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Profane Omen: Reset

Viel Gutes, aber da wäre schon mehr drin gewesen
Wertung: 7/10
Genre: Modern / Progressive Thrash Metal
Spielzeit: 34:02
Release: 14.03.2014
Label: Spinefarm Records / Soulfood

Profane Omen machen einem das Leben nicht leicht. Die vier Jungs aus Finnland sind mit ihrem vierten Album „Reset“ alles andere als Neulinge und haben schon in ihrer Heimat einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. Dazu merkt man ihnen eine deutliche Spielfreude und ein Hang zur Moderne und Entwicklung stark an. Aber es fehlt etwas am altbekannten roten Faden und bisweilen legen sie sich durch einige etwas unnachvollziehbare Songwritingentscheidungen ein paar Steinchen in den Punkteweg, die nicht hätten sein müssen.

Aber der Reihe nach: Beim ersten Hören fallen sofort einige Dinge auf. Zum einen die klare, moderne, ecken- und kantenfreie Produktion, die vielleicht nicht jedem gefällt und etwas beliebig klingt, aber passend ist und nichts verschluckt. Zum anderen die sehr variablen Vocals, für die sich Jules Näveri verantwortlich zeigt. Er dürfte dem ein oder anderen durch die seltsamen und zugleich großartigen Enemy of the Sun, die Band vom doch recht bekannten Produzenten Waldemar Sorychta, bekannt sein. Wohl auch deshalb kommen einem beim Hören immer wieder Enemy of the Sun in den Kopf, auch wenn sich Profane Omen – von den Vocals abgesehen – im Songwriting nicht ganz so weit trauen. Daneben klopfen auch Mercenary mehr als nur einmal ans akustisch induzierte Erinnerungstürchen.

Mit dem Wissen um den Sänger lässt sich somit irgendwie schon erahnen, wohin die Reise geht: nämlich nach irgendwohin. Auch nach mehrmaligem Hören ist nicht ganz ersichtlich, was Profane Omen eigentlich wollen. Das muss ja nicht zwangsläufig schlecht sein, Variabilität und Abwechslung sind Sachen, die vielen Bands komplett abgehen. Aber die Jungs schaden dabei des Öfteren ihren eigenen Songs, weil sie meinen, irgendein Trademark müsste wohl zwingend sein. Deutlich wird das zum Beispiel bei „Mind the Trap“, „Perculus“ oder „Incognito“, die allesamt vermeintlich obligatorische cleane Gesangspassagen in der zweiten Songhälfte haben, die aber einfach nicht sein müssten, weil die Songs auch ohne diese oder grade ohne diese wunderbar funktioniert hätten – warum sollte man auch damit Tempo aus gut abgehenden, groovenden Liedern rausnehmen? So hart am Limit spielt die Band nun wirklich nicht, dass man eine Verschnaufpause dringend bräuchte. Grade bei dem mit sehr starker Lead- über der Rhythmusgitarre versehenden „Incognito“ nervt der Clean-Part ungemein – er liegt ziemlich sinnfrei dort, auch weil danach ein ziemlich cooler Growl-Part folgt. Das ist ärgerlich und unnötig. Gut gelungen ist hier hingegen der Refrain. Generell ist die Struktur gern auf geshoutete Strophen und cleane Refrains gelegt, was mal besser, mal schlechter passt. Schön sind auch die von der Stimmfarbe her angenehmen, eben erwähnten Growls, die immer wieder zwischendurch auftauchen, wie zum Beispiel im (halt von der Cleangesangpassage abgesehen) flotten und launigen „Mind the Trap“. Stark zeigt sich die Band auch bei dem sehr abwechslungsreichen und vielfältigen „Intruder“, welcher sich nicht nur Tempomäßig steigert - gutes Gerät, das zeigt, was die Band in einem Song alles anstellen kann, wenn sie sich ein bisschen mehr Zeit nimmt.

Zeit ist leider auch ein Stichwort: 34 Minuten ist nicht das Allermeiste, grade wenn man so vielfältig daherkommt, wie die Finnen es eben tun - schade. Absolut unverständlich ist auch, warum so ein Ohrensex-Song wie „The Ego“ nach nur 2:15 Minuten endet. Wirklich, what the fuck? Es wäre ein geiles Teil gewesen.

Trotzdem überwiegt letztendlich ein positiver Eindruck. Es funktionieren nicht alle Songs gleich gut, „The Garden“ zum Beispiel ist komplett unnötig und fließt unspektakulär am Gehörgang vorbei, genauso wie das leicht bessere „Trails“. Aber die guten Momente machen das wieder wett. Wer also Freude an modernem Metal mit einigen corigen Elementen, vielen Ideen, etwas poppigen Refrains und abwechslungsreichen Vocals hat, der niemandem wirklich zu sehr weh tut oder härtemäßig den Pfad der Sicherheit verlässt, der mag hier mal ein Ohr riskieren.

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