Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Nile: Worship Animal (1994 - The Lost Recordings)

Die Kinderschuhe der Band
Wertung: 7/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 33:38
Release: 27.09.2011
Label: Goomba Music

Wenn man „Death Metal“ und „Ägypten“ in einem Satz liest, denkt man inzwischen automatisch an Nile, so sehr haben sich die Herren mit ihrer Vorliebe für ägyptische Mythologie bereits etabliert. Mit ihrem unnachahmlichen Stil und Songtiteln wie „Papyrus Containing The Spell To Preserve Its Possessor Against Attacks From He Who Is In the Water“ hat sich das Quartett schon Unmengen an Fans erspielt.

Mit mittlerweile sechs Studioalben, zwei EPs und einer Split mit Vader könnte der Bekanntheitsgrad der Truppe aus South Carolina in der Szene kaum höher sein. Jetzt steht EP Nummer drei, „Worship Animal“, ins Haus, die dazu einen Untertitel hat, bei dem Nile-Fans in orgiastisches Zittern ausbrechen dürften: „1994 – The Lost Recordings“ ist der Zusatz, der die Platte so interessant macht. „Lost Recordings“ haben immer irgendwie den Status, dass man sie unbedingt besitzen will – und wenn Sänger und Gitarrist Karl Sanders nur aus seinem Tagebuch vorlesen und dabei regelmäßig einschlafen würde, würde es die Fanschar wahrscheinlich trotzdem begeistern.

Nur eine Handvoll Songs finden sich darauf, aber die haben es in sich. Quasi ein Jahr nach der Gründung aufgenommen, zockt hier noch das ursprüngliche, dreiköpfige Line-Up, das auch noch auf den ersten beiden Langrillen „Amongst the Catacombs of Nephren-Ka“ und „Black Seeds Of Vengeance“ zu hören ist. Zwar lässt die Soundqualität ein bisschen zu wünschen übrig, aber so hat man zumindest das Gefühl, dass die Ergüsse von damals nicht groß zusätzlich nachbearbeitet wurden. Allerdings geht es hier teils fast schon doomig zu Werke: Das über achtminütige „Surrounded By Fright“ beispielsweise hat mit Death Metal auf den ersten Blick so gar nichts zu tun. Stattdessen holzt sich Karl Sanders mit heiserer Stimme durch erdig-trockene Doom/Stoner-Riffs, bei denen der Wüstenstaub förmlich aus den Lautsprecherboxen rieselt.

Selbst wenn man nur wenige Songs von Nile kennt, kann man bei dieser EP ganz klar die Anfänge der Band erkennen, was natürlich vor allem für Fans eine spannende Angelegenheit ist. Der Opener „Le Chant Du Cygre“ poltert ein wenig unrhythmisch daher, die Vocals sind eine Spur zu leise, die Snare einen Tick zu laut, aber irgendwie erkennt man den Sound trotzdem direkt wieder, obwohl hier ein wenig oldschooliger gewerkelt wird. „Nepenthe“ kommt dann fast monton daher; eingeleitet von einem bedrohlich dahingleitenden Gitarrenstück wird schon bald ein schnelles Schlagzeug eingeschleust, bevor erneut ein gemächlicheres Tempo eingeschlagen wird. Durch den monotonen Bass und das langsame Schlagzeug hat man ein bisschen das Gefühl, einer Kellerband im tiefsten amerikanischen Hinterland beim Proben zuzuhören. In der zweiten Hälfte des Tracks kann man sich dann zurücklehnen und die teils düsteren, teils fast beschwingten Gitarrenspielereien des Fronters bewundern, bevor einen eine fies verzerrte Stimme wieder aus der Trance reißt.

An den Schluss haben Nile noch das über neun Minuten lange „Mecca“ gepackt. Zu Beginn darf Pete Hammoura seine Felle warm spielen, bevor Sanders mit grungigen Vocals, die ein bisschen an Alice In Chains erinnern, einsetzt, bevor die Combo wieder in rasantere Death-Metal-Gefilde abgleitet. Einziges Manko ist auch hier wieder der etwas zu rohe Sound, bei dem der Gesang immer klingt, als käme er aus einem weiter entfernten Zimmer. Andererseits wirkt die Platte dadurch natürlich nur authentischer. Trotzdem kann man den Gedanken nicht ganz abschütteln, dass mit ein bisschen mehr Politur „Worship Animal“ noch besser ausgefallen wäre. Den Fans wird es vermutlich wurscht sein: Eine EP mit dem Untertitel „The Lost Recordings“ im Schrank stehen zu haben reicht ihnen wahrscheinlich schon. Mehr als sieben Punkte kann es zwar wegen dem Sound nicht geben, trotzdem ist die Scheibe auch für Nicht-Nile-Fans interessant, weil sie aufzeigt, aus welchen Strukturen die inzwischen extrem bekannte Truppe herausgewachsen ist.

comments powered by Disqus

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten