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Marduk: Blood Puke Salvation

Live eine Macht!
Wertung: 9/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 182:0
Release: 04.09.2006
Label: Regain Records

Und da ist sie, die Doppel-DVD „Blood Puke Salvation“ aus dem Hause Marduk. Hingegen vieler anderen Black Metal Bands ist dies aber nicht der erste Schritt Richtung, darf ich es sagen?...“Kommerzialisierung“? Mit diesem Wort schwingt immer gleich etwas negatives mit, aber leider gibt es Menschen da draußen, die sich immer wieder über die Verbreitung ihrer Lieblingsband aufregen. Mir ist es persönlich vollkommen egal, wie viel sie veröffentlichen, solange das Produkt stimmt. Jedoch haben Marduk mit Jubiläums-Editionen und bereits zwei zuvor veröffentlichten DVD´s schon viel früher diesen Weg beschritten, dazu kommt aber, das Marduk ihren Stil von minimal bis überhaupt nicht geändert haben, also was solls.

Zwei große Unterschiede bestehen allerdings im Vergleich zu den anderen DVD-Auskopplungen. Das wäre zum Einen die umfangreichere Ausstattung und Aufmachung, zum Anderen das aktuelle Line-Up mit Mortuus am Gesang und Devo Andersson am Bass, da Legion und B.War die Band nach vielen Jahren verließen. So gibt es nach der „Warschau“ Live-CD das aktuelle Line-Up nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, inwiefern das gelungen ist, werde ich euch sagen.

Auf der ersten DVD erwarten uns gleich zwei Konzerte plus eine Photo-Gallery. Die animierten Menüs mit rollenden Panzern, und die sehr pompöse Einleitung zum ersten Konzert in Tilburg, Holland (Marduk-Logo wird von Flammen umhüllt und mehrere Explosionen folgen) geht es ohne Einleitung direkt los mit „Azrael“. Mehrere Kameras wurden benutzt, zusätzlich Effekte und ein fixer Schnitt verwendet. Und da ist auch das erste kleine Problem. Der Schnitt ist meistens so schnell wie die Songs, sodaß man sich nicht sehr oft auf etwas konzentrieren kann. Fans, die sich etwas bei ihren Vorbildern technisch abgucken wollen, müssen leider darauf verzichten. Entweder der Schnitt ist zu schnell oder Effekte (Zeitsprünge,Zeitlupe etc.) machen es nicht gerade einfach, sich auf etwas groß zu konzentrieren. Auch die Kameraeinstellungen sind etwas anders als bei sonstigen Live-DVD´s. Man hat das Gefühl, sie sind irgendwie zu nah am Geschehen, eine Totale sind man eigentlich nur zwischen den Songs und von den Fans ist leider auch selten was zu sehen. Aber nichts davon verdirbt einem das Konzert, denn Marduk spielen technisch einfach brilliant und an die Kamera gewöhnt man sich schnell. Der Sound könnte nicht besser sein, man hört alles perfekt, auch die bei Marduk sehr wichtigen Basslinien sind klasse zu hören. Der Sound klingt besser als noch bei „Warschau“, zudem knüppeln Marduk auch hier alles in Grund und Boden, nur nicht ganz so extrem wie auf der „Warschau“, wo selbst „Wolves“ recht schnell war. Die Tracklist seht ihr unten, ich finde das Set sehr abwechslungsreich, schnelle Nummern, langsame Nummer und Mischungen aus Beiden. Wirklich ein klasse Konzert, auch wenn das Bild nicht gestochen scharf ist, wie es meist der Fall ist. Wahrschneinlich wollten sich Marduk noch etwas Underground-mäßiges wahren.

