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Steve Hackett: Under A Mediterranean Sky

Hackett mal wieder auf akustischen Pfaden
Wertung: 8,5/10
Genre: Acoustic
Spielzeit: 51:15
Release: 22.01.2021
Label: InsideOut

Dass Steve Hackett ein musikalischer Allrounder ist, dürfte jeder wissen, der sich auch nur ansatzweise mit dem Schaffen des früheren Genesis-Gitarrenmeisters befasst hat. Akustisches Material spielte da stets eine nicht unwesentliche Rolle und anscheinend hatte er nach den letzten Alben im Progressive Rock-Stil mal wieder Bock auf Akustisches. Das letzte Album, das der Londoner in diesem Stil gehalten hatte, war die 2008er Scheibe „Tribute“; damals hatte er allerdings alte Stücke für klassische Gitarre gecovert – auf „Under A Mediterranean Sky“ (seinem 26. (!) Studioalbum insgesamt) finden sich hingegen fast ausnahmslos Eigenkompositionen.

Covid-19 spielte eine nicht unwesentliche Rolle bei Steves Entscheidung diese Platte aufzunehmen, denn in einer Zeit, in der man nicht mit einem Ensemble auf Tour gehen kann (bzw. er musste seine laufende abbrechen), ist es sicherlich nicht weit hergeholt, auch im Studio eher introvertierte, nachdenkliche Musik zu kreieren, wenngleich Hackett nach eigenen Angaben schon seit Jahren wieder Ideen für akustische Mucke mit sich herumtrug. Der Zeitpunkt, diese auf Tonträger zu bannen, könnte jedoch passender kaum sein.

Der Titel des Albums zeigt bereits, dass er seine Inspiration aus Reisen im Mittelmeerraum gezogen hat, dementsprechend muten einige Stücke eher italienisch, andere französisch oder spanisch, wiederum andere nordafrikanisch an. Der Opener „Mdina (The Walled City)“, handelt dagegen von einer Stadt auf Malta (nicht zu verwechseln mit dem ungleich berühmteren Medina im heutigen Saudi-Arabien) und ist mit über acht Minuten Dauer nicht nur das mit Abstand längste Stück der Platte, sondern auch das bombastischste. Denn trotz des Fokus auf die Akustikgitarre und in sich gekehrte Kompositionsmuster hat sich Hackett dennoch für ein paar Nummern Unterstützung geholt.

Eine gute Entscheidung, sonst könnte das Ganze möglicherweise etwas zu trocken wirken. So wird der Maestro in „Mdina (The Walled City)“ von schwelgerischen Orchesterparts unterstützt, die besonders gegen Ende des Stücks von solcher Wehmut und Schönheit sind, dass einem die Tränen kommen. Die symphonischen Elemente tauchen auch im weiteren Verlauf der LP immer wieder gezielt platziert auf. In „Adriatic Blue“ ist er stattdessen allein zu hören und imponiert mit seinen atemberaubenden technischen Fähigkeiten am Instrument, ohne dabei wie so mancher Kollege seines Fachs die Struktur aus dem Auge zu verlieren – man lauscht einfach nur gebannt und voller Ehrfurcht.

Auch in „Joie De Vivre“, „Lorato“ und „Scarlatti Sonata“ ist er solo zu hören. Letztgenanntes markiert eine Barocknummer – den einzigen nicht selbst verfassten Track – aus der Feder des italienischen Komponisten Domenico Scarlatti (1685 – 1757), die laut Steve besonders tricky zu spielen ist. Wer glaubt, dadurch, dass auf Gesang und elektrisch verstärkte Instrumente verzichtet wird, würde in irgendeiner Weise Monotonie aufkommen, sieht sich getäuscht.

Denn neben diesem Barockausflug stehen problemlos Songs wie „Sirocco“ oder „The Dervish And The Djin“ (sehr Soundtrack-artig und mit quirligem Sopransaxophonsolo versehen), die sich mit deutlich orientalischer Schlagseite präsentieren und mit entsprechender Instrumentierung wie einer Tar (eine Laute, die vornehmlich im Iran und in Afghanistan verbreitet ist), einer Duduk (eine armenische Flöte) und Percussion ausgestattet sind. Außerdem kommt in „The Memory Of Myth“ sowie „Andalusian Heart“ (naturgemäß ziemlich Flamenco-geprägt und mit „Spanish Caravan“-Feeling) eine Violine und im herrlich schmachtenden „Casa Del Fauno“ eine Flöte zum Zuge.

Wer lediglich auf Steves Progressive Rock-Seite abfährt, verpasst hier was. „Under A Mediterranean Sky“ ist einfach nur wunderschön und eine Platte zum Träumen und Versinken, ob nun einsam oder in trauter Zweisamkeit. Hackett demonstriert hier unaufdringlich seine Fähigkeiten als klassischer Gitarrist und glänzt dabei mit wundervollen Kompositionen voller Seele und Gefühl, die zudem in genau richtigem Maße durch weiteres Personal leicht aufgepeppt wurden. Sollte man sich unbedingt zu Gemüte führen.

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