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Wild Champagne: Time...

Gute Ideen und ein Gefühl für`s Komponieren
Wertung: 7.5/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 41:15
Release: 11.02.2008
Label: Eigenproduktion

Wild Champagne melden sich zurück, die Band, die sich fast schon Def Leppard-artige Zeit für neue Veröffentlichungen nimmt. Zwar befasst man sich hier mit Hard Rock, allerdings hat die Musik sonst recht wenig mit den Sheffielder Multimillionären zu tun. Nein, hier geht es deutlich erdiger zu. 6 Jahre nach „Heat“ wurde es „Time“ genannt, das neue Album der inzwischen auf Triogröße geschrumpften Wiesmoorer.

Also, so wirklich gefallen will mir das Cover mit der zerbröselten Uhr im Schieferplattenmauerwerk nicht, aus dem dann die drei Musiker herausschauen. Sorry, aber die reinretuschierten Köpfe wirken recht unprofessionell reingeklebt. Aber worum geht es denn hier? Klar, um die Musik. Also rein mit der Disc in den Player.

“Living My Life” begint mit recht schnellen, fordernden Gitarrentönen. Lars (Gitarre & Vocals) Stimme ertönt und irgendwie fühlt man sich an die eisernen Jungfrauen erinnert. Ja, haben Wild Champagne nun auf Metal umgesattelt? Der Song geht gut ab und ist zumindest nur artverwandt mit Iron Maiden und Bruce Dickinson und kein bloßer Rip Off. Der Kopf zeigt deutliche Nickbewegungen, also was will man mehr?

Die Stiländerung ist dann aber auch schon verpufft, denn mit „Rumble Town“ bewegt man sich wieder mehr in Hard Rock Gefilde. Der Song hätte irgendwie auch zu Deep Purple`s Comeback Album „Perfect Strangers“ von 1984 gepasst, das Ganze natürlich etwas einfacher gestaltet. Lars`s Timme passt hier hervorragend zu dem Song. Dietmar`s Bass bildet hier sehr ausgeprägt das Grundgerüst. Stimmungsvoller Song mit Rockstarcharme. Das grell schreiende / quietschende Ende der Gitarre geht aber schon beim dritten Durchlauf ein wenig auf die Nerven.

„Time“ geht da schon etwas rockig flockiger von der Hand. Ein guter Rocker, der es verdient, als Titeltrack des Albums zu fungieren. Frank`s Schlagzeug wird sehr solide in Szene gesetzt und vermag es mit Dietmars Bassarbeit, für genug Rhythmus zu sorgen.

„Run Back“ rockt sich etwas zügiger durch die Lautsprecher, wobei ich sagen muss, dass sich der Refrain irgendwie nicht richtig ausgereift anhört. Da nimmt sich die Band 6 Jahre Zeit und dann klingt das irgendwie gehetzt. Nun ja, der Rest des Songs überzeugt dafür vollends. Mit einem besseren Refrain wäre hier ein weiteres Highlight gelungen.

„Over The Hills“ ist dann aber kein Cover des alten Gary Moore Klassikers. Vielmehr versucht man recht zügig, den schon bei „Run Back“ eingeschlagenen Weg voran zu schreiten. Ich bin mir aber nicht wirklich sicher, ob sich die Band mit den etwas schnelleren Nummern wirklich einen Gefallen tut. Irgendwie geht da etwas von dem Wild Champagne Flair verloren. Zwar wird das alle gekonnt instrumentiert, aber irgendwie gefällt mir in den hektischeren Situationen Lars`s Stimme nicht so sehr.

„Want It All“ hält sich diesbezüglich etwas zurück und weiß dementsprechend auch etwas mehr zu gefallen, wobei man sagen muss, dass der Song trotzdem an die ersten drei heranreicht. Ein guter Rocker allemal.

„Somebody Wants You“ gefällt da schon wieder besser. Ein cooler, groovender Song mit einer schönen Gesangslinie, wie man sie in den Achtzigern eher von US-Bands gehört hat. Lars`s zeitweise etwas kratziger Gesang erzeugt hier das letzte Quäntchen Flair, welchen der Song für sein Sleaze Rock Outfit benötigt. Cool und überzeugend.

„Blood In Eyes“ fließt dann allerdings doch recht belanglos an mir vorbei. Das Solo weiß zwar zu überzeugen, aber irgendwie hätte ich hier mehr erwartet. „Playing With Fire“ beginnt dann richtig schön. Man groovt richtiggehend auf einem Bein durch die Wohnung mit einer Luftgitarre in den Händen. Irgendwie schade, dass der Refrain dann eher langsam gehalten ist und nicht deutlich energischer geraten ist. Da hätte die Party richtig Stimmung bekommen. Aber schön zu hören ist, dass die Qualitätskurve wieder nach oben zeigt.

Aber zum Abschluss gibt es dann noch ein richtiges Highlight: „Show Me The Way Of Tomorrow“. Eine getragene Ballade, die erstmal akustisch beginnt und einfach von der Melodie her richtigen Hitcharakter hat. Stark, damit hat die Band fast schon einen Song mit Chartchancen erschaffen. Vielleicht sollte man öfter im rein akustischen Wasser fischen. Dass die Band auch diese Metier beherrscht, hat sie ja schon eindrucksvoll auf ihrer CD „The Clown“ bewiesen. Definitiv das Highlight der CD.

Fazit: Nach sechs Jahren hätte ich mir stellenweise ein etwas ausgereifteres Werk gewünscht, bzw. auch erwartet. Dass die Band richtig gute Ideen und ein Gefühl für`s Komponieren hat, wird recht schnell ersichtlich. Man sollte sich aber die Zeit nehmen, intensiv in die Demoscheibe reinzuhören, denn sonst läuft man Gefahr, das Ganze als Hintergrundmusik unterzubewerten. Aber genau damit sind wir dann auch schon beim Knackpunkt. Lars`s Stimme wird hier hauptsächlich für Erfolg oder Misserfolg sorgen. Entweder man mag sie oder man hasst sie. Dass er ein paar mal an seine Grenzen stößt, ist schon deutlich zu vernehmen, aber mir gefällt diese kleine amerikanische, dreckige Eigenart. Daumen hoch für das neue Werk von Wild Champagne, gerade auch wegen des letzten Songs.

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