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Kamikaze Kings: Master Or Slave

Nett verpackte Kalorienbombe im diätätischen Rockmoloch
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock/ Heavy Rock
Spielzeit: 56:54
Release: 25.07.2014
Label: 7Hard

Wer die Berliner Hard’n’Heavy-Porn-Rocker noch nicht kennt, der dürfte natürlich schnell über Sprüche wie „der Rock’n’Roll hat wieder Cojones“ stolpern, aber kleinlaut waren und sind die Kamikaze Kings nie gewesen und werden sie auch hoffentlich nicht sein. Und wer hier im Irrglauben durch die Hintertür meint, da tönen doch nur Moneywar aus den Hauptstadtmäulern, der sollte lieber verinnerlichen: Kamikaze Kings wollen nicht für den Metal sterben, sondern lieber mit reichlich zweiporndeutigen Inhalten dem Klischee des Rockbusiness neues Leben einhauchen. Natürlich geht das dann soweit, dass auch live ordentlich die Verbalmalträtierung auf die Spitze getrieben wird – verstehen kann man das nur, wenn man sich von den elternmoralischen Sexgeheimnissen distanzieren konnte.

Und so rocken die Bärliner auch auf dem zweiten Full-Length-Schnittchen „Master Or Slave“ mit Stolz geschwollenem Prengel durch alle widrigen Schlüpfrigkeiten, und wer das Quartett in der letzten Zeit live erleben durfte, dem kommt die eine oder Nummer auch bekannt vor. So hat „Backdoor Philosophy“ schon lange den Test der Bühne bestanden, stampft mit prallen Eiern fett wie Melonen und vertritt so ganz nebenbei Elmos Lebensmotto, Liebe unters Volk zu bringen und sich keinen Deut um so Nebensächlichkeiten wie dem Geschlecht abzugeben.

Natürlich werden Fans tieflyrischer Ergüsse nicht befriedigt, dafür kramen die Berliner auch ganz zu liebend gerne in der Prollverbalerotikdose, aber Songs wie der speedige, sehr metallisch angelegte Titeltrack „Master Or Slave“ sind ein Beleg für die Cojones im Powerfaustrausch, wobei auch das ebenfalls sehr geschwinde, als einziger Track durch ein kurzes Intro aufgepoppte „Midnight Killer“ schon fast in thrashige Regionen vorstößt. Als Ausgleich aber kommt „Going Wild“ mit latentem Down-Under-Schweiß daher, „I Rule The Night“ verquickt den Heavy Rock mit einer großen Portion Schnuckel-Glam und entwickelt sich zum kurzweiligen Partykracher und „Evil Woman“ ist die Antwort auf feist rollenden Südstattenblues, kommt dabei aber aus den Südsümpfen Berlins. Mit dem liebestrunkenden „Love For Sale“ pumpen sie im geschwind stampfenden Adrenalinprollabriss durch den rock’n’rolligen Rotlichtbezirk, „All On The Money“ stampft hard(c)rockig durch die digitalen Rillen und verspricht nicht nur gute Laune, sondern hält es auch, während das bluesig startende „Hungy Like A Wolf“ nicht nur die animalische Kehrseite nach oben spült, sondern auch mit Fan-Backgroundgesängen angereichert ist.

Irgendwie kann man den Eindruck gewinnen, dass Kamikaze Kings einmal mehr die Finger in die schleimige Scheinheiligkeit der Rockszene schieben, unbeirrt dem Pornogeist frönen, Klischees der Klischees wegen ausreizen und so ganz nebenbei auch ein paar partykompatible Heavynummern heraushauen. Nein, der Finger der Pseudomoral sind sie nicht und die Revolution gegenüber anderen „Rockstar-Mumien“ starten sie ebenfalls nicht, doch bei ihrem Kreuzzug gegen die „moderne Softrock-Diät“ sind sie eine nett verpackte  Kalorienbombe. Es kommt dicke und man hat die Schnauze voll? Bitte, „Master Or Slave“ versprechen ausreichend Kurzweil im Kamikaze Kings-Umhang.

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