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Wacken Open Air 2012

Organisatorische Mängel und Schlammschlacht können die Feierlaune nicht komplett verhageln

Cradle Of Filth

Die erste Band, die für diese Wacken-Ausgabe bestätigt wurde, war Cradle Of Filth; da die Engländer eigentlich ja schon 2011 antreten sollten, aufgrund einer Verletzung von Sänger Dani dann aber doch absagen mussten, wurden sie kurzerhand einfach für 2012 gebucht, um den geplatzten Gig nachzuholen. Und was für eine Ironie: Nachdem es zuvor erneut ganz ordentlich geschüttet hat, kommt ausgerechnet bei einer Düstercombo wie Cradle die Sonne heraus – und knallt noch dazu volle Kanne auf die Bühne. Frontvampir Dani findet das mal gar nicht dufte und meckert: „Fucking sun! Who needs it anyway?“

Hm, na ja, außer ihm dürften sich wohl fast alle Fans darüber freuen, dass nicht nur der beschissene Regen endlich einmal aufhört, sondern es sogar tatsächlich aufklart. Nichtsdestotrotz entfalten die opulenten Cradle-Kompositionen natürlich nicht dieselbe Wirkung wie in der Dämmerung oder noch besser nachts, und vielleicht ist das ein Grund – vielleicht aber auch einfach nur Müdigkeit nach drei, vier Tagen Festival, bei dem man sich noch dazu größtenteils durch Matsch und Schlamm kämpfen musste –, weswegen das Publikum so unfassbar lahmarschig herüberkommt. Dani ist schon fast ein bisschen sauer und brüllt immer wieder: „What the fuck!? Make some noise!“, doch die Steigerung des Lautstärkepegels danach ist auch nur bedingt spektakulär.

Dabei ist der Auftritt wirklich okay, zumindest meine Wenigkeit hat die Band schon wesentlich schlechter gesehen (zum Beispiel beim unsäglichen Konzert bei Rock am Ring 2006), und es ist einfach stets faszinierend, wie Dani diese ganzen völlig unterschiedlichen und teilweise unmenschlichen Laute auch live wiedergeben kann – wenn vielleicht auch nicht so brillant wie auf den Studioalben. Und auch die neue Keyboarderin kann überzeugen: Optisch macht sie sowieso was her, doch vor allem stimmlich kann Miss Caroline Campbell einiges. Auch wenn sie manches ältere Material ein wenig anders interpretiert; wirklich falsche Töne sind nicht zu hören, das wirkt alles schon recht sicher, was bei ihren Vorgängerinnen nicht immer der Fall war.

Die Setlist bietet wenig Überraschungen, hier haben wir einmal mehr Standard-Festivalkost vorliegen, mit dem üblichen Mix aus neuem Material und Klassikern, doch handelt es sich hier um einen guten Querschnitt durch das Schaffen der Düsterheimer, und Songs wie das epische „Heaven Torn Asunder“, das schaurig-schöne „Her Ghost In The Fog“ und vor allem die Übernummer „Cruelty Brought Thee Orchids“ kann man einfach auch immer wieder hören. Trotzdem muss man sagen, dass – auch wenn das einige anders sehen mögen – die Briten auch heute noch sehr gute Alben abliefern, jedenfalls fügen sich „Honey And Sulphur“ vom „Godspeed On The Devil’s Thunder“-Album sowie „Lilith Immaculate“ von der aktuellen „Darkly, Darkly, Venus Aversa“-Scheibe nahtlos ein. Witzig übrigens, dass man als Backdrop ein Motiv von „Damnation And A Day“ hängen hat, allerdings von jener Platte (leider) keinen einzigen Track darbietet.

Witzig sind teilweise auch Danis Ansagen: So wird „Gilded Cunt“ den Leuten in der ersten Reihe gewidmet und kurz vor dem finalen „From The Cradle To Enslave“ verkündet der kleine Giftzwerg, er werde sich nach dem Auftritt wieder in den Trailer begeben und dort zu Staub zerfallen. Nein, Freunde fürs Leben werden Cradle Of Filth und die Sonne anscheinend nicht mehr.
  
Setlist:

Humana Inspired To Nightmare (Intro)
Heaven Torn Asunder
Honey And Sulphur
Gilded Cunt
Lilith Immaculate
Nymphetamine (Fix)
Her Ghost In The Fog
Ebony Dressed For Sunset
The Forest Whispers My Name
Cruelty Brought Thee Orchids
From The Cradle To Enslave

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