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Led-Zeppelin-Special

Die ultimative Verkörperung von Sex, Drugs & Rock'n'Roll

Zeppelin-Manager Peter Grant zwischen Bonham und einem Grimassen schneidenden Page

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X. Schicksalsschläge

Nach dem Rückflug an die Ostküste stand dann ein Auftritt in Greensboro/North Carolina an, bei dem wieder einige Jugendliche randalierten und mit Steinen, Flaschen und Teilen eines Baugerüsts um sich warfen, da sie keine Eintrittskarten mehr abbekommen hatten und sich nun mittels roher Gewalt durch den Hintereingang Zutritt zu der Location verschaffen wollten. Bei diesen Krawallen wurden drei der fünf Limousinen beschädigt, welche die Band und ihre Crew nach der Show zum Flughafen bringen sollten. Die Fahrer weigerten sich aus Angst vor weiteren Beschädigungen an ihren Wagen daraufhin, auf die Musiker zu warten, womit sie den heiligen Zorn von Peter Grant auf sich zogen. Mit einem Schwall von Schimpfworten wollte er ihnen die Autos zunächst abkaufen, die eingeschüchterten Chauffeure jedoch versuchten ihm zu erklären, dass sie nicht befugt seien, die Limousinen einfach so zu verkaufen.

„Wenn das so ist, dann werde ich die Scheißdinger eben klauen. Für mich arbeiten hier zwanzig Scheißleute und ihr seid nur zu zweit. Ihr könnt uns nicht aufhalten, ihr beschissenen Fotzen“, bepöbelte Grant die verängstigten Fahrer, denen nichts anderes übrig blieb als sich dem Kompromiss zu fügen, die beiden Autos später wieder abholen zu dürfen, in die sich die Crew nach dem Gig hineinquetschte und die man nun selber zu fahren gedachte, wie Grant die Chauffeure mit netten Worten wissen ließ: „Wir brauchen euch verdammt noch mal nicht, ihr Fotzen. Wir werden die Scheißautos selber fahren.“ 

Als man wenige Tage später im New Yorker Plaza Hotel einchecken wollte, verlangte die Hotelleitung 10.000 Dollar Kaution, bevor man die Band überhaupt auf ihre Zimmer ließ – Led Zeppelin und insbesondere John Bonham waren schließlich bekannt für ihre Zerstörungsorgien, und in Philadelphia schlug Robert einem Security-Gorilla seinen Mikrofonständer über den Schädel, weil dieser einen harmlosen Jugendlichen, der während „Stairway To Heaven“ ein Foto der Band machen wollte, verprügelte. Nach der Show wollte der Kerl sich an Robert rächen, doch Peter Grant ließ die Roadies auf den Rowdy los, die ihn unsanft vor die Tür setzten.

Es regierte wieder einmal der Wahnsinn wie auf jeder Led-Zeppelin-Tour und das besserte sich nicht dadurch, dass einige aus dem Bandtross auch noch anfingen, Heroin zu konsumieren, was besonders für Cole und Page (und später auch für Bonham) galt. Um Jimmys Immunsystem war es ohnehin nicht zum besten bestellt, krankheitsanfällig wie er war und durch das Heroin – auch wenn er es nicht spritzte, sondern nur schnupfte – wurde er physisch nun noch labiler. Der Gitarrist sollte erst wieder in den frühen Achtzigern von dem Stoff wegkommen.

Neben dem Gehirn-vernebelndem Heroin sorgten auch immer mehr Morddrohungen für die beständig wachsende Paranoia im Zeppelin-Camp. In Los Angeles beispielsweise tauchte eine junge brünette Frau auf, die Danny Goldberg versicherte, sie müsse unbedingt mit Jimmy Page reden, sie sei sich sicher, in der Long Beach Arena werde ihm etwas Schreckliches zustoßen. Danny jedoch sagte ihr, es sei momentan unmöglich, mit Page zu reden und schickte sie fort. Wenig später sah er die Frau im Fernsehen, als sie versucht hatte, US-Präsident Gerald Ford zu ermorden. Sie nannte sich Squeaky Fromme und gehörte zum Clan von Charles Manson.

Solche Ereignisse führten dazu, dass Cole und Grant in ihrem Sicherheitswahn mit John Bindon einen primitiven Schlägertypen engagierten, der es schaffte, den ohnehin schlechten Ruf der Band-Security vollkommen zu ruinieren. Jimmy Page schottete sich völlig von der Außenwelt ab; besonders als ein Konzert in Florida, das der Band eine halbe Million Dollar eingebracht hätte, abgesagt werden musste, weil der Geldgeber Grants Termin nicht einhalten konnte. Mehrere Nächte schlief er nicht, ließ sich Essen und Champagner aufs Zimmer bringen und gab ein paar seltene Interviews.

