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Witt_Dom

Witt: Dom

Eine Kathedrale des Wohlklangs
Wertung: 8/10
Genre: Pop
Spielzeit: 47:03
Release: 28.09.2012
Label: Sony Music

Man merkt es derzeit deutlich, der Herbst steht vor der Tür. Die Tage werden kürzer, bald werden die Bäume ihr buntes Kleid anlegen, Herbstnebel wird über den Wiesen liegen, verregnete Tage halten ihren Einzug und es ist wieder Zeit für Kerzenschein und Melancholie. Genau dann erscheint ein Album, welches dem allem noch die passende musikalische Umrahmung gibt: „Dom“. Joachim Witt ist zurück und dies emotional wie nie zuvor. Mit „Dom“ legt der Musiker ein Werk vor, welches tiefe Einblicke in seine Gemütslage gewährt und so fast einem Seelenstriptease gleichkommt.

Nach „Bayreuth zwei“ kam es zum Bruch mit der Plattenfirma. Das dritte Werk der Reihe wurde in Eigenregie veröffentlicht und entwickelt sich zu einem finanziellen Desaster, welches Joachim Witt seinen Rückhalt nimmt, und ihn 2007 den Abschied aus der Musikbranche nehmen lässt. So gewinnt der Hörer den Eindruck, dass beim Opener „Gloria“ durchaus eine gewisse Doppeldeutigkeit vorliegt. Der Verlust einer Liebe, Schmerz und Hoffnung auf Rückkehr wird poetisch beschrieben und dies in ein ruhiges, getragenes musikalisches Bett gelegt. Die Arbeit mit klassischen Instrumenten zeigt sich von besonderem Vorteil, da sie eine unglaubliche Wärme verströmen, die den Worten noch mehr Intensität verleihen.

Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album und auch musikalisch gibt es kaum Änderungen. Dies mag im ersten Augenblick langatmig klingen, ist es allerdings keinesfalls. Gerade die guten Streicher-Arrangements stechen immer wieder hervor und entlocken, selbst nach mehrmaligem Hören, immer wieder neue Details. Die charismatische, warme Stimme, die stellenweise auch über eine Frische verfügt, bei der man kaum glauben mag, dass Witt nunmehr über 60 Lenze zählt, tut ihr übriges, um den Zeilen Nachdruck zu verleihen. Unterstützt wird er hierbei von Gastsängern, deren Stimmvielfalt von zarten, engelhaften bis verführerisch, aufreizenden Nuancen geht. So erhält „Leichtsinn“, welches durch den passenden Tango-Rhythmus schon seine Leidenschaftlichkeit erfährt, durch Kiko Masbaums Gesang noch einen zusätzlichen Reiz.

Allerdings wird auch der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus gewagt. In „Licht im Ozean“ erlebt man einen grüblerischen Witt und in „Königreich“ gibt es ebenfalls einen Blick auf die heutige Welt. Besonders Letzteres beweist Aufbruchsstimmung und entwickelt sich, nicht zuletzt durch die kreischende Endsequenz des Songs, zu einem Highlight des Albums.

Joachim Witt entführt in eine Welt von Liebe und Wehmut. Mit „Dom“ baut er sich seine eigene Kathedrale, in der Schmerz, Untergang und Neuanfang genauso zu Hause sind wie Poesie und ausgefeilte Arrangements. Wer die Härte vergangener Alben sucht, wird enttäuscht sein. „Dom“ ist ein emotionales Werk, welches Popmusik auf höchstem Niveau bietet.

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