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Halford: IV - Made Of Metal

Höhen und Tiefen hat Halford erlebt, dies zeigt dieses Album perfekt in allen Belangen
Wertung: 9/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 62:47
Release: 22.10.2010
Label: Metal God Records

Was musste Rob Halford doch alles in letzter Zeit an musikalischer Kritik einstecken. Sein „Winter Song“-Album  konnte nur wenig Lob einheimsen und auch das Judas Priest-Album „Nostradamus“ konnte nicht wirklich für Furore sorgen, auch wenn man wie schon beim Vorgängerwerk mit Platz 5 die höchste Chartplatzierung in Deutschland erzielen durfte. Umso gespannter durfte man sein, als nun mit „Made Of Metal“ der vierte Solooutput unter seinem Namen zur Veröffentlichung anstand.

„Undisputed“ heißt der Opener des Albums und entpuppt sich als zügiger, nicht unmelodischer Heavy Metal-Song, der ganz in der guten alten NWOBHM–Tradition steht. Das geht gut ins Ohr und hat naturgemäß einige Querverweise zu seiner Stammband. Ganz klar, er gehört zu den besseren Sängern im Metal-Bereich und das auch mit seinen 59 Jahren. Da hört man gerne hin und versucht mitzusingen.

„Fire And Ice“ gibt dann noch einmal mehr Gas. Lediglich der ein wenig zu amerikanisch melodisch klingende Refrain weiß hier nicht ganz so zu überzeugen. Insgesamt würde man sich teilweise eine etwas fettere Gitarrenproduktion wünschen, aber das kann natürlich auch daher rühren, dass man diesbezüglich schon sehr von Judas Priest verwöhnt wurde.

„Made Of Metal“ ist dann so ein wirklich ungewöhnlicher Song. Elektronisch verfremdet beginnt der Gesang, um dann in einen Popsong im stählernen Metal-Gewand zu wechseln. Hier wird das wirklich schwache Coverartwork zum Programm. Ein anscheinend aus einem Videospiel generierter Nascar-Bolide zeigt visuell, was dieser Song hergibt. Ganz ehrlich, das klingt wie das unsägliche „Turbo“-Album, nur ohne Keyboards. Trotz des gewissen Igitt-Charakters brennt sich die Melodie dummerweise ins Gehirn. Kennt ihr das, wenn man einen Song hört und er sich direkt im Ohr einnistet, obwohl man ihn eigentlich gar nicht so wirklich zu mögen scheint?

„Speed Of Sound“ verfolgt ähnliche Wege, wenngleich der Ohrwurmcharakter deutlich reduziert ist. Keine Ahnung, warum Rob Halford hier schon wieder einen leicht elektronisch bearbeiteten Refrain mit ein wenig Popcharakter kreiert hat. Ein Krachersong, wie er auch auf „Ram It Down“ hätte stehen können. Roy Z. und Metal Mike Chlasciak sorgen für gelungene Gitarrenaction, wobei sie natürlich einen etwas anderen Stil mitbringen als es Glenn Tipton und K.K. Downing täten.

„Like There's No Tomorrow” ist deutlich rauer und Metal-lastiger ausgefallen. Ein Song, der zwar gefällt, aber dennoch nicht zu den Anspieltipps gezählt werden kann, auch wenn die Gitarren hier mehr als nur hörenswert sind.

Und dann kommt mein persönlicher Überknaller: „Till The Day I Die“! Mit Countrygitarren-Flair startet der eigentlich extrem simpel gehaltene Track. Aber dieser Beginn mit dem Gesumme, welches sich dann langsam zu einem richtigen Stampfer entwickelt. Unglaublich, was Rob hier zelebriert. Einer der besten Songs, die 2010 produziert wurden. Dazu ein abgeklärter Text, der auch die ein oder andere Sorge über das Wohlbefinden von Metal God Halford aufkommen lässt. Das ist wie seinerzeit mit „United“ vom „British Steel“-Album. Ein Song, der textlich bestens fürs alternde Publikum geeignet ist. Ich hätte auch nie gedacht, dass Rob mal so singen würde. Und dann auch noch Bobby Jarzombeks perfektes Drumming. Ganz ehrlich, allein dieser Track wurde nun von mir schon zigmal häufiger als der Rest des Albums gehört. Und das nicht, weil der Rest Käse ist.

