Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Grave Digger: Healed By Metal

Entschlackt, entkernt, aufs Wesentliche reduziert
Wertung: 8/10
Genre: Heavy Metal
Spielzeit: 43:23
Release: 13.01.2017
Label: Napalm Records

Manchmal braucht es nur eine Rückbesinnung wie „Exhumation (The Early Years)“, um wieder zum eigentlichen Grave Digger-Kern zu finden, quasi die Essenz des eigenen, seit nunmehr weit über drei Dekaden prägenden Sounds zu destillieren, einfach ein bisschen Konzept-Ballast über den Jordan zu schicken und sich mit neuem Schwung gaaaaanz entschlackt mit voller Riffpower und griffigen Refrains einmal mehr wie Baron Münchhausen aus dem Sumpf von zu hohen Erwartungen zu ziehen und tief in der Klischee-Schublade zu wühlen – zehn Gebote des Metals einmal mehr ausgelobt und irgendwie auch sehr gut ausbalanciert zu präsentieren.

Klischees? Ja klar, wir dürfen das, so auch folgerichtig Chris Boltendahl, wer denn auch sonst? Zumindest kann man damit auch prima allen Kritikern prächtig die Kauleiste stopfen, denn Trademarks hin, Nullneuerungen her, auch auf dem nunmehr 18. Studioalbum bieten die Gladbecker genau das, wonach die Fans eben gieren: Grave Digger pur.

Entschlackt, entkernt, aufs Wesentliche reduziert, das trifft dann auch immer wieder den Nagel auf den Musikknopf. So sorgt schön früh das rifflastige und mittlerweile auch zu Videoehren gereifte „Lawbreaker“ für erhöhte Powerfaust- und Headbanggarantie, noch besser aber präsentieren sich Grave Digger mit „Free Forever“, packen hier die ganz große Refrain-Schule bei den Eiern, stiften so ganz nebenbei eine weitere Hymne und pendeln sich wie selten genug in den letzten Jahren aufs Notwendigste reduziert ein, kontraindizieren zwischendurch Chris' rauen Gesang mit der Akustikklampfe und bauen so locker noch etwas ungezwungene Abwechslung ein.

Oder aber der Opener „Healed By Metal“ als schleppender Einsteiger mit fast schon rockigem Grundgerüst, was so auch schon von Cruizzen kopiert wurde, dazu dieser mitshoutbare Refrain rund um die lustige Entstehungsgeschichte und gleich schon mit ein paar selbstbewusst breitbeinigen Chören eingeleitet – eine erste Identifikationshymne für Fans allemal.

Gut, nicht alles auf „Healed By Metal“ ist wirklich prall, „Hallelujah“ rifft mit schlappem Refrain noch so gerade an der blaugrünen Augenpleite vorbei. Dann doch lieber wieder das mit voller Riffpower im deutlichen Durchzug und einem prägnanten Refrain ausgestattete „When Night Falls“, welches von Runde zu Runde immer mehr wächst, der zugegeben inhaltlich vielleicht auch ein bisschen zu plakativ den Zusammenhang der Szene beschwört, aber hey, wie eingangs erwähnt, wenn dann dürfen eben Grave Digger das. Überhaupt: Es sind immer wieder die Refrains, die satt im Sattel sitzen, „The Hangman's Eye“ ist dazu mit ein paar deutlicheren Keyboards aufgemotzt, ohne schwülstig abzugleiten, oder aber der identifikationsstiftende Stampfer „Ten Commandments Of Metal“, der locker lyrisch Joey DeMaio & Co kräftig vors Schienbein schmettert.

Am Ende sitzt man da mit zufriedenem Grave Digger-Grinsen, umarmt gar den Reaper freundschaftlich, reibt sich die Nackenmuskulatur mit Voltaren ein und fragt sich: Kann es sein, dass Heavy Metal wie Wein einfach reifen kann ohne zur Essigplörre zu werden? Bei den Gladbeckern definitiv, fast ist man geneigt, ein „selten waren sie so wertvoll wie heute“ ins Rund zu werfen.

comments powered by Disqus

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten