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Your Dying Truth: Product

Eine Scheibe, die Zeit braucht
Wertung: 7,5/10
Genre: Hardcore, Metal, Crossover
Spielzeit: 48:54
Release: 13.02.2014
Label: Eigenproduktion

Your Dying Truth legen sich nicht gerne fest. Das fängt schon damit an, dass die Band selbst schreibt, sie sei „schätzungsweise“ seit 2004 aktiv. Einige Line-Up-Wechsel und auch musikalische Änderungen sind da nur recht und billig, von 2004 bis 2007 kamen dann auch diverse Demos zustande, die die Band vor allem im norddeutschen Raum bekannter werden ließen. „Access“ war dann der Name der ersten EP, die 2009 bei uns eintrudelte und zwar recht wohlwollend abgehandelt wurde, aber doch den durchgängigen „Biss“ vermissen ließ.

Viel Chaos herrscht auch heute noch bei den Herren aus Eckernförde, aber wer einen Sänger mit dem Spitznamen „Candyman“ hat, wundert sich wahrscheinlich über gar nichts mehr – dementsprechend regiert auf dem Full-Length-Album „Product“ der kontrollierte Wahnsinn. Eine Mischung zwischen Hardcore, diversen Metal-Spielarten und irgendwie auch Funk ist genauso schwierig zu beschreiben wie zu hören – da muss man sich schon ein bisschen durch die Spielzeit durchbeißen. Schöne Idee am Rande: Die Tracklist kann man quasi durchgängig lesen. Dadurch wird die Message nicht unbedingt positiver, aber die Idee ist ziemlich geil, man darf sich nur nicht wundern, wenn man beim ersten Mal die Punkte überliest.

Dabei kann man allen Bandmitgliedern erstmal ein technisches Können konstatieren, sonst wäre ein solches Produkt nur schlecht möglich. In Songs wie dem genialen „Note:“ spürt und hört man dann tatsächlich so ein bisschen den Crossover-Gedanken der guten alten Neunziger – von Klargesang, über recht gruselige Gitarren gegen Ende bis hin zu amtlichem Geschrei hat der Song so ziemlich alles, was man sich von einer „Crossover-Metal-Hardcore“-Scheibe so wünschen kann.

Zu Beginn der Platte ist es tatsächlich so, dass recht flott ein Zustand der leichten Überforderung erreicht ist. An allen Ecken und Enden passiert irgendwas und wenn man mal das Gefühl hat, kurz verschnaufen zu können, werden Fills oder Tempowechsel ins Klangbild geschoben – immer passend, keine Frage, aber auf Dauer etwas ermüdend für das laienhafte Ohr. Geniale Gitarren wie im rhythmisch groovenden „Take Shape“ sind da wie ein Licht am Horizont und führen dazu, dass man die Platte nicht in die hinteren Gefilde des Regals verbannt.

Richtig schön wird es dann bei „Decipher“, in dem melodische Gitarren und fast so etwas wie Klargesang Hand in Hand den Verlauf des Songs bestimmen, durchbrochen von chaotischen Fills, die aber wunderbar dazu passen. Auch die sehr an die Neunziger angelegte Produktion tut ihr Übrigens, um das richtige Feeling aufkommen zu lassen. Auch nach mehrmaligem Hören bekommt der Track das Prädikat besonders wertvoll, und darf sich nicht nur in der Anspieltippliste, sondern auch im Hirn einnisten.

„Becomes“ ist dann eine echte Überraschung, hat man doch nicht mit einem solchen Instrumental gerechnet, das mit schöner Melodie daherkommt und nahtlos in „The Normative.“ übergeht. Selbiges kann im ersten Moment nicht so recht überzeugen, spätestens die verzweifelten Schreibe gegen Ende sammeln aber noch mal Pluspunkte und überhaupt wird mit einem groovigen Kurz-Intermezzo noch mal richtig Gas gegeben.

„Product“ ist eine der Platten, bei der man im ersten Durchlauf nicht mal einen sinnvollen Gedanken fassen kann. Runde zwei und drei bringen dann ganz allmählich Licht ins Dunkel und mittlerweile, bei Runde neun oder zehn angekommen, weiß die Platte bis auf einige schwächere Zwischenstücke richtig gut zu gefallen. Your Dying Truth brauchen Zeit, keine Frage. Und die sollte man sich auch nehmen.

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