Tickets für die 51 Konzerte in insgesamt 30 Städten waren ratzfatz ausverkauft und im Silverdome in Pontiac/Michigan brach die Band ihren eigenen Rekord mit über 76.000 Besuchern und kassierte allein an diesem Abend 800.000 Dollar.

In New York und Los Angeles spielte man allein jeweils sechs Shows, in Chicago vier, wobei dort die dritte abgebrochen werden musste, weil Jimmy Page über schwere Magenkrämpfe klagte. Ohnehin sah er wegen seiner Heroinsucht alles andere als gesund aus und trotz der gigantischen Erfolge stand die Tour irgendwie unter keinem guten Stern. Alles hatte bereits damit angefangen, dass die Rundreise durch Amerika um einen Monat verschoben werden musste, da sich Robert Plant, kurz bevor man starten wollte, eine Mandelentzündung eingefangen hatte – und das, nachdem sein Knöchel endlich wieder verheilt worden war und er zumindest wieder gehen konnte.

Auch war dem inzwischen schwer kokainabhängigen Peter Grant die Frau weggelaufen, was sich massiv auf dessen Stimmung auswirkte, und Led Zeppelins Privatarmee verbreitete Angst und Schrecken, wo sie nur konnte – besonders John Bindon machte seinem Ruf als brutaler Schläger alle Ehre. Veranstalter wurden eingeschüchtert oder verprügelt und Hotelzimmer in ihre Einzelteile zerlegt, wobei John Bonham in Seattle nicht davor zurückschreckte, in den See des Edgewater Inn einen Kühlschrank zu werfen, in welchem Plant unglücklicherweise sechs Flaschen sündhaft teuren Dom Perignon gebunkert hatte – zusammen teurer als der Kühlschrank selbst.

Ein weiteres trauriges Highlight gab es im Tampa Stadium in Florida, als die Band die Bühne bereits nach drei Songs verlassen musste, da ein so schlimmes Unwetter aufgezogen war, dass ein Weiterführen des Konzerts lebensgefährlich hätte werden können, zumal Stone-The-Crows-Gitarrist Les Harvey – ebenfalls ein früherer Schützling von Zeppelin-Manager Peter Grant – im Jahr 1972 durch einen Stromschlag bei einer solchen Situation ums Leben gekommen war. Grant war damals in Tränen ausgebrochen und wusste nur zu gut, was bei solchen Regenfällen open air passieren konnte. Einige Fans hatten jedoch kein Einsehen und lieferten sich eine Massenschlägerei mit der Polizei.

Eins der unrühmlichsten Kapitel der Bandgeschichte trug sich jedoch in Oakland/Kalifornien zu, als Led Zeppelin am 23. Juli die erste von zwei Shows im dort befindlichen Coliseum gaben. Zwar ging es schon in der Nacht vorher los, als der örtliche Veranstalter Bill Graham von der Band um einen Vorschuss von 25.000 Dollar geboten wurde, die letztlich für einen gigantischen Drogendeal verwendet wurden (was bei Graham nicht gerade auf Gegenliebe stieß, nachdem er mit Müh und Not das Geld hatte auftreiben können), und auch am nächsten Tag bewies die Zeppelin-Security einmal mehr durch rohe Gewalt, dass sie sich längst zu einer Art Mafia-Clan entwickelt hatte, indem man einem Apotheker den Laden kurz und klein schlug, weil dieser sich weigerte, die verlangte Riesenmenge an Medikamenten herauszurücken. Doch so richtig schlimm wurde es erst, als Grants elfjähriger Sohn Warren Jim Matzorkis – einen Security-Mann in Diensten von Bill Graham – fragte, ob er eines der handgemalten Schilder, auf denen „Led Zeppelin“ stand, haben dürfe, was dieser verneinte und den Jungen angeblich auch noch wegschubste. John Bonham bekam dies zufällig mit und trat dem Mann ins Gemächte, bevor er sich wieder auf die Bühne begab.

Der Vorfall wurde schließlich von irgendjemandem an Peter Grant weitergetragen, der Matzorkis zusammen mit John Bindon in einen der als Garderobe dienenden Trailer zerrte, wo die beiden ihn krankenhausreif schlugen, während Richard Cole draußen Schmiere stand, damit Grahams Personal nicht eindringen konnte.

Letzteres sann zwar auf Rache, aber Graham wollte trotz dieses schlimmen Vorfalls, dass die Zeps noch ihr zweites Konzert spielten – danach konnte man ihnen immer noch die Bullen auf den Hals hetzen. Die Atmosphäre am nächsten Tag glich einem Pulverfass kurz vor der Explosion und Robert Plant meinte dazu, es sei bestürzend gewesen, „Stairway To Heaven“ zu singen, während zwei Privatarmeen – bis an die Zähne bewaffnet – nur darauf warteten, dass einer aus dem feindlichen Lager auch nur ein falsches Wort sagte. Die Band hätte damit nichts zu tun gehabt. Bill Graham sah das verständlicherweise etwas anders; er bescheinigte der Zeppelin-Crew Nazi-Methoden und meinte, die Band sei durchaus mitverantwortlich, da sie ihre Crew schließlich gewähren ließe. Grant räumte später unter Tränen ein, damals falsch gehandelt und eine furchtbare Dummheit begangen zu haben.

Am nächsten Tag, als es gerade nach New Orleans weitergehen sollte, erschien im Hotel die Polizei, um Bonham, Cole, Grant und Bindon zu verhaften. Cole konnte gerade noch das Kokain in der Toilette herunterspülen und nur dank des Zeppelin-Anwalts Steve Weiss kamen die Verhafteten in einer späteren Verhandlung mit Geld- und Bewährungsstrafen sehr glimpflich davon.

Dies erzürnte zwar Bill Graham, der der Ansicht war, so lernten die es ja nie, aber immerhin hatten sich Band und Crew ihren Ruf inzwischen völlig kaputtgemacht, da Graham damals einer der größten Konzertveranstalter in den Staaten war. Mit einem solchen Branchenriesen gegen sich würden Led Zeppelin es schwer haben, in Amerika wieder Fuß zu fassen. Allerdings sollte der zweite Oakland-Gig ohnehin der letzte gewesen sein, den die Gruppe jemals in den USA spielte, denn als sie am 26. Juli in New Orleans eintraf, erfuhr Robert durch einen Anruf seiner Frau, dass sein fünfjähriger Sohn Karac von einer seltenen Krankheit befallen und innerhalb kurzer Zeit gestorben war. Der nächste fürchterliche Schicksalsschlag.

Robert war am Boden zerstört und realisierte mit einem Schlag, dass alles Geld und aller Ruhm eigentlich völlig wertlos waren und nichts im Vergleich zur Liebe einer Familie. Natürlich wurden umgehend alle weiteren Tourtermine abgesagt und Plant flog mit Bonzo und Cole zur Beerdigung seines Sohnes.
 

Seite
comments powered by Disqus

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin