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Wacken Open Air 2012

Organisatorische Mängel und Schlammschlacht können die Feierlaune nicht komplett verhageln

In Extremo

Auch nicht zum ersten Mal beim W:O:A sind In Extremo. Die Mittelalterrocker haben den letzten Slot auf der Black Stage am Freitag erhalten. Keine besonders gute Position, aber trotzdem haben sich vor der Bühne sehr viele Fans eingefunden, um mit der Band zu feiern. In grellem Rot erstrahlt die Bühne, als das Intro einsetzt. Als erstes Lied gibt es auch gleich den Titelsong zur aktuellen Scheibe. „Sterneneisen“ braucht ein paar Sekunden, um richtig bei den Zuhörern anzukommen, doch dann steigt ziemlich konstant die Stimmung auf dem Acker.

Textlich sind die Zuhörer bei „Frei zu sein“ deutlich sicherer. So sicher, dass Micha die Menge immer wieder alleine singen lässt. Der Frontmann richtet das Wort an die Zuhörer und bedankt sich für das zahlreiche Erscheinen der Fans und merkt an, dass der Ausblick von der Bühne ziemlich gigantisch ist.

Mit „Zigeunerskat“ orientiert man sich noch einmal am neuen Album. Doch gleich im Anschluss gibt es die schon echt alte Nummer „Herr Mannelig“. Die Stimmung im Publikum ist sehr gut, während die ganze Sache auf der Bühne etwas zähflüssig wirkt. Mit einem Blich auf die Uhr lässt sich das vielleicht erklären. Inzwischen hat Micha aber schon einmal seine Jacke abgelegt und steht nun im weißen Shirt auf der Bühne. Das Lied wird etwas in die Länge gezogen und verliert dadurch im Mittelteil etwas an Kraft. Doch ohne großen Aufwand holen In Extremo die Energie in den Song zurück und begeistern die Zuhörer mit dem Klassiker.

„Sängerkrieg“ bietet dann vor allem eines: die wahrscheinlich höchsten Gasflammen, die die Mainstage jemals gesehen hat. Bis ganz wenige Meter unter die Bühnendecke schießen die Säulen empor. Es ist schon verwunderlich, dass durch die Hitze nichts beschädigt wird – die Musiker müssen sich vorkommen wie Grillhähnchen.

Richtig ruhig wird es auf der Bühne und auch davor bei „Zauberspruch No. VII“. Ganz in grünes Licht getaucht steht die Bühne in der Nacht und In Extremo spielen diese sehnsüchtige Nummer. Ein richtiges Highlight des Sets bisher.

Dass die Darbietung nun nicht so ruhig bleiben würde war klar und die nun beginnende zweite Hälfte des Auftritts wird ganz den Hits der Mittelalterrocker gewidmet. Den Einstand macht „Spielmannsfluch“. Hier singen die Zuhörer über einige Passagen ganz alleine. Interessanterweise befinden sich im Publikum auch viele Leute, die den Release von „Verehrt und Angespien“ mit Sicherheit noch nicht als Rockmusikfans erlebt haben – gerade diese singen aber mit voller Brust mit. Auch nach dem Lied lassen In Extremo die Meute noch eine Weile singen, bevor es mit „Omnia Sol Temperat“ weitergeht. Bei dem Lied gibt es nicht nur Feuer von vorne, sondern auch am hinteren Bühnenrand schießen immer wieder Flammen in den abstrusesten Winkeln hervor. 

Schließlich wird es noch einmal melancholisch: Zwei Lieder von „Sterneneisen“ stehen noch auf dem Spielplan, von denen „Siehst du das Licht“ den Anfang macht. Der Titel wird sehr emotional gespielt; es scheint, als stecke viel Herzblut in der Nummer. Die Trinkerhymne „Viva La Vida“ wird dann logischerweise lauthals mitgesungen. Nicht nur lauthals, sondern auch mit Begeisterung, und eine Soloeinlage auf der Mundharmonika bringt dem Sänger einen zusätzlichen Applaus.

Als Doctor Pymonte mit der Harfe das Zentrum der Bühne betritt, ist klar, dass nun „Vollmond“ folgt. Das Lied wird leicht abgewandelt zur CD Version dargeboten, doch den Fans ist das völlig egal – bis ganz weit nach hinten wird die Nummer gefeiert und Menschen tanzen.

Den Abschluss bilden „Rasend Herz“ und „Villeman Og Magnhild“. Vor dem letzten Song verabschiedet sich die Band mit „Danke Wacken!“ und der Schlusssong kommt in gleicher Manier wie vor zehn Jahren schon aus den massig vorhandenen Boxen. Natürlich dürfen hier auch die Pyros nicht fehlen. Jede Menge Gas wird hier verheizt. Die Rückbesinnung auf die frühen Erfolgstage der Band gibt dem Konzert zum Schluss noch das Prädikat „empfehlenswert“. Zu Beginn lief die Performance etwas schleppend, sie hat sich jedoch kontinuierlich gesteigert und im letzten Lied einen multiplen Orgasmus gefunden.

Setlist:

1. Sterneneisen
2. Frei zu sein
3. Zigeunerskat
4. Herr Mannelig
5. Sängerkrieg
6. Flaschenpost
7. Unsichtbar
8. Zauberspruch No. VII
9. Spielmannsfluch
10. Omnia Sol Temperat
11. Siehst du das Licht
12. Viva La Vida
13. Küss mich
14. Vollmond
15. Rasend Herz
16. Villeman Og Magnhild

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