Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Hammerfall: Infected

Die Schweden sind auch für die Zukunft gut aufgestellt
Wertung: 8/10
Genre: Power/ Melodic Metal
Spielzeit: 51:24
Release: 20.05.2011
Label: Nuclear Blast

Die Schweden Hammerfall ziehen ihr Ding durch, und man kann sie mögen oder auch nicht, doch der Band gebührt durchaus Respekt, die melodische Metalfahne schon seit der Grunge-Bewegung hochzuhalten, was natürlich durch das Segeln in kommerziellen Gewässern auch nicht gerade schwer fiel. So sehr sie von ihren Fans glühend verehrt werden, so sehr hatten sie sich aber auch mit Gegenwinden gerade wegen der manchmal arg süßlichen Melodien anfeinden lassen müssen.

Mit ihrem achten „Output“ versuchen Hammerfall nun einen galanten Kurswechsel –  das fängt schon beim Artwork an, auf dem sich eine tote Hand in die Höhe streckt; düster und bedrohlich – wohl doch kein Zeichen für eine dahinsiechende Power-Metal-Gemeinschaft? Der jahrelange Mitsegler Charlie Bauerfeind wurde ins Rettungsboot zu neuen Ufern verfrachtet, und die beiden Gitarristen Oscar Dronjak sowie Pontus Norgren schwangen sich als neue Chef-Studio-Maats auf und kündigten einer möglichen Produktionslangeweile den Kampf an.

„Infected“ hat auch ein paar Neuerungen mitgebracht, und Hammerfall setzen mit dem Opener „Patient Zero“ gleich eine erste Duftmarke – richtig schön fies schleppend, bevor dann doch noch die Galopp-Keule ausgepackt wird. Gleich im Anschluss scheppern die Schweden in schöner „Gute-Laune-Double-Bass“-Manier mit „Bang Your Head“ daher und versprühen mit einem Riffgewitter einfach nur pure Lebensfreude – kein überflüssiges Gefrickel, sondern einfach nur straight nach vorn abgehend.

Den Wind aus den Segeln nehmen Hammerfall allerdings auch mit ihrer Schmachtballade „Send Me A Sign“. Während die Balladenjünger freudig erregt einmal mehr im Scheine ihrer Feuerzeuge auf rosa Wolken schweben, dürfte die metallisierte Fraktion ganz elektrisiert nach dem „Hirn-vom-Himmel-Regen“ schreien – keine Frage, gut gemacht und mit ordentlichem Radiopotential ausgestattet, doch unterm Strich genauso banal und überflüssig wie unzählige andere Softrocksongs auch.

Und genau zwischen diesen beiden Regionen – starke DoubleBass-Attacken contra Schmusefaktor – pendeln Hammerfall immer wieder hin und her. Da treiben sie die Rocksau mit „Dia De Los Muertos“ durchs Dorf und hören sich so sehr nach Helloween an, dass man glatt meinen könnte, den falschen Silberling eingelegt zu haben.

Dazu gesellen sich dann Füllwerke wie „The Outlaw“ oder auch „Let’s Get It On“, die sich ganz nett anhören, aber nicht wirklich aus dem Quark kommen, und gerade „666 – The Enemy Within“ kratzt so eben an der Grenze zum „Schalala-Metal“ – die Keyboard-Sequenzen durch ordentliche Bläser ersetzt, dem ganzen einen blutig diabolischen Pathos angeschmiedet, und schon würde auch der Titel zum Song passen. Bei einer Klausur wäre die Randbemerkung „Thema verfehlt“ in fetten Lettern direkt ins Auge gesprungen.

Weit mehr experimentierfreudig geben sich Hammerfall beim Rausschmeißer „Redemption“ – die Orgel schwurbelt los, die Gitarren setzen ein, und dann dominiert für kurze Zeit ein Techno-Thema – Hyper Hyper lässt grüßen –, bevor plötzlich alle Energie versiegt, und schon startet der eher balladeske Teil, der dann wieder von den Keys jäh unterbrochen wird. Nicht schlecht, dieses Wechselspiel zwischen den zart donnernden Gitarren und dem zerbrechlichen Gesang – hoffentlich nicht zu viel Abwechslung für den auf einfache Kost getrimmten Fan.

Trotz dem Wechsel auf dem Produzentensessel, trotz einigen, eher vorsichtigen musikalischen Modifikationen – Hammerfall sind noch immer in jedem Riff und jedem Beckenschlag zu erkennen. Fans werden das Album nach mehreren Durchläufen lieben und sich höchstens daran stören, dass mit „Patient Zero“ und „Redemption“ das Album durch zwei etwas sperrigere Songs eingerahmt wird, die aber der melodischen Truppe richtig gut zu Gesicht stehen. Natürlich sind nicht alle Songs ein Treffer ins Schwarze, und mit „666- The Enemy Within“ hat man auch einen, sagen wir mal, uninspirierten Song am Start, doch auch 2011 kann man Hammerfall bescheinigen, die melodische Metalfahne noch immer vorneweg ins Stadion zu tragen. Die Ballade „Send Me A Sign“ – von den Fans sicherlich heiß und innig geliebt – bleibt aber weiterhin das Öl ins Feuer aller „Hab ich doch gewusst“-Hammerfall-Verneiner. Die Wahrheit ist auffem Platz, äh, auf der Bühne – da wird sich wie immer zeigen, welche Songs wirklich zünden. Mit „Infected“ haben Hammerfall zumindest schon die erste Halbzeit für sich entschieden.

comments powered by Disqus

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten