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Łinie: What We Make Our Demons Do

Verquere Welt aus nörgelnder Anklage und unverkrampfter Wucht in einer dramatischen Landschaft
Wertung: 8,5/10
Genre: Sludge/ Doom/ Stoner/ Metal/ Alternative/ Industrial
Spielzeit: 39:52
Release: 31.07.2015
Label: Bad Kingdom Records

Wer sich auf das Łinie-Debüt „What We Make Our Demons Do“ einlassen will, sollte erst einmal alle musikalischen Konventionen über Bord schmeißen und sich darauf einstellen, dass hier ein Gebräu aufgetischt wird, welches sich erfolgreich windet, einmal gegriffen in die nächste Schublade verpflanzt zu werden. Kaum hat man sich auf ein wenig Stoner eingependelt, da grätschen auch schon wieder ein paar Industrial-Partituren dazwischen, nur um wieder für ein wenig Sludge Platz zu machen oder gar auf metallischen Alternative-Pfaden abzubiegen – nein, leichte Kost ist das nicht, was die Hamburger da bieten, und dann auch wieder doch. Da wäre das dann wieder mit dem „sich winden“.

Der große Knackpunkt sei gleich als erstes aufgezählt, denn das wird der die Geister scheidende Frontmann Jörn sein, der mit einem reichlich gewöhnungsbedürftigen Organ der kompletten Scheibe locker seinen Stempel aufdrückt und sich zwischen Depression, Aggression und Verzweiflung wohl fühlt, der aber mit zunehmender Länge der Scheibe dann doch arg am Nervenkostüm rüttelt. Und genau das kann man dann auch von zwei Seiten betrachten: Die einen werden soviel Individualität lieben, die anderen aber werden sich mit einem „muss nicht wirklich sein“ abwenden – und genau solche Emotionen soll doch Musik freisetzen, denn Łinie machen es einem beileibe nicht leicht.

Und wer jetzt noch immer auf dem Ross der Vorurteile herumreitet, der wird sich gerne auch an Iggi „reiben“, denn harte Rockmusik und Techno-Vergangenheit lehnen nicht nur Puristen ab. Dabei ist genau das dann einer der ganz großen Momente immer wieder, was da an elektronischen Spielereien songdienlich eingewoben wurde – und beispielsweise in „Designate“ voll zum Tragen kommt: Die ganze Zeit wabern die Elekro-Sounds im Hintergrund und sorgen für einen passenden Klangteppich, nur manchmal dringen sie dann auch in der Vordergrund und sind dort allein gelassen dominant und doch unaufdringlich.

Wem die bisherige Düster-Stimmung schon auf den Keks gegangen ist, wird das mit Hip Hop angereicherte „Chewing Gum“ eh schon nicht mehr mitbekommen, doch auch hier sorgen massive Riffwände vor den locker ruhigeren Parts für eine gelungene Melange aus Entspannung und  quengeliger Genervtheit – ein Gegensatz, der sich wie ein roter Faden durch die Nummern zieht. Man kann es nur betonen: Es sind halt immer wieder die Gegensätze, die auf „What We Make Our Demons Do“ für Begeisterung sorgen. So vermischen sie in „No Ideal“ heftigen Stoner mit Sludge, erst recht aggressiv, manchmal sogar bedrohlich, um dann aber wieder in Momente rockiger Lässigkeit zu verfallen. Und wer so ein Paradebeispiel für den Łinie-Sound sucht, ist dann bei der letzten regulären Nummer „ Natural Selection“ bestens aufgehoben, erschaffen die Hamburger hier doch eine Welt aus Langsamkeit, Wucht, Sprechgesang, melodischer Mitsingbarkeit, Gallopp und doch wieder leicht zurückstoßend, wodurch die Erwartungshaltung umspielt, aber nicht unbedingt erfüllt, sondern der eigene Kontext durchgesetzt wird – eingängig und sperrig zugleich eben.

Hier eine schon swingende Atmosphäre wie in „The City“, dort mit „Bearing Life“ eine stark Industrial-geprägte Nummer mit sattem Nine Inch Nails-Touch, wobei auch hier die monoton wirkenden Riffwände am Schluss die einschüchternde Elektrospielerei noch einholen oder aber das mit reichlich Dramatik spielende, rund um groovige Passagen und anklagenden Shouts aufgebaute „ Blood On Your Arms“ - Łinie basteln eine verquere Welt aus nörgelnder Anklage und unverkrampfter Wucht in einer dramatischen Landschaft. Keine leicht Kost, ganz sicher nicht, aber genau deswegen faszinierend.

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