Währenddessen hatte Peter Grant alle Hände voll zu tun, die Polizei zu bestechen, damit diese der Band aufgebrachte Väter von minderjährigen Groupies vom Leib hielt und damit sie die riesigen Massen Kokain übersah, die man mit sich führte.

John Bonham dagegen verbrachte seine Freizeit – wenn er nicht gerade eine neue Corvette kaufte – mit Trinken und damit, im Suff Journalisten zu quälen. Zusammen mit Richard Cole begoss er Nick Kent, einen britischen Schreiber des New Musical Express, mit Bloody Mary, weil der in seiner Zeitschrift „Physical Graffiti“ zu kritisieren gewagt hatte, und Andy McConnell, der für Sounds schrieb, packte er am Kragen und bepöbelte ihn, obwohl der sich lediglich vorgestellt und ihm bescheinigt hatte, der tollste Drummer der Welt zu sein.

Die Tour endete in Los Angeles, aber die Band blieb in Kalifornien, da sie sich ja im Steuerexil befand. Bonzo aber vermisste seine Frau und seinen Sohn und schüttete sich daher jede Nacht die Birne zu, weswegen sich Grant und Page im Hyatt sogar heimlich noch andere Zimmer gemietet hatten, damit der Schlagzeuger sie nicht finden konnte, wenn er betrunken war.

Nach all den Turbulenzen und wenigen erfreulichen oder amüsanten Erlebnissen wie einem Treffen mit Elvis Presley oder mit Bob Dylan, bei dem es ausnahmsweise einmal Peter Grant gewesen war, der einstecken musste, wo er doch sonst immer austeilte (Dylan entgegnete, nachdem Grant sich vorgestellt hatte, angeblich so etwas wie: „Na und? Was interessieren mich deine Scheißprobleme?“), war die Band bei Tourschluss völlig am Ende. Fünf Millionen Dollar hatte die US-Tour eingebracht und im Mai kamen Led Zeppelin noch einmal nach England, um dort fünf Shows im Earls Court zu spielen. Lange durfte man sich in der Heimat wegen des Steuerexils jedoch nicht aufhalten, und so beschloss die Band, sich nach den Konzerten in Montreux niederzulassen; Robert allerdings machte noch mit seiner Familie Urlaub in Marokko. 

In der Schweiz wurden neue Pläne geschmiedet. Im Herbst wollte man eine erneute US-Tournee mit 30 Dates absolvieren und anschließend das erste Mal in Südamerika auftreten. Auch Japan und Australien sollten möglicherweise erneut bereist werden und Jimmy wollte unbedingt in Kairo mit ägyptischen Musikern zusammen spielen.

Doch all diese Pläne wurden von einem schrecklichen Autounfall durchkreuzt. Jimmy wollte mit seiner Lebensgefährtin Charlotte und Tochter Scarlet gemeinsam mit Robert und seiner Familie Urlaub auf Rhodos machen. Jimmy reiste am 3. August nach Sizilien, um sich dort Aleister Crowleys Bauernhaus und seine Abtei anzusehen, die beide zum Verkauf standen – später wollten sich alle in Paris treffen.

Am nächsten Tag jedoch kam der Mietwagen, mit dem die Plants und Scarlet Page unterwegs waren, mit Maureen Plant am Steuer ins Schleudern, fuhr in einen Abgrund und krachte gegen einen Baum. Während Scarlet glücklicherweise weitestgehend unverletzt blieb, hatten sich Roberts Kinder Karac und Carmen Arme und Beine gebrochen, der Zeppelin-Sänger selbst Ellenbogen und Knöchel, und seine Frau erlitt gar Becken- und Schädelbrüche.

Charlotte rief sofort Richard Cole an und bat ihn, eine Maschine zu chartern und sie alle in Rhodos abzuholen; Maureen brauche dringend Blut und ihre Blutgruppe sei in Rhodos nicht erhältlich. Als die griechischen Behörden dann jedoch Schwierigkeiten machten, weil der Autoverleih behauptet hatte, Maureen sei betrunken gefahren, entführte Cole zusammen mit den eingeflogenen Ärzten die gesamte Familie Plant und flog sie nach England, wo sie die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten konnte. Robert selbst wurde aus steuerrechtlichen Gründen auf die Kanalinsel Jersey gebracht.
 

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