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Soulfly: Omen

Erst kommt es anders, als man denkt, aber dann geht’s abwärts
Wertung: 6.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 40:56
Release: 21.05.2010
Label: Roadrunner Records

Max Cavalera meldet sich mit Soulfly zurück. Ich bin mir nicht wirklich sicher, ob ich mich freuen soll, denn ihre, nennen wir es mal „Weltmusik“ wollte mir in der Vergangenheit nicht immer so recht munden. Aber was sich auf dem jetzt alten Album namens „Conquer“ schon angedeutet hat, wird nun konsequent weitergeführt. Die Band befindet sich anno 2010 nach Christi wieder vollkommen auf dem Thrash Metal-Trip. Für viele schlimm, für mich nicht unschön. Dass die Band sich mit ihren Stilschwankungen wahrscheinlich zumindest kommerziell keinen Gefallen tun dürfte, sollte auf der Hand liegen. Erschwert wird das Ganze natürlich dadurch, dass es dieses Jahr schon einige mehr als herausragende Veröffentlichungen in diesem Genre gibt. Aber das betrifft den Stil von Soulfly natürlich weniger.

„Bloodbath & Beyond“ ist ein sogar leicht punkig angehauchter Orkan, der erstmal alles nieder rennt, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat. Sehr starker, energetischer, teilweise fast schon etwas ungestümer Hassbolzen mit Cavaleras bösem Geschrei. Welch eine Eröffnung. Der Schädel fliegt vor und zurück, man grölt mit, was kann es Schöneres geben?

„Rise Of The Fallen“ klingt da zu Beginn etwas befremdlich. Keyboardartiges Gedudel und eher melodisch angehauchte Passagen wechseln sich mit Max' Hasstiraden am Mikro ab.  Diese unverhohlene Rohheit ist schon etwas Besonderes. Beim Refrain fühlt man sich fast sogar ein wenig an die deutschen Sodom erinnert. Ein Break, ein kleines bisschen Flair von der oben schon angedeuteten Multikultimusik, welcher nur durch die heftigen Stampfattacken von Bass, Drums und Gitarren erschüttert wird. Ein tolles Gesamtkunstwerk.

Man schwelgt fasst ein wenig in guten alten Sepultura-Zeiten. „Great Depression“ wechselt zwischen Uptempo und stampfendem Refrain hin und her. Wirkt nicht ganz so gut, denn trotz der sehr guten Gitarrenarbeit von Marc Rizzo und dem Frontmann wirkt das alles irgendwie ein kleines bisschen zusammengebastelt. Aber das tolle Solo entschädigt da schon wieder ein bisschen für.

„Lethal Injection“ bekommt zusätzliche Unterstützung vom Tommy Victor (Prong). Und irgendwie bekommt das Ganze dann auch musikalisch ein wenig den Anstrich seiner Band. Es wirkt fast ein kleines bisschen wie zu „Beg To Differ“-Zeiten. Macht Spaß, zumal Schlagzeuger Joe Nunez mal viel Freiraum für sein Beckenarenal bekommt. Trotzdem schafft man es nicht, das Niveau der beiden Opener zu halten.

„Kingdom“ verirrt sich dann irgendwo zwischen aufgebauter Spannung ohne den letztendlichen Knall und eher belanglosen Dauerwiederholungen des Textes. Da hilft dann auch ein gutes Solo nicht, zumal es hier auch nicht so recht integriert wirken mag.

„Jeffrey Dahmer“ vermag es dann auch nicht wirklich, die Qualitätskurve wieder nach oben zu reißen. Wir reden hier über guten Thrash Metal, der aber langsam mit einer gewissen Eintönigkeit daher kommt.

„Off With Their Heads“ begeht leider den gleichen Weg. Trotz aller Tempowechsel, Breaks und so weiter macht sich eine gewisse gedämpfte Stimmung breit. Es lassen sich keine Überraschungen auffinden, die das Hören interessanter machen. Da hilft dann der perfekte Sound mit seiner Brutalität, für den Logan Mader (Devildriver, Cavalera Conspiracy, Gojira) verantwortlich ist, nur bedingt.

„Vulture Culture“ tritt dann wie schon der Opener mächtig aufs Gaspedal. Das gibt es schon tausend Male interessanter, zumal der Refrain, wenn man ihn so nennen will, an Langeweile nur schwer zu überbieten ist. Eigentlich klar, dass hier wieder einmal ausgeblendet wird und kein wirklicher Schluss vorzufinden ist.

„Mega-Doom“ ist nicht der Downtempo-Song, den man bei dem Titel hätte erwarten können.

„Counter Sabotage“ lebt von viel Verzerrung und dem atemberaubenden Tempo. Zwar nicht zu schnell für mich, aber dennoch irgendwie zu sehr in „Knüppel aus dem Sack“-Manier ohne den großen Erinnerungsfaktor. Zwischenzeitlich kommen zwar tolle Gitarrenlines, aber das ist einfach zu wenig für solch gestandene Musiker.

„Soulfly VII“ darf dann das siebte Album instrumental beenden. Klingt irgendwie wie Loungemusik in hart. Passt überhaupt nicht zu diesem Album. In Kombination des bisher
Dargebotenen kommt sogar ein gewisser Würgereiz aus der Magengegend. Ernst gemeint oder ein letztes Eingeständnis an Fans vergangener Tage? Ich weiß es nicht.

Fazit: Nach bärenstarkem Beginn geht die Kurve bis zum absoluten Niedergang beim letzten Track nieder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich seitens der Band mit diesem Album einen Gefallen getan hat. Man vergrätzt noch mehr alte Fans und zeigt, dass man auf höchstem Niveau zocken kann, nur um dies mit acht weiteren deutlich schwächeren Songs zu unterstreichen. Schade, nach dem Auftakt war die Nackenmuskulatur mehr als nur auf Betriebstemperatur.

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