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Layment: Listening-Session im Studio

Irgendwo zwischen begeistertem Zuhören, Interviewen und Abhängen

Musiker sind bei ihren eigenen Werken durchaus befangen, das ist wahrlich kein großes Geheimnis, weswegen wir hier einmal wieder auf die Sichtweise des „neutralen“ Zuhörers schwenken. Was hat sich zum Beispiel gegenüber dem Vorgänger „Traces“ von 2009 geändert? Auffällig ist, dass Marian fast durchgehend viel klarer singt und dadurch viel ausgereifter wirkt, als ständig mit aggressiver Note Emotionen zu wecken. Ruhigere Parts, nahtlose Übergänge zu Double-Bass-Attacken, der schon erwähnte mehrstimmige Gesang, alles fein ausbalanciert.

Mit „The Seafarer“ haben sie dann auch schon ein aufwendiges Lyricvideo auf YouTube gepackt, wo genau diese oben erwähnten Trademarks zu finden sind, recht hymnisch dazu. Marian hat dazu dann auch noch eine nette Anekdote parat:

„Vielleicht hast du dich schon über den Titel gewundert. Ich wurde, nachdem wir das Video online gestellt hatten, gefragt, wo denn der Name herkomme. Man würde uns jetzt nicht für so blöd halten, einfach das Wort Seefahrer schlecht zu übersetzen. Dieses Lied ist extremst inspiriert von altangelsächsischer Lyrik, ein Steckenpferd von mir aus dem Studium. Das Lied ist inspiriert von einem Gedicht aus dem fünften Jahrhundert, welches mich mega geflasht hatte, als ich es zum ersten Mal gelesen und irgendwann auch mal verstanden hatte. Es handelt über eine kulturelle Kriegerideologie. Der Seefahrer hat keinen Heimathafen mehr, nichts mehr, wohin er zurückkehren kann, weil er seinen Job nicht gut gemacht und es in der Schlacht nicht geschafft hat, seinen König zu retten. Wir erzählen auf dem Album sehr viele Geschichten.“

Großes Gelächter kommt auf, als die Befürchtung aufkommt, dass Layment demnächst mit Grave Digger für weitere Highland-Geschichten kooperieren, auch wenn hier mindestens die Hälfte der Anwesenden sich als Totengräberfans outen. Dabei sehen sich Layment nicht als Mittelalterband, die streng irgendwelche Rittergeschichten zitiert, sie seien aber auch keine Fantasy-Metalband, befänden sich selbst mit dem gesellschafts- und religionskritischen Titeltrack nicht auf dem Heaven Shall Burn-Trip. Teilweise Literatur, teilweise Legenden, teilweise richtig alte Geschichten, da sieht sich die Band aus Herne verortet.

So, aber zurück zum Album, denn „This Covenant“ startet deutlich getragener und strahlt nicht gerade die pure Lebenslust aus, aber auch hier findet sich die singende Gitarre wieder, wobei Layment gleichzeitig auch auf eine deutliche Tempoverschärfung setzen, was man auch bei „Rejected Son“ wiederfindet. Hier wird übrigens die Geschichte eines Erwachsenen gezeichnet, der durch seine Rastlosigkeit eine gewisse Grundaggressivität mit sich bringt und in Wirklichkeit ein ganz trauriger Mensch ist. Das oben schon erwähnte „I Am Kholossos“ kann dann mal richtig was und verbindet das Vorgängeralbum mit dem Sound anno 2014. Ein akustischer Mittelpart lockert den Track auf, reichlich Melancholie im Refrain dazu, orientalische Einflüsse unterstreichen das wohl epischste Stück des Albums. Der Track handelt von dem Kontrast, wie jemand auf den Zusammenbruch des eigenen Lebens reagiert, welche Gedanken ihm durch den Kopf gehen und wie er sich darstellt. „Beauty Beast“ gilt als Hommage an eine Boxerin aus der Heimatstadt Herne, mit „Homewards“ liefern Layment zudem noch eine Powerballade mit reichlich Tiefgang ab. Der Rausschmeißer „Long Lost Forever“ endet dann wieder mit einem akustischen Gitarrenpart, genau so, wie das Album auch startete.

Unterm Strich steht für alle Beteiligten: Man muss selbst mit den Songs zufrieden sein. Wohl wahr, denn nur so kann man sich in einem überladenen Rockzirkus einfach abheben und rolligen Spaß herüberbringen. Musik muss einen berühren, dann hat man alles richtig gemacht. Layment liefern keinen Schnellschuss aus, sondern ein sehr gut ausgewogenes Stück ehrliches Metall mit Tiefgang.

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