Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Thunder: Robert Johnsons Tombstone

Immer noch eine Klasse für sich
Wertung: 9/10
Genre: Blues Hard Rock
Spielzeit: 52:44
Release: 10.11.2006
Label: Frontiers Records

Mit „Robert Johnson`s Tombstone“ beweisen Thunder wieder einmal, dass es praktisch unmöglich ist, ein schlechtes Studioalbum der Band zu kaufen. Die Band, die damals mit den Megasellern „Backstreet Symphony“ (1990) und „Laughing On Judgements Day“ (1992) dem Hardrock unvergessliche Alben bescherte, meldet sich nun nach dem starken Werk „The Magnificient Seventh“ zurück. Die Band um Ausnahmegitarrist Luke Morley zeigt der geneigten Hörerschaft mal wieder, wie gut und clean bluesiger Hardrock mit jeder Menge Groove klingen sollte.

Etwas überraschend geht`s los mit dem Titeltrack „Robert Johnson`s Tombstone“: Grillenzirpen, ein knarzender Schaukelstuhl, dann schlägt die Slide-Guitar zu und einer der besten Hardrocksänger, nämlich Daniel Bowes, beginnt, sein Organ erklingen zu lassen.

Dann geht`s erst richtig los, wie man es von Thunder gewohnt ist. Der Titeltrack ist wohl dem legendären Bluesmusiker Robert Johnson gewidmet. Dies alle mit der immer wieder aufgeworfenen Frage, ob er denn seine Seele dem Teufel vermacht hat, um so ein guter Musiker zu werden. Leider kann die Frage im Song nicht beantwortet werden, genauso wie die Frage, wo er denn nun begraben ist, da es wohl 2 Grabstätten in Mississippi gibt. Ein weiterer Beweis dafür, dass guter Hardrock immer unbedingt nur von Liebe, Sex und Mädels handeln muss!

„Dirty Dreams“ besticht durch sein Riffing und die gelungene Gesangslinie. JA, Thunder beherrschen das Metier, einen Song relativ clean wirken zu lassen und ihn nicht mit Musikinstrumenten zuzuschütten, welches ja nicht selten im Hardrockbereich geschieht.

Toll, wie die Band immer noch abrockt.

Logisch eigentlich, dass es nun Zeit wird für eine echte Hymne: „A Million Faces“. Die Akustikgitarre erklingt mit leichten Untertönen von Ben Matthews Orgel und Daniel Bowes eröffnet den Song, der die Feuerzeugindustrie von neuen Umsatzrekorden träumen lässt. Genial, wie Thunder es immer wieder hinbekommen, derart viel Gefühl mit den Songs zu transportieren.

Weiter geht`s mit dem leicht selbstironischen Song „Don`t Wanna Talk About Love“, welcher selbstverständlich von dem Thema handelt. Ein Song, der den Singlehits aus den Anfängen der Band auch kommerziell in nichts nachstehen würde, wenn man ihn schon Anfang der Neunziger rausgebracht hätte. Harry James an den Drums und Chris Childs bilden einen dem Song derart gut entsprechenden, tollen Rhythmus, dass man sich fragen muss, warum die Band nicht in einem Atemzug mit den anderen Größen genannt wird. Aber dazu noch später ein paar Worte.

„The Devil Made Me Do It“ stampft und groovt hier so durch die Boxen, dass es eine wahre Freude ist. Dieser Mittelteil raubt einem fast den Verstand, obwohl der Song verhältnismässig einfach und straight gehalten ist.

„Last Man Standing“ verbreitet bedingt durch Luke`s Gitarre ein wenig mehr düstere, teilweise arabische Assoziationen. Ein toller Song, welcher aber auf Grund der anderen noch höherwertigeren etwas abfällt, obwohl dieser Song bei hunderten anderen Bands schon ein Highlight wäre.

Dann beginnt das geniale „My Darkest Hour“. Hier gibt`s nur Daniel Bowes, Luke Morley und Jo Quail`s Cello. Dies alles lassen Gänsehaut entstehen. Es gibt nicht viele Sänger, die diesen Song wohl derart rüberbringen können.

Danach weint zur Eröffnung Luke`s E-Gitarre, als ob sie sich beschweren würde, dass sie beim vorherigen Song nicht zum Einsatz kommen durfte! Aber die Trauer des Instruments ist schnell verflogen und „Andy Warhol Said“ gelingt zum typischen Thunder-Song.

„What A Beautiful Day“ beginnt mit einer genialen Gitarre, die schon teilweise an AC/DC erinnert. Ein genialer Gute-Laune-Song. Alles um einen herum läuft schief und ist katastrophenähnlich, aber man hat einfach dieses geile Gefühl, als ob es einem nicht besser gehen könnte. Ja, dies ist ein schönes Gefühl, um das es hier textlich geht, welches man aber deutlich zu selten erlebt.

„It`s All About You“ ist ein ruhiger Rocker, welcher mit ein paar balladesken Einstreuungen ausgestattet ist. Einzig Luke Morley`s Solo weiß mir nicht so recht zu gefallen. Irgendwie empfinde ich den Part als erzwungenen Fremdkörper. Ich kann aber nicht genau fassen, woran das liegt.

Leider, ja leider kommen wir dann auch schon zum letzten Song: „Stubborn Kinda Love“. Der Song beschließt das Album in Thunder-Manier. Ein tolles Album geht zu Ende.

Fazit: Thunder gehören eigentlich zur absoluten Spitze des Hardrockgenres. Wenn Bands wie Whitesnake, Aerosmith, AC/DC und so weiter genannt werden, müsste eigentlich auch der Name Thunder erklingen. Warum ist das nicht so? Ich denke, Thunder sind damals von 0 auf 100 gestartet und haben mit den ersten beiden Alben tierisch abgeräumt. Dann kam der Grunge auf und der Hardrock wurde, was die Öffentlichkeit angeht, in die Intensivstation eingeliefert. Inzwischen tut sich speziell im Hardrockbereich wieder einiges, wie auch die Veröffentlichungen 2006 sehr deutlich gezeigt haben. Jetzt haben Thunder aber das Problem, dass deren Promotionabteilung wohl eher denkt, die Mucke ist gut, die verkauft sich von allein.

Etwas mehr Öffentlichkeitsarbeit und die Band würde deutlich mehr an Fahrt aufnehmen. Hoffentlich ändert sich das in Zukunft, sonst wird die Band vielen, besonders jüngeren Hörern verborgen bleiben. Ihr Vorgängerwerk „The Magnificient Seventh“ ist ja leider schon viel zu wenig beachtet worden und eigentlich nur relativ schwer zu finden.

comments powered by Disqus

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten