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Kamikaze Kings: The Law

Weniger pornorös als befürchtet
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 51:14
Release: 31.08.2012
Label: Limited Access Records

Fangen jetzt wieder die pornorösen Rock’n’Roll-Zeiten an, wie sie schon damals weit zurück in den Achtzigern durch die Glamwelt ans Tageslicht gezerrt wurden? Die Berliner Rockformation Kamikaze Kings jedenfalls liebt es, mit den Klischees zu spielen, da passt doch auch der auf der Homepage dokumentierte Besuch der Pornomesse „Venus“ mit entsprechender Frauen-Oberweiten-Begutachtung im Auftrage als Pornrocker ganz gut ins Gesamtbild. Nun, ganz so sexistisch derbe wie bei so manchen Grindcorebands oder auch wie die durch das Label ins Rennen geworfenen Steel Panther geht es dann doch nicht her, was bei einer Liveshow sich natürlich anders gestaltet könnte.

Knapp drei Jahre besteht die Band schon, und so lange kann man auch den Entstehungsprozess des Debüts „The Law“ durchgehen lassen, bis sie dann mit Dirk Faehling (hat auch schon Skew Siskin, Jingo De Lunch oder auch Motörhead unter den Reglerfingern gehabt) an den genau passenden Produzenten geraten sind, denn er hat es sehr gut verstanden, der Band den notwendigen Schmutz aus dem Rockwanst zu kitzeln.

Gut, abgehakt, Sex gehört natürlich noch immer ins Rock’n’Roll-Biz, nicht umsonst gilt doch auch der in der Szene bekannte „Tittenbonus“ als Türöffner ersten Grades. Auf „The Law“ allerdings hat das zuerst aber einmal nichts mit den weiblichen Rundungen zu tun, sondern da lassen sie lieber gleich mehrere (glam)rockige Arschtreter heraus. Flottere Stücke wie z.B. „Boneshaker Boogie“ ragen da auch nach oben heraus und zeigen auf, dass die Band hier wohl auch ihre Stärken hat. Natürlich ist „Just Dance“ nicht gerade der pure lyrische Erguss und beschreibt wohl eher die niederschwelligen Wunschgedanken der Männerwelt, doch auch hier semmeln Kamikaze Kings eine herrlich angenehme Rockkeule ins musikalische Gemächt, schön treibend, ein wenig schmutzig.

Dass sie sich aber auch auf den Rock’n’Boogie-Ausritt verstehen, zeigen sie mit dem schwach AC/DC-lastigen „I Am The Law“ auf, das fett stampfend lediglich ein Manko der Truppe aufweist: In den Refrains hätte man durchaus noch ein wenig mehr Grips und Abwechslung bringen können – so verpufft hier ein wenig der Zauber, der das Rockriff zu Beginn aufgebaut hat. Ein schmissiger Rockhammer ist dagegen dann das schon als Fighterhymne angepriesene „Boys ’N’ Men“, welches wohl mal bei der Band nachgehakt werden sollte, zumal aus Berlin ja immer wieder etwaige Schlagzeilen aus Hauptstadtrandslums in den Nachrichten auftauchen. Dazu kommen aber auch Ohrwürmer wie das mit einem rockigen, an Suicidal Tendencies' „I-Saw-Your-Mommy“ erinnernden Startriff versehene „Too Late“ oder auch das mit Blues vollgestopfte, schwerlastige „Shadows“.

Eines sollte man nicht vergessen: Die selbsternannten „Pornrocker“ Kamikaze Kings aus Berlin legen mit „The Law“ ihr Debüt vor. Wer schon soviel Potenzial auf dem Erstling erkennen lässt, wer sich den Arsch auf jeder Bühne abspielt, wo die Stromrechnung keinen Strich durch die Rechnung macht, wer einfach so viel Arschtritt im Rock’n’Roll verpackt, der hat nicht nur eine Chance verdient, sondern kann hier an der Mutterbrust der höheren Punkteränge saugen.

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