„We Own The Night“ kracht dann wieder deutlich mehr. Die Gitarrenfraktion donnert durch das Trommelfell, während Rob dem Ganzen einen deutlich amerikanischeren, melodischeren Anstrich verleit. Das klingt im Ganzen richtig gut.

„Heartless“ ist eine knallige Ballade (was sich ja eigentlich widerspricht): Rob in Bestform, tolle Melodie und zum geeigneten Zeitpunkt mit richtig Power gesegnet. Mike Davis unterstützt mit seinem Bass den grandiosen Rhythmus, der sehr viel Flair versprüht.

„Hell Razor“ klingt dann eher so, als ob die „Stained Class“-Zeit in den Sound des 21. Jahrhundert transferiert worden wäre. Das ist wirklich nicht zu verachten, wenngleich auch kein Highlight. Hört man sich gerne mal an, mehr aber auch nicht unbedingt.

„Thunder And Lightning“ vermag da schon mehr Akzente zu setzen. Da spürt man auch deutlich die Hardrock-Vibes, die Roy Z. und Rob da beim Komponieren beeinflusst haben. Schön zu hören, wie der Metal God hier wirklich verschiedenste Genres in höchster Qualität bewältigen kann. Die Bassline hätte auch von alten Bon Jovi kommen können.

„Twenty-Five Years“ kramt dann nochmal die ganz alten, ruhiger rockenden Roots vom Meister heraus. Er singt schön gefühlvoll wie man es von „Victim Of Changes“ oder „Dreamer Deceiver“ kennt. Sehr, sehr stark, auch wenn die ganz hohen Tonlagen wohl auch altersbedingt gemieden werden. Ein leicht düsterer Blick zurück auf die vergangenen 25 Jahre im Leben von Rob wird hier textlich vage umrissen. Einfach nur Kult!

„Matador“ kann mit eben diesem aber nicht dienen. Hier wird deutlich kraftvoller gezockt. Leider will der Song aber nicht im Gedächtnis hängen bleiben und wirkt so ein wenig wie ein Lückenfüller, den Rob aber eigentlich nicht nötig hat. Mit den beiden Judas Priest-Gitarristen hätte man hier einen Track schaffen können, der zum „Painkiller“-Album passen würde. Ob man da nun wirklich Livepublikum mit einmixen musste, sei mal dahin gestellt.

„I Know We Stand A Chance“ ist ein krachender, aber doch recht chartorientierter Track, der so gar nicht munden will. Schade, dass dieses bisher sehr starke Album nun einen deutlichen Qualitätsverlust aufzuweisen hat.

Das Ende dieser prall gefüllten Schiebe besiegelt dann „The Mower“. Und ich hätte es eigentlich nicht mehr erwartet, doch Rob geht doch noch einmal in die höchsten Stimmlagen. Das hört man gern, auch wenn dieser Song selbst eher schwaches Kraftgebolze ist.

Fazit: Halford meldet sich beeindruckend zurück. Man hat aber das Gefühl, als ob hier doch ein paar Lückenfüller mit an Bord sind. Andererseits hat er eine musikalische Sternstunde neben sechs wirklich tollen Songs mit an Bord. Eine Bewertung fällt in diesem Falle extrem schwer, denn nur selten gibt es so gravierende Qualitätsunterschiede. Die Scheibe wird mit genutzter Skip-Taste aber definitiv ein Dauergast im CD-Laufwerk werden. Insgesamt überwiegen die positiven Dinge recht deutlich und dann noch dieses „Til The Day I Die“… Neun Punkte, basta, setzen.

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