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Witchburner: Bloodthirsty Eyes

Hier wird die Old-School-Thrash-Fahne wirklich hochgehalten
Wertung: 9/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 35:31
Release: 22.02.2013
Label: High Roller Records

Mehr als 20 Jahre sind Witchburner nun aktiv und haben ihre Anhänger mit insgesamt sechs Studioalben plus einigen EPs und Split-Scheiben schon wahrlich reich beschenkt, dabei aber niemals die Fans von Vinyl in ihrem Fetisch allein gelassen. Was die Hessen einfach immer wieder auszeichnete, war die Rumplizität (schönes Wort auch; Anm. d. Red.), dieses einfach immer wieder frech nach teutonischem Muster wild auf alle modernen Anbiederungen verzichtende Spielen von Old-School-Thrash-Metal, wie ihn damals Sodom und Destruction, aber auch Übersee-Ikonen wie Possessed salonfähig gemacht haben.

Auch anno 2013 muss der geneigte Underground-Thrashfan bei Witchburner auf jegliche Moderne verzichten, hier wird die ursprüngliche Thrashkeule noch beim Wort genommen. Dabei hat der Bandverbund in den letzten Jahren leider auch ein paar Federn lassen müssen, denn einmal mehr gab es am Mikrofon einen Wechsel, nachdem Metallic „Andy“ Mayhem für sechs Jahre zuvor diesen Posten ausfüllte. Seit 2011 ist Pino Hecker (Unscared) nun zuständig, aber auch an der Leadgitarre ist mit Michael Frank ein neues Gesicht auszumachen – bliebe allein die Frage, welchen Sinn die Band noch macht, da mittlerweile kein einziges Originalmitglied mehr dabei ist.

Die Antwort aber geben sie auf „Bloodthirsty Eyes“, wie eine Bulldogge mit blutunterlaufenen Augen rammen sie jeden Zweifel in Grund und Boden. Neufronter Pino bellt wie irre und verleiht durch sein Organ dem Hexenverbrennerkommando eine fett räudige Atmosphäre, eine Stimmung, die auch schon auf den vorherigen Releases vorhanden war, aber durch das kehlige Krächzen Pinos eine ganz andere Färbung bekommt.

Musikalisch gibt es natürlich das volle Thrash-Programm. Die Gitarrenfraktion rotzt ein Riff nach dem anderen heraus, Bassgitarre und Bassdrum legen fast durchgehend ein pumpendes Grundgerüst, eher selten wummert wie bei „Apocalyptic Visons“ die Doublebass ins Gemächt. Witchburner sorgen immer wieder mit Brandbeschleuniger für entsprechende Hitze, immer wieder wird das Gaspedal nach unten getreten (z.B. „Possession“ oder auch „Path Of The Sinner“), eher schon fast gemächlich werden bei „Master And Slave“ noch ein paar Scheite nachgelegt. Überhaupt, nicht immer hasten die Jungs wie auf der Blutspur wandelnd durchs metallische Unterholz, vielmehr schaffen sie auch gerade bei den Eröffnungsriffs der Songs Platz für kurze Verschnaufpausen – der mit Doublebass eingeleitete, erst eher im Midtempo daherschlurfende Titeltrack „Bloodthirsty Eyes“ oder das schon fast dramatisch startende „Never Surrender“ sind Belege für diese These. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen, denn Witchburner halten nichts davon, sich auf einem Schleichweg einen besseren Platz am Scheiterhaufen zu verschaffen, vielmehr wird mit spitzen Soli und schroffer Schnellriffpower wieder nach vorn gedrängelt – allein das Intro zu „Sermon Of Profanity“ mit einem leicht traurigen Akustikgitarrenunterton täuscht über die aufkommende Thrashdominanz hinweg.

Wer denkt, dass Witchburner nicht mehr obsolet seien, der hat sich tief ins eigene Fleisch geschnitten und sich zum ersten Kandidaten für ein Hexenbegleitfeuer ernannt. Thrashfans, die schon immer die Old-School-Fahne für das ultimative Wahrzeichen gehalten haben, werden an „Bloodthirsty Eyes“ nicht vorbeikommen – aber vielleicht vorher einmal hineinhorchen, denn Pinos Gesang wird schon die Geister ein wenig scheiden. Egal, definitiv ein „Must have“, was aber auch durch ausgiebiges Touren gefeiert werden sollte. Vinylfreaks werden zusätzlich noch mit dem Bonustrack „Bonded By Blood“ nicht geködert, sondern belohnt – der Tradition sozusagen verpflichtet.

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