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Rhapsody Of Fire: From Chaos To Eternity

Fette Chöre, einprägsame Melodien für eine emotionale Achterbahnfahrt
Wertung: 9/10
Genre: Symphonischer Power Metal
Spielzeit: 57:25
Release: 17.06.2011
Label: Nuclear Blast

Herrlich – gibt es einen passenderen Albumtitel als “From Chaos To Eternity” für Rhapsody Of Fire? Wohl kaum, wenn man kurz die Bandgeschichte unter die Lupe nimmt. Die italienischen Symphonic-Power-Metaller, die dem eigenen Bekunden nach das Genre „Film Score Metal“ geschaffen haben, haben sich weder durch die Namensrechtstreitereien (aus Rhapsody wurde bekanntlich Rhapsody Of Fire), noch durch die jahrelangen, auf Eis liegenden Touraktivitäten aufhalten oder gar einschüchtern lassen. Nun sind sie aus dem Chaos heraus, aber ob sie auch ein ewig währendes Epos geschaffen haben?

Nicht nur die weltlichen Streitereien haben ein Ende gefunden, sondern mit „From Chaos To Eternity“ geht auch die Ära der Smaragd-Schwert-Fantasy-Saga zu Ende. Natürlich haben da Rhapsody Of Fire wieder tief in der Bombast- und Epik-Schatzkiste gegrabbelt, doch diese war schon gut geplündert, so dass die neue Scheibe etwas weniger abbekam und wieder rockiger wurde. Für weite Teile der Metallerwelt wird es noch immer zu viel sein, dass aber die Italiener trotz aller Vorbehalte auf einer Erfolgswelle schwimmen, bleibt unbestritten (der Vorgänger „The Frozen Tears Of Angels“ landete sogar auf Platz 33 der deutschen Charts, Platz 39 bei den Eidgenossen und Platz 58 bei den Österreichern).

Der letzte Teil der Saga beginnt gleich gewohnt episch und wenn man noch einen Beweis für den Hollywood-Glanz benötigt, so wird er durch die theatralisch passende Sprechrolle des Sir Christopher Lee hervorragend umgesetzt. Besonders bei dem fast 20-minütigen Epos „Heroes Of The Waterfalls’ Kingdom“ wird die dramaturgische Stimmung gerade durch Lees tiefes Stimmvolumen hervorgehoben. Mit diesem Stück verlangen Rhapsody Of Fire dem Fan aber auch alles ab – zarte Flöten mit spielerisch fröhlichem Unterton wie aus einem Folklorefilm, die Bombastkeule wird herausgeholt und nach dramatischen Songaufbau preschen die Gitarren vorwärts und gerade in den Choruspassagen werden die Fans auf eine emotionale Sagareise geschickt – opernhafter Gesang, der Chor omnipräsent – und bevor der rote Faden verloren geht, hält Lee als Geschichtenerzähler die Strippen wieder in der Hand. Das ist große Komponierkunst, irgendwo zwischen Epik, Symphonie, Hörspiel und knallhartem Neoklassik-Metal.

Schon bei den acht Tracks zuvor war deutlich die etwas rockigere Ausrichtung und damit einhergehend die Reduktion des Bombasts bemerkbar – Rhapsody Of Fire spielen mit den Gefühlen, vom fast geflüstertem Ton bis hin zum paganartigen Gekreische. So haben die Italiener mit „Aeons Of Raging Darkness“ den wohl brutalsten Track der Bandgeschichte aufgenommen – hier lässt Pagan grüßen -  Fabione kann also auch anders, denn von Oper über Geoff Tate bis hin zum Black Metal mit Folk-Untermalung hat er alles drauf.

Das auf italienisch gesungene „Tempesta Di Fuoco“ erinnert zu Beginn an Scatterbrains „Scamboogery“, wechselt dann aber zu einem mit Bombast und Klassik angefütterten Power-Metal-Track und „Ghosts Of Forgotten Worlds“-Eröffnungsriff weckt Assoziationen zu Whiplashs „Burning Of Altanta“, allerdings ohne den Thrashfaktor. Was aber gerade diesen Song hervorhebt, ist der Refrain, denn bei absoluter Gänsehautstimmung hat man das Gefühl, dass sich ganz Rom im Studio eingefunden hat, um mit dieser extrem ohrwurmartigen und orchestralen Hymne alle Schwurbelmitbewerber aus dem Rennen zu werfen.

„Anima Perduta“ ist dermaßen auf dem Operntrip, dass beim Drücken der Delete-Taste für die Gitarrenspuren dieser Song auch für Helmut Lotti interessant wäre. Wie eingangs erwähnt, Rhapsody Of Fire machen es dem Fan nicht einfach, denn „From Chaos To Eternity“ ist ein hart zu erarbeitendes Gesamtkunstwerk. Da lässt man sich schon ganz gerne mit dem Doublebass-Treter und Titeltrack schnell auf die falsche Bahn führen.

Anscheinend vergessen sind die schweren Jahre mit Businessquengeltum, denn Rhapsody Of Fire nehmen mit Leichtigkeit die Hürde des Bombast, umschiffen die Klippen des Kitschs und hängen ganz nebenbei die Genremitbewerber ab – viel schlimmer noch: Sie degradieren alle anderen zu gesichtslosen Massenklonen. Natürlich ist der Schwurbelfaktor hoch und natürlich muss man entweder Fan der Band oder des symphonisch-bombastischen Power-Metals sein, denn „From Chaos To Eternity“ glänzt mit fetten Chören, einprägsamen, aber nicht strunzlangweiligen Melodien und sorgt für eine emotionale Achterbahnfahrt. Für Fans eh ein Pflichtkauf, für aufgeschlossene Power Metal Fans eigentlich genauso – der Tellerrand sollte keine individuelle Barriere bilden (oder bleiben).

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