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Yuppie Club / Oh Yeah! Oh Yeahhhh!: Fucking Grind Split

Jemand noch ein Weihnachtsgeschenk...?
Wertung: 8/10
Genre: Grindcore
Spielzeit: 22:33
Release: 26.08.2013
Label: W-Productions

Eine Band wie Yuppie Club ist perfekt für Tage wie diesen: Man quält sich in das nasskalte Sauwetter hinaus, um in der Stadt ein Weihnachtsgeschenk zu besorgen (in Zeiten von schnellem und größtenteils zuverlässigem Onlineshopping ohnehin eine der dümmsten Ideen überhaupt), findet auch nach mehrmaligem Ladenwechsel nicht das Gewünschte und beim Warten auf die Straßenbahn ereilt einen das Grauen in Form betrunkener Menschen, die dem Glühweinangebot des gegenüberliegenden Weihnachtsmarktes reichlich zugesprochen haben und die Altersspanne von zwölf bis hundert Jahren schätzungsweise so ziemlich abdecken. In der Bahn stinkt es dann trotz der Abwesenheit eines solchen nach nassem Hund und als wären die von außen hereinschallenden Weihnachts“lieder“ nicht genug, gesellt sich noch das liebliche Babygeschrei in Stereo dazu.

Bei all dem präweihnachtlichen Gewusel kommt die neue Platte der Yuppies gerade recht (obwohl sie gar nicht so recht kommt, da sie bereits im Sommer rauskam – die Mühlen der Klausurgeplagten mahlen nun mal langsamer). Diesmal haben sich die Herren für die grindgetränkte Split-CD mit der Oh Yeah! Oh Yeahhhh! aus Palau im sicherlich schönen, aber metallisch eher unterschätzten Mikronesion zusammengetan, wobei nicht weniger als 32 Songs in 23 Minuten auf die „Fucking Grind Split“ geprügelt wurden. Schwere Geschütze werden hier aufgefahren: Der deutsche Vierer holzt auf „10 Reasons To Kill“ in Old-School-Todesgrind-Manier durch’s Unterholz, wobei auch auf den Vorgängerscheiben „Pretty Brutal“, „Pretty Insange“ und „It’s All About The Money“ (die sich übrigens alle im Besitz der Schreiberin dieser Zeilen befinden und daher jedem Grinder wärmstens ans Herz gelegt werden dürfen – vielleicht noch schnell was für unter dem Weihnachtsbaum?) schon bewiesen wurde, dass man sich schon mal auf Überraschungen gefasst machen darf – hier übrigens vor allem in Form des „Excessive“-Tracks, dessen düstere Gitarre ordentlich Pluspunkte einfährt.

Was Yuppie-Club können, weiß man also inzwischen. Spannender gestaltet sich da schon die Auswahl der Tracklist-Nachbarn aus Palau – das ebenfalls im Viererpack aufspielende Trüppchen besteht nämlich aus ebenso vielen Weiblein wie Männlein, was (man muss es an dieser Stelle noch mal erwähnen) auch im Jahr 2013 noch recht ungewöhnlich anmutet. Mit den sonnigen Inselchen, die man bei der Googlesuche zu ihrer Heimat Mikronesien so über den Bildschirm tanzen sieht, hat die Combo dann auch nicht wirklich viel gemeinsam, außer vielleicht folgenden Ratschlag: Sonne wie auch die Musik der Truppe sind in Maßen zu genießen.

Nett ist auf jeden Fall die junge Dame namens Jenny, die mit einem recht undefinierbaren englischen Akzent die Daseins-Berechtigung und Funktionsweise einer Split-CD (inhaltlich etwa: „Dies ist eine Split-CD, keine Schallplatte, also bitte NICHT rumdrehen, nachdem die erste Band fertig ist!“) erklärt und liebenswürdig darauf hinweist, wann die erste Band endet und die zweite beginnt.

Nötig gewesen wäre dieser Hinweis freilich für alle Menschen mit zwei funktionieren Ohren nicht. Das gemischte Quartett prügelt sich derartig rasant und guttural durch die Tracks, die jeweils nur einige Sekunden lang sind, dass es einem beim bloßen Zuhören die Eingeweide durchrührt. Viel beschreiben kann man hier eigentlich gar nicht – dieses musikalische Massaker, das gerade bei Songs wie „You Can’t See a Really Great Cock Through The Pants“ seinen dichterischen Höhepunkt erreicht und klingt, als würde ein mit Steroiden gemästeter Pittbull ein fettes Steak aus jemandes Wade reißen, muss man selbst gehört haben. Der schiere Wahnsinn tobt vom ersten Track „Your Decisions Cause Me Headache“ (das kennen wir doch alle) bis zu „My Sore Is Bloody“ – da kann man auch bei den teils eher suboptimalen Kenntnissen der englischen Grammatik mal beide Augen zu drücken. Mit geplatzten Augäpfeln ist das ja alles kein Problem mehr.

Migräne-Patienten ebenso wie Schweinchengrind-Fetischisten sollten diese Split vielleicht nur auf Zimmerlautstärke und möglich flott durchhören. Oder besser gar nicht, leise macht das Gemetzel ja keinen Spaß. Dass hier mit Anspieltipps gegeizt wird, liegt übrigens nicht an der Qualität der Songs, sondern an der schon nach den ersten zwei Durchgängen völlig erschöpften Hirnkapazität. Während sich die Aufnahmefähigkeit in die Ferien verabschiedet, findet die „Fucking Grind Split“ jedenfalls ihr wohlverdientes Plätzchen neben den restlichen Yuppie-Scheiben.

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