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Wacken Open Air 2012

Organisatorische Mängel und Schlammschlacht können die Feierlaune nicht komplett verhageln

Broilers

Es herrscht wortwörtlich Land unter auf dem Gelände, als es endlich aufhört zu regnen. Das einstige Grün hat sich nun in einen braunen Brei verwandelt. Doch das soll die Feierlaune eines Wackenbesuchers nicht trüