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Zero Mentality: Black Rock

"Black Rock" wird zum eigenständigen Stil erklärt
Wertung: 8.5/10
Genre: Metal, Rock, Hardcore
Spielzeit: 35:41
Release: 09.10.2009
Label: Let It Burn Records

Selten war ein Albumtitel so gut gewählt. "Black Rock" beinhaltet alles, was die Musik von Zero Mentality ausmacht. Rockende Gitarrenriffs, eine leicht düsterte Grundstimmung, zeitweises Gänsehaut-Feeling und einen Sänger, der bilinguistisch - nämlich auf deutsch und englisch - seinen Frust herausschreit. Die angepriesene Mischung aus Rock, Metal und Hardcore gab es schon einige Male und oft genug ist dieses Konzept völlig in die Hose gegangen. Zero Mentality allerdings scheinen ihr Rezept für eine durchgehend gelungene Platte gefunden zu haben.

Die Ruhrpotter Jungs, die in ihrer Heimat und Österreich inzwischen durch Soulfood Music vertrieben werden, fuhrwerken schon seit 2003 in ihrem Kämmerlein herum und haben es bis dato auf einen ansehnlichen Backkatalog gebracht: Seit ihrer Gründung haben die Fünf immerhin eine Demo und drei Full-Length-Alben herausgebracht, das letzte davon mit Namen "Virtues & Vices" war eine Split-Veröffentlichung mit der Band The Heartbreak Motel. Für ihr neustes Baby "Black Rock" holten sie sich zum wiederholten Mal Jacob Bredahl, ehemals bei Hatesphere als Fronter tätig, ins Boot, der der Platte produktionstechnisch seinen Stempel aufdrückte.

Geht man davon aus, in welchen Kreisen sich die Band bewegt - immerhin teilten sie sich schon die Bühne mit Cannibal Corpse, Slayer, Korn und Hatebreed - so ist der Zusatz "Play It Loud", der auf der CD selbst prangt, relativ unnötig. Die Scheibe rockt auch so ziemlich derb, wobei mich hier vor allem Sänger Ben überrascht, der eine erfrischend auffällige Stimme hat, die mehr Wiedererkennungspotenzial hat als die meisten seiner Kollegen - dass er diese auch einzusetzen weiß, zeigt sich schon beim Titeltrack, bei dem vor allem der Gesang beeindruckt.

"Electric Lips" entwickelt sich schon beim zweiten Durchlauf zu einer Art Clubhit. Die Gitarrenarbeit erinnert stark an Muse, auch die Sehnsucht, die der Song ausstrahlt, findet sich auf vielen Stücken der britischen Alternative-Götter. Ein mehr oder minder perfektes Stück Musik, das sich sofort in Herz und Gehörgang festsetzt. "Planet Der Affen" rock nicht nur schweinemäßig, hier kehrt endlich der Metal ein: Zero Mentality haben sich Unterstützung von den Sängern der Bands Koldborn und End Of Days geholt. Zum ersten Mal gibt es hier richtige Growls, der Song wirkt zu jeder Sekunde authentisch.

Insgesamt wird die Platte in der zweiten Hälfte deutlich härter. Die Hardcore-Wurzeln der Fünf kommen ausgerechnet beim ruhig anmutenden "Fragile Heart" durch, einem etwas schwerfälligen Stück, das einige Zeit zum Anlaufen braucht. Der Hörer wird mit einer Akustik-Gitarre überrascht, die erstaunlich gut in das Stück passt, das kurz darauf wieder voll losbrettert. Dass die Band auch anders kann, zeigt "Feature Dich Selbst": langsame Gitarren, ein dominanter Bass und ruhiger Gesang verleihen den einzelnen Strophen einen Gothic-Tocuch, im Refrain darf Ben sich allerdings wieder voll austoben.

Ebenso überraschend kommt "Dead Ember" daher: Wo vorher Gitarrenriffs die Boxen zum Wackeln gebracht haben, steh nun eine Akustikgitarre allein auf weiter Flur. Eine Frauenstimme geleitet uns mit sehr angenehmem Gesang in die zweite Hälfte des Stücks, wo sie von ihrem männlichen Gegenpart unterstützt wird. Kurz kommen endzeitliche Gitarren auf, bevor der überaus starke Song ebenso ruhig ausklingt wie er begonnen hat.

Dafür scheppert "Das Ende Vom Lied" nochmal richtig schön los: Hier gibt es mehr Metal als auf dem ganzen Rest des Albums, vor allem die sehr geilen Gitarren im Hintergrund überzeugen voll und ganz. Gänsehaut schleicht sich die Arme hoch, wenn Ben singt "Das ist der Rhythmus zu meinem Abschied" und der Vorhang nach nur knapp 35 Minuten fällt.

Zero Mentality haben es wahrlich geschafft, sich aus dem Einheitsbrei von Bands abzuheben, die versuchen Metal, Rock und Hardcore zu kombinieren. Mit ihrer Experimentierfreudigkeit kreiern sie beinah einen neuen Stil, den man durchaus nach dem Album betiteln könnte. Obwohl hauptsächlich großartige Songs entstanden sind, fehlt dem Album der berühmte letzte Schliff im Stil, der sich aber sicher im Lauf der nächsten Werke noch perfektionieren wird.

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