Konzert Nummer zwei aus Antwerpen, Belgien ist kürzer geraten als das Hauptkonzert und an sich das Gegenteil des vorigen Konzertes. Überschaubarere Kameras, Schwarz-Weiß Bild und keine Effekt-Flut, man sieht mehr die Fans und man kann sich wesentlich besser auf das Können der Musiker konzentrieren. Zu sehen wie Emil auf die Drums hämmert ist eine wahre Augenweide, ab und zu erinnert er an Das Tier von der Muppet-Show, wenn er wie ein Berserker am Ende eines Songs auf die Drums einhämmert. So bekommen Leute wie Ich, die sich über kleine Dinge am Anfang beschweren, dann doch noch Ihren Spaß. Was ich vergaß zu erwähnen: Mortuus ist wirklich der perfekte Frontmann für Marduk, er keift sich die Seele aus dem Leib, klingt so wie die ersten Marduk-Sänger mit einer Menge Kraft in der Stimme und hat zudem auch eine sehr kühle Bühnenpräsenz. Ich mag Legion zwar irgendwie lieber, er sang zwar, als hätte er Rasierklingen geschluckt, weil seine Stimme beim Schreien so schwankte, aber Mortuus passt einfach besser zu Marduk.

Die zweite DVD bietet dann die ganzen Extras. Die beiden Videos der „Plague Angel“, „Throne Of Rats“ und „Steel Inferno“, das von der Aufmachung doch stark an „Panzer Division Marduk“ erinnert, sind typische Black Metal Videos, nichts Weltbewegendes, aber schön anzuschauen. Dann gibt es ein Interview von knapp 13 Minuten mit Mortuus (auf einem Friedhof) und Morgan, das zwar stocksteif und gestellt rüberkommt, aber dennoch informativ ist. So wird auf das aktuelle Album „Plague Angel“ eingegangen, dem Line-Up Wechsel sowie andere interessante Kleinigkeiten rund um Marduk.

Dann kommt wohl die größte Verwirrung der DVD. „Behind The Scenes“ umfasst nicht wie von mir gedacht die Machart der Konzerte oder einen Blick auf das Tourleben, nein, es sind Wanderungen über Friedhöfe. In bester Blair Witch – Manier hört man den Kameramann (vllt. Morgan selbst) über den Kies schreiten, Statuen, Gräber, Gemälde und Kirchen werden besichtigt, natürlich alles in Schwarz-Weiß und untermalt mit ein paar Psycho-Kamerafahrten und unheimlicher Musik. Es ist zwar eigentlich total lächerlich, vor allem ist das Ganze auf 7 Minuten gezogen, aber so etwas unter „Behind The Scenes“ zu stecken, als gäbe es nur Friedhöfe etc. jenseits der Bühne, hat schon wieder was.

Ich beschwerte mich ja anfangs über die wenig sichtbaren Fans bei den Konzerten. Diesen Punkt holen sich Marduk unter „Deathmarch“ wieder zurück. 18 Songs aus der ganzen Deathmarch-Tour 2004/2005 in alter Underground-Manier von einer Kamera aufgenommen. Neben der Bühne, mitten im Publikum oder von der Technik gefilmt gibt es hier die andere Seite von einem Marduk-Gig zu sehen. Hier wurde nichts mehr am Ton gemacht, alles blieb so wie es aufgenommen wurde. In Wacken 2004 (in strahlender Sonne!) ist das Blut, das Mortuus bei „Throne Of Rats“ über sich gießt und es ausspuckt (Blood Puke Salvation eben), schon sehr eindrucksvoll.

Marduk haben sich mit „Blood Puke Salvation“ schon viel Mühe gegeben. Die beiden Konzerte punkten mit genialem Sound, einem brillianten Zusammenspiel und einer tollen Setlist. Die Tatsache, dass die Fans nicht viel zu sehen sind, wird mit der totalen Underground Atmosphäre von „Deathmarch“ wieder gutgemacht. Auch der Rest der DVD kann begeistern, auch wenn ich den Menüpunkt „Behind The Scenes“ schon etwas fragwürdig finde. Verpackt in einer schönen mattschwarzen Hülle, zeigen Marduk auf „Blood Puke Salvation“, dass sie live einfach eine kleine Macht sind und ich denke, dass jeder, der Marduk mag, bedenkenlos zugreifen sollte.

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