Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Wumpscut: Women And Satan First

Akustischer und optischer Wahnsinn aus der Hölle
Wertung: 10/10
Genre: Electro
Spielzeit: 50:05
Release: 06.04.2012
Label: Beton Kopf Media (Soulfood)

Seit mehr als zwei Jahrzehnten versetzt der musikalische Namensvetter von Josef Aloisius Ratzinger, oder besser bekannt als das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, die Gesellschaft regelmäßig in Schrecken und befindet sich oftmals am Rande der Zensur. Die Rede ist hier von Rudolf Ratzinger, der seit 1991 der Mastermind von :Wumpscut: ist. Vor diesem Projekt legte er als „Kardinal Ratzinger“ in München als DJ auf.

Die einschlägigen Medien verteufeln das Projekt und bringen nicht selten kriminelle und moralisch verwerfliche Taten, wie der Amoklauf vom finnischen Matti Juhani Saari oder den Mord mit satanischem Hintergrund von Daniel und Manuela Ruda im Jahre 2001 mit :Wumpscut: in Verbindung. Auch in rechtsradikale Zusammenhänge wird er oftmals gebracht.

Das mittlerweile 14. Studioalbum “Women And Satan First“ lässt wieder ahnen, warum :Wumpscut: in diese Zusammenhänge gebracht werden könnte. Betrachtet man das Cover, schreckt man zuallererst zurück und denkt sich: „Bah, drei komplett nackte, nicht mit Schönheit gesegnete Frauen im Kreise des Teufels – Rudy himself“. Zu verdanken ist dies dem Fotokünstler Thomas Buchta, bekannt für seine provozierenden Horrorwesen und menschlichen Gestalten in schon fast surrealistischer Szenerie.

Man ahnt nun, dass Frauen und Satan auf der gleichen schrecklichen Ebene stehen und, so ist in den Songs oft heraus zuhören, den Einzelnen und die gesamte Gesellschaft ins Verderben reiten werden.

Als Opener stimmt “Hallelujah“ positiv und vor allem göttlich ein – doch der Schein trügt. Eine kindliche Durchsage gibt die Radio- und Fernsehwellen durch, sodass die Botschaft gehört werden kann. Weibliche Vocoderstimmen (Aleta Welling und/oder Onca) verlauten sanft elektronisch göttliche Botschaften. Dieser Song ist prädestiniert für einen Clubhit.

Mit wippendem Körper geht es direkt weiter zum zweiten englischen Song, called wie der gleichnamige Albumtitel “Women And Satan First“. Die dumpfen Bässe und die dunkle Stimme von Rudy geben den düsteren Text ein musikalisches Kleid. Unsere Gesellschaft ist dem Tode geweiht und Satan bzw. die Frauen sind daran Schuld. „Sehr sexistisch, Herr Ratzinger. Scheint hier doch etwas Liebeskummer durch? Kann der Himmel uns noch helfen?!“ Die Aussagen und Textpassagen beschäftigen den Hörer.

Durch “Kill That Little Fuck“ wird die Annahme verstärkt, dass es sich hier um Liebeskummer o.ä. Gefühle handelt. Im Booklet ist dieser Song an Vesna gewidmet. Hassarien werden hier im überwiegend englischem Sprechgesang, gleich einer Grabrede, und melodisch eher ruhig, ausgeteilt. Ob Vesna nun eine Frau, oder übersetzt „Jugend“/ „die Gottheit des Frühlings“ oder aber auch etwas ganz anderes ist, bleibt ungeklärt.

Ein weiteres Schmankerl ist der Track “Blutsturtz, Baby“ (Schreibweise im Booklet). Extrem humoristisch tritt hier akustisch eine Furie mit den Worten „Der Doktor hatte dir gesagt, dass ein Blutsturz kaum ausbleiben würde. Und schon war er da. Plötzlich, die ganze Couch - Kübelweise“ auf. Ein Blutsturz kommt aus irgendeiner Körperöffnung und kann zum Tod führen. Der Ernst dieses Textes ist jedoch musikalisch nicht gegeben. Gelächter und ein amüsanter weiblicher Refrain, gepaart mit rhythmischen Beats, machen diesen Song clubtauglich und zaubern ein Schmunzeln auf des Hörers Lippen.

Der letzte Song „ Kaufe Deine Seele“ beendet ruhig und nachdenklich das Werk und gibt Kunde, dass Satan über die Gesellschaft nun schlussendlich gewonnen hat. Der deutsche Song kommt ganz ohne Schnörkel und zu vielen Sounds aus. Die Hauptaussage bleibt somit im Vordergrund.

Die Fans werden begeistert sein, Nichtfans werden zu Fans und der Teufel himself alias Rudy Ratzinger hat sich neu erfunden und ist sich trotzdem treu geblieben. Ein durchweg gelungenes Album mit vielen Facetten für das anspruchsvolle Ohr (und Auge).

comments powered by Disqus

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen