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Wacken Open Air 2012

Organisatorische Mängel und Schlammschlacht können die Feierlaune nicht komplett verhageln

Scorpions

Zum angeblich letzten Mal sind die Scorpions bei einem deutschen Open Air zu sehen – so kündigten sie es selbst an. Ob dies dann allerdings auch wirklich so durchgezogen wird, bleibt abzuwarten, da die Hannoveraner ja doch wieder Gefallen an ihrer ewig langen Welttournee gefunden haben und diese wohl nun doch noch weiter ausdehnen wollen. Dass dies aus rein pekuniären Gründen geschieht, wäre eine böswillige Unterstellung, doch wenn man sich diese saft- und kraftlose, stinklangweilige Darbietung am letzten Tag des Wacken 2012 anschaut, tut man sich schwer mit der Vorstellung, dass die Herren das noch machen, weil sie so unendlich viel Spaß dran haben. 

Sicher, diese klassische Hard-Rock-Truppe zwischen Brachialacts wie Amon Amarth und Machine Head anzusiedeln mag nicht die glücklichste Entscheidung gewesen sein (sonst hat man – abgesehen von Judas Priest im letzten Jahr, die am Freitag zockten – die alten Recken auch immer am Donnerstag spielen lassen; weiß der Deibel, warum das diesmal nicht der Fall ist), doch ein wenig Flexibilität sollte man von Besuchern eines so großen Festivals eigentlich verlangen dürfen und dies sollte sich außerdem auch nicht negativ auf die Performance auswirken. Die erste große Enttäuschung ist schon einmal, dass der Combo nur 90 Minuten zugestanden werden – es ist die letzte Open-Air-Show, verdammt, und Priest haben im letzten Jahr auch über zwei Stunden bekommen!

Und als wäre das nicht schon genug des Schlechten, betritt die Band die Bretter auch noch eine Viertelstunde zu spät, warum, weiß sie wahrscheinlich selbst nicht. Dann jedoch nimmt das Drama seinen Lauf: Selten wohl hat man einen Klaus Meine, dem anscheinend der Mikroständer an die Hand geklebt wurde, uninspirierter singen hören, der Frontmann spult das Programm mit geradezu dreister Zurschaustellung von Lustlosigkeit herunter, die englischen Ansagen und selbst die Mitsingspielchen wirken aufgesetzt.

Über die Setlist hingegen lässt sich sicherlich streiten, bei dem unfassbar großen Hitfundus ist es aber schlichtweg unmöglich, es allen recht zu machen. Wie man allerdings auf einen fett rockenden Kracher wie „Another Piece Of Meat“ verzichten kann, ist schon rätselhaft. Die Songauswahl ist trotzdem noch das, wo man am wenigsten Vorwürfe erheben kann: Auf „Wind Of Change“ wird dankenswerterweise verzichtet, aber immerhin trauen die Jungs sich, in der Zugabesektion mit „Still Loving You“ eine andere (und selbstredend weitaus bessere) Ballade auszupacken. Diese stellt ein Paradebeispiel für ein misslungenes Konzert dar: Eigentlich eine absolute Gänsehautnummer, wird sie von Meine ohne jeglichen Esprit und ohne Leidenschaft dargeboten, während Rudolf Schenker einige seiner nicht würdige, schief gegniedelte Sololicks vom Stapel lässt.

Die Tussis, die bei „Tease Me, Please Me“ mit Fackeln bewaffnet auf die Bühne stolzieren und sich völlig unerotisch durch die Gegend räkeln, hätte ebenso kein Schwein gebraucht, ein Drum- und Gitarrensolo sind bei der Spielzeit, die eh schon kürzer als erwartet ausgefallen ist, komplett überflüssig (auch wenn das bei den Scorpions zugegebenermaßen irgendwie dazugehört) und der Sound hätte gerne ein klein wenig lauter sein dürfen – dass es alsbald wieder kräftig zu regnen anfängt, passt wunderbar ins Bild zu einem ganz und gar öden und missglückten Gig. Man darf ja mal einen schlechten Tag erwischen, aber den sollte man nicht ausgerechnet bei der letzten Open-Air-Show und beim W:O:A haben. Meine Fresse, wenn man bedenkt, wie geil die Band 2006 an selber Stelle noch gerockt hat, ist das hier schon eine traurige Vorstellung. Nicht mal „Blackout“ vermag es, richtig Arsch zu treten! Spektakuläre Pyros können da auch nichts mehr retten und dass die Fans angesichts des berühmten Funken, der überhaupt nicht überspringt, nicht wirklich mitgerissen werden, ist nur allzu verständlich.

Setlist:

Sting In The Tail
Make It Real
Is There Anybody There?
The Zoo
Coast To Coast
Loving You Sunday Morning
Rhythm Of Love
Raised On Rock
Tease Me Please Me
Hit Between The Eyes
Dynamite
Kottak Attack
Blackout
Six String Sting
Big City Nights
Coming Home
Still Loving You
Rock You Like A Hurricane

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