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Wacken Open Air 2012

Organisatorische Mängel und Schlammschlacht können die Feierlaune nicht komplett verhageln

Dimmu Borgir

Für das bereits das fünfte Mal, das man laut Shagrath in Wacken gastiert, haben sich Dimmu Borgir ein ganz besonderes Schmankerl ausgedacht: Da sie gerade auf ihrem letzten Album symphonische Elemente so stark wie noch nie einbauten, lag die Idee nahe, doch gleich eine ganze Show mit Orchester aufzuziehen. Man durfte also gespannt sein, wie dieses aufwendige Vorhaben umgesetzt und wie das Projekt wohl beim Publikum ankommen würde. Zunächst verhüllt noch ein Frontdrop die Bühne und das Intro, bei dem lediglich das Orchester spielt, erklingt ohne visuelle Unterstützung. Erst als die Band hinzukommt und mit „Born Treacherous“ das Konzert eröffnet, fällt das überdimensionale Tuch hinunter und es gibt sofort den ersten amüsanten Moment zu verzeichnen, da es direkt auf Shagrath hinabsegelt. Zwei eifrige Bühnenarbeiter jedoch können den Sänger flugs von dem lästigen Stofffetzen befreien – trotzdem liegt bei so etwas immer ein Hauch von Spinal Tap in der Luft.

Doch auch solche lustigen Anekdötchen können leider nicht davon ablenken, dass sich von den ersten Tönen an, bei denen Band und Orchester zusammen zu hören sind, zeigt, dass letzteres einfach viel zu leise abgemischt ist – was sich bedauerlicherweise auch nicht ändern wird im Laufe des Gigs. Es ist sehr löblich, dass dem Orchester insgesamt viel Raum gegeben wird – „Eradication Instincts Defined“ spielen die Tschechen gänzlich alleine (eine reine Orchesterversion dieses Stückes findet sich übrigens auch in der Special Edition zu „Death Cult Armageddon“ wieder), bei „Dimmu Borgir“ wird ihnen eine lange Einleitung gewährt und mit „Fear And Wonder“ sowie „Perfection Or Vanity“ stehen ein weiteres rein orchestrales Intro bzw. Outro zu Buche. Dennoch hätte man den Symphonikern schon hier mehr Saft geben müssen, klar, dass sie bei der Performance mit der Gruppe zusammen fast total untergehen. Dass ein solch ambitioniertes Unterfangen schwer umzusetzen ist und die Soundabnahme alles andere als eine leichte Aufgabe darstellt, darüber besteht kein Zweifel und allein der logistische Aufwand ringt einem Respekt ab. Trotzdem: Wenn man schon so etwas macht, muss man es auch richtig machen.

Dennoch weiß das Ganze durchaus zu faszinieren, der Auftritt als solcher und die Arrangements sind schon beeindruckend, das Zusammenspiel arschtight, die Pyros nett, der Sound dröhnt beinahe schon zu sauber aus den Boxen (gerade die alles übertönende Bassdrum klackt verdächtig steril durch die Botanik – aber geschenkt) und die Orchesterleute haben sichtbar ihren Spaß. In jedem Fall sind da eine ganze Menge grinsender Gesichter zu sehen, aber für die ist das natürlich auch mal etwas anderes; andere Musik und vor allem auch ein komplett anderes Publikum. Ein paar sind sogar in angedeuteter Corpsepaint-Art geschminkt.

Die Idee hingegen, die Passagen, die einstmals Ex-Bassist ICS Vortex gesungen hat, durch den Chor übernehmen zu lassen (bei „Progenies Of The Great Apocalypse“ und „Kings Of The Carnival Creation“), ist zwar grundsätzlich nicht schlecht, aber irgendwie klingt das doch letztlich zu dünn und ist einfach nicht dasselbe. Was auch immer damals vorfiel und so wenig ertragreich es ist, dem charismatischen Tieftöner hinterher zu heulen – da wird der musikalische Verlust eben doch deutlich. Gerade auch bei „Gateways“, wo dieselbe Chanteuse wie auf dem Album auf der Bühne erscheint und in ähnlich unsäglicher Mickey-Mouse-Manier abnervt – man will dabei gar nicht wissen, wie viele Effekte dazu noch auf die Stimme geknallt wurden.

Was die Setlist betrifft, hat man logischerweise viel von der aktuelle Scheibe parat, wo diese ja ohnehin für Band und Orchester konzipiert ist, doch Stücke von „Death Cult Armageddon“, wo ähnliches vollzogen wurde, bieten sich ebenso an und werden in Form der bereits genannten „Eradication Instincts Defined“ und „Progenies Of The Great Apocalypse“ sowie dem mit norwegischem Text versehenen „Vredesbyrd“ (das Shagrath allen anwesenden Norwegern widmet) kredenzt, während das unter Fans stets zwiegespalten aufgenommene „Spiritual Black Dimensions“ leider überhaupt gar keine Beachtung findet, obwohl man hier damals einen ähnlich hohen Bombastfaktor auffuhr. Dafür kommen mit dem eingängigen „Puritania“ und dem epischen, großartigen „Kings Of The Carnival Creation“ zwei Stücke der ungleich härteren „Puritanical Euphoric Misanthropia“ zum Zuge, während die Hymne „Mourning Palace“ erwartungsgemäß den Abschluss bildet. Insgesamt ein Auftritt, bei dem es sich schon gelohnt hat, dabei zu sein, doch ein paar Erkenntnisse bleiben: 1.) Es wäre halt dennoch mehr drin gewesen, 2.) Shagrath wird nie ein origineller Ansager sein, 3.) Silenoz hat jetzt ebenfalls die Marmel blank poliert und tritt mit Galder im Partnerlook auf, 4.) die Crowd ist echt lahm, vielleicht wegen des Matsches.

Setlist:

Xibir (Intro; Orchester)
Born Treacherous
Gateways
Dimmu Borgir
Chess With The Abyss
Ritualist
A Jewel Traced Through Coal
Eradication Instincts Defined (Orchester)
Vredesbyrd
Progenies Of The Great Apocalpyse
The Serpentine Offering
Fear And Wonder (Intro; Orchester)
Kings Of The Carnival Creation
Puritania
Mourning Palace
Perfection Or Vanity (Outro; Orchester)

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