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Whirling: Faceless Phenomena

Wie eine akustische Winternacht
Wertung: 7.5/10
Genre: Avantgarde Dark Metal
Spielzeit: 38:54
Release: 22.02.2010
Label: Eisenwald Tonschmiede

Als skandinavische Band hat man im Metalsektor vermutlich einige Erwartungen zu erfüllen, von denen die meisten irgendetwas mit Trübsinn, Melancholie und Kälte zu tun haben und die vom gefühlten Großteil der Bands mit Vergnügen bedient werden. Diese Klischeevorstellungen zu durchbrechen haben sich auch Whirling aus Schweden in keinster Weise zur Aufgabe gemacht und laden mit „Faceless Phenomena“ lieber zur Winterdepressions-Konfrontationstherapie als zum Tanz in den Mai.

Stilistisch lässt sich das, was das Trio in sechs Songs auf 38 Minuten Spielzeit darbietet, vermutlich am ehesten als Avantgarde-Metal bezeichnen: sphärische, hoch aufgeschichtete Gitarrenwände, dissonierende Klangbilder, kalte Produktion, bewusst eingesetzte Monotonie und Vocals zwischen Gesang und Growling prägen den Sound der Band und wecken Erinnerungen an Genreverwandte wie beispielsweise die Isländer Solstafir.

Abgesehen vom Gesang vereint bereits das schlicht „Prelude“ betitelte, eineinhalbminütige Intro all diese Charakteristika in sich. Eine einzige, hochgradig dissonante und zwischen den Stereokanälen hin und her springende Akkordfolge bestimmt allein das Geschehen, bis sich im letzten Drittel ein fröhliches Barpiano dazugesellt und allgemeine Befremdung verbreitet.

„The Watcher“ geht im Anschluss direkt in die Vollen: Flirrende Riffs, Blastbeats und in den Hintergrund gemischter Gesang brechen über den Hörer herein; nur in den periodisch eingestreuten ruhigeren Parts nimmt sich der akustische Orkan zurück. Knapp über acht Minuten zieht sich der Song hin und fordert sowohl Aufmerksamkeit als auch Geduld, denn die zahllosen Riffwiederholungen verkommen nur allzu leicht zur Hintergrundmusik.

„The Infinity of Ghosts“ führt im Wesentlichen dasselbe Konzept fort, auch wenn die Rhythmusfraktion hier nicht mehr ganz so brachial zu Werke geht wie in „The Watcher“. Dafür findet sich in der Gesangsarbeit nun eine größere Bandbreite, denn Growls wechseln sich mit teils mehrstimmigem Klargesang ab. Auch kompositorisch gerät der längste Track der Platte deutlich vielseitiger und ist in der Lage, seine düstere Atmosphäre glaubhaft zu vermitteln.

„Globe In Sway“ stellt den Whirling-Sound in einen temporeicheren, rockigeren Kontext und entwickelt unter Schichten von Gitarrenlärm einen netten Drive, der nach der lähmenden Kälte der Vorgängertitel erstaunlich mitreißend wirkt. Leider tritt hier deutlicher zutage, was sich zuvor schon andeutete: Sänger P. Gustafsson hat zwar durchaus keine schlechte Stimme, sonderlich beeindruckend ist sein Organ jedoch meist auch nicht. Die Passagen, in denen er lange alleine zu hören ist, fallen so nach einiger Zeit etwas auf die Nerven, was vielleicht aber auch einfach Geschmackssache ist. Wesentlich besser funktionieren da die immer wieder eingestreuten mehrstimmigen Abschnitte, in denen sich nach einigen Durchläufen auch die ein oder andere epische Melodie herauskristallisiert.

Fazit: „Faceless Phenomena“ ist einerseits verstörend, andererseits in seiner akustischen Vielschichtigkeit fast schon meditativ. Interessant ist die Mischung allemal und wirkt vermutlich vor allem dann besonders gut, wenn man den Ratschlag des Labels beherzigt: „Best served in full volume and total darkness!“

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