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When Our Time Comes: When Our Time Comes

Viel ungenutzes Potenzial
Wertung: 5,5/10
Genre: Progressive Metalcore
Spielzeit: 47:31
Release: 15.04.2016
Label: Lifeforce Records

Nach ihrer Debüt-EP „Test The Waters“ vor ziemlich genau vier Jahren haben die Engländer von When Our Time Comes jetzt endlich ihr erstes, selbstbetiteltes Full-Length-Album am Start. Stilistisch orientieren sich die fünf Londoner darauf laut eigener Aussage an Bands wie SiKth, Parkway Drive oder Periphery und vermischen progressive Elemente mit modernen Metalcore-Einflüssen. Das liest sich natürlich spannend, die Frage ist, wie gut die Band das selbstgewählte Konzept dann auch umzusetzen weiß.

Der Opener zumindest führt erst einmal zu absoluter Ernüchterung. Gälte es einen Song zu wählen, der die Durchschnittskost, die unter dem Metalcore-Label produziert wird, perfekt zusammenfasst, „Home Truths“ hätte einen Platz auf dem Podium verdient. Elektronische Samples, cleane, fast schon weinerliche Vocals, die in einem abstoßend durchschnittlichen Standardrefrain münden, sowie ein schon tausendmal gehörter Buildup, bei dem die gesamte Band irgendetwas unverständliches ins Mikro rufen darf - die Nummer wartet mit dem gesamten Programm auf. Zwar ist der Song solide geschrieben und gut produziert, wie man sein Album als progressiven Genre-Mix anpreisen kann, nur um dann mit absoluter Durchschnittsware zu beginnen, die überdies wenig bis nichts mit den genannten Idolen zu tun hat, bleibt mir dennoch absolut schleierhaft.

Vor allem, weil sich gerade die progressiven Polyrhythmen im weiteren Verlauf der Platte immer deutlicher herauskristallisieren. „Port To Call“ und „Breathe Again“ überzeugen mit coolem Riffing, das sowohl strukturell als auch soundtechnisch wesentlich näher am angekündigten Stil liegt als die Durchschnittskost des Openers, und wer noch etwas länger zu warten bereit ist, wird auf „50 Years From Now“ Zeuge, dass selbst Fronter Joe in der Lage ist, seinen Gesang zu variieren.

In der Mitte der Platte, bekommt man dementsprechend das Gefühl, endlich dort angekommen zu sein, wo man gerne schon von Beginn an eingestiegen wäre. When Our Time Comes wissen aber, wie man Songs deplatziert, und lösen das aufkommende Momentum mit der Ballade „The Devil You Know“, die von einigen durchdachten Riffs abgesehen so ausgewaschen klingt wie der Titel vermuten lässt, gekonnt wieder komplett auf. Das anschließende Interlude setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Vermutlich ist das gut einminütige Gedudel als bewusster Kontrapunkt zum Folgesong gedacht, wirklich Sinn macht das, gerade nach der ohnehin recht weichgespülten Ballade aber eigentlich nicht.

Passend zur schon fast konzeptionellen Konzeptlosigkeit schiebt das Quintett diesem Tiefpunkt direkt zwei an sich ziemlich geile Nummern hinterher, den harten und positiv unangenehmen Progressiv-Brocken „Impede“ sowie das experimentelle Highlight „End Of An Era“ und beendet die Scheibe wider Erwarten überproportional solide.

Das Fazit fällt schwer, die Bewertung vermutlich einen Tick zu hart aus. Es ist aber auch wirklich nicht leicht mit anzuhören, wie das immer wieder aufblitzende Potenzial von einer unverständlichen Tracklist, überflüssigen Standardsongs, kitschigen Refrains und einem Sänger, der sich bestenfalls auf Durchschnittsniveau bewegt, immer und immer wieder unterdrückt wird. Letztendlich bleibt ein Album, das sich nicht entscheiden kann, was es sein will, den oben genannten Idolen zum Trotz nicht mit einem einzigen Shout oder ähnlichem aufwarten kann und überhaupt so gar nicht nach der bandeigenen Beschreibung klingen will. Nach immerhin vier Jahren kann man da schon mehr erwarten, vor allem da die Band selbst beweist, dass es auch besser geht.

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