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Endstille: Endstilles Reich

Wertung: 8.5/10
Genre: Black Metal
Spielzeit: 48:45
Release: 19.10.2007
Label: Regain Records

Mit dem Vorgängeralbum „Navigator“ haben sich Endstille endgültig an die Spitze der deutschen Black Metal-Szene gesetzt. Aber auch international war es ein wirklich großer Schritt für die Band. Davon zeugt nicht zuletzt der neue Deal mit Regain Records. Schaut Euch nur mal auf deren Homepage an, wen sie so alles unter Vertrag haben und Ihr wisst was ich meine.

Fakt ist, dass sich Endstille trotz des wachsenden Erfolges keinen Millimeter vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen. Hier wird nicht mit eingängigeren Sounds um die Hörerschaft gebuhlt. Rauer Black Metal der alten Schule regiert noch immer über den Bandsound. Marduk, Gorgoroth und Co. halten weiterhin als Einflüsse her, obwohl Endstille mittlerweile eigenständig genug sind, um diese Referenzen einfach beiseite zu schieben. Oder anders gesagt: Die letzten Alben der genannten Bands sind in meinen Augen definitiv schwächer als „Endstilles Reich“ und „Navigator“.

Was mich am vierten vollständigen Album der Kieler besonders fasziniert, ist das Wachsen desselbigen mit jedem weiteren Durchlauf. Hätte ich das Review nach nur einmaligem Hören geschrieben, wäre es nicht so positiv ausgefallen wie jetzt. Sicherlich ist das Genre limitiert und man kann und wird auch keine großen Quantensprünge erwarten (können). Was man jedoch den Mannen bescheinigen muss, ist der Fakt, dass sie ihre Fähigkeiten als Songschreiber immer weiter verfeinern und ausbauen. Gnadenlose Raserei paart sich mit erdrückender Melancholie, bäumt sich hier und da in hymnenähnlichen Arrangements auf oder driftet in tonnenschwere Monotonie ab. Eine Verschnaufpause zum Luftholen bleibt dem Zuhörer kaum. Maximal während der Stille zwischen den Songs.

So setzt auch gleich der Opener „Among Our Glorious Existence“ zum alles vernichtenden Schlag an. Bis auf ein paar wenige Momente regieren gnadenlose Blastbeats. Das Riffing erschafft eine beklemmende Atmosphäre, so dass man sich im Zimmer umschaut, ob nicht doch irgendetwas dunkel in der Ecke steht und lauert.

Ganz anders dagegen „Endstilles Reich“ mit seinen morbid-schönen Melodien und seiner wechselnden Dynamik zwischen unnachgiebigem Blast und verhaltenen Passagen. Genau diese gekonnten Tempowechsel lassen jeden einzelnen Part noch intensiver erscheinen. Der Song bleibt nach zwei bis drei Durchläufen ganz tief im Ohr hängen und macht klar, wozu Endstille anno 2007 in der Lage sind.

So kämpfen sich die Kieler Schwarzheimer durch eine beachtliche Trefferquote an sehr guten Songs, bis mit „Scars“, „Erase“ und dem Rausschmeißer „Endstille (Realität)“ das Highlight-Trio abgefeuert wird. Der Erstgenannte überfällt dein Hirn mit einer düsteren Klampfenfigur, die sich in abartiges Psycho-Riffing steigert. Endstille setzen hier auf viel Abwechslung im Tempo und auf eine erdrückende Atmosphäre. „Erase“ steht dieser Abwechslung in nichts nach und nimmt dich mit auf eine Reise hin zu Hoffnungslosigkeit und drohenden Endzeitgedanken.

„Endstille (Realität)“ ist als Abschluss der wohl zugänglichste Song der Platte. Das Riffing wirkt für Endstille-Verhältnisse sehr harmonisch und der geneigte Midtempo-Banger bekommt genug Futter, um seinem Hobby zu frönen. Einzig „No Heaven Over Germany” muss ich aus meiner privatpersönlichen Tracklist streichen. Zu dem Song finde ich keinen Zugang.

Fazit: Endstille können sich definitiv auf die Fahnen schreiben, einen würdigen Nachfolger zum erfolgreichen „Navigator“ vorgelegt zu haben. Eingefleischte Fans werden auf Garantie bedenkenlos und ohne Hörprobe zugreifen und sich das Teil einsacken. Verkehrt machen können sie nichts. Jedem anderen Black Metal-Jünger wird ein Pflichthören verordnet. Egal, ob nun mit Hang zu Old School-Tönen oder nicht. Kurzum: Endstille sind an der Spitze der deutschen Black Metal-Bewegung angelangt und schielen schon Richtung internationaler Speerspitze. Die Klasse dafür ist vorhanden.

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