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Dee Calhoun: One Whore's Town

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

"One Whore's Town" markiert den ersten Calhoun-Roman

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Wenn man jahrelang mit einer Idee schwanger geht und diese dann verwirklichen kann, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man landet gehörig auf der Schnauze oder man kann zufrieden auf ein großartiges Ergebnis blicken.

Sänger/Songwriter und Autor Dee Calhoun aus Maryland hat nach zwei Kurzgeschichtensammlungen und einer Novelle sowie nach mittlerweile drei Soloalben und einer akustischen Hommage an Edgar Allan Poe endlich allen Mut und Muse zusammengerafft und sich dafür entschieden, einen Roman zu schreiben. Der verballhornte Titel „One Whore‘s Town“ zeigt schon grob die Richtung an: Es wird fantastisch, garniert mit einer ordentlichen Portion Horror. Schon im ersten Durchgang ist man ein wenig an den Großmeister Stephen King erinnert, was vor allem an den detailreichen Umgebungsbeschreibungen liegen mag. Ein durchaus motivierender Vergleich, schließlich sind der Autor des Buches wie auch die Autorin dieser Zeilen langjährige Fans des Horrorschriftstellers.

Im Mittelpunkt steht der Mittdreißiger Danny Miller, der durch einen fatalen Autounfall seine Frau und seine kleine Tochter verliert und im Krankenhaus schließlich mit einigen Verletzungen, aber lebend und voller Kummer erwacht. In seiner Trauer erinnert sich der Überlebende an einen Ort, der früher zum Ziel von Familienurlauben der Millerfamilie wurde (auch hier erinnert die Retrospektive mit dem unvermeidlichen Hillbilly-Bully wieder stark an King) und beschließt, dort eine Hütte zu mieten, in der er sich zu Tode saufen kann – und wenn das nicht klappt, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen.

So weit, so dramatisch; kennt man jedoch Calhouns vorherige Geschichten, kann man sich denken, dass der Twilight Zone-mäßige Twist noch aussteht. Das Dorf, das Danny sich für seine letzten Wochen auserkoren hat, wird nämlich von einem sehr hungrigen Succubus bewohnt, die in dem gramgebeugten Witwer im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen gefunden zu haben meint. Unterstützt von der ältlichen Barkeeperin „Gunga“ muss Danny sich nicht nur seiner Trauer, sondern auch dem männermordenden Monster stellen, und erhält im großen Finale noch ungeahnte Schützenhilfe.

Tatsächlich ist der Roman erstaunlich ausgereift für ein Werk, das in relativ kurzer Zeit entstanden ist – wenn man bedenkt, dass die Kurzgeschichtensammlung „Down The Rabid Hole“ im Sommer 2019 erschienen ist, kann man sich über den kreativen Output des US-Amerikaners nur wundern. Die Geschichte an sich mag nicht neu sein, wird aber mit viel Charme und Humor erzählt und gibt auch immer wieder Einblicke in Calhouns persönliche Biografie. Gespickt mit liebenswerten Figuren wie der bereits erwähnten „Gunga“, die sich nichts gefallen lässt, oder dem älteren Herrn namens Ted Bundy, der Zeuge von Dannys schicksalhaftem Unfall wird (eine Verwandtschaft mit dem berühmten Serienkiller wird allerdings bestritten), kann man sich der Hoffnung nicht erwehren, dass Calhoun hier ein eigenes kleines Reich à la Castle Rock kreiert, von dessen Einwohnern wir vielleicht noch häufiger hören werden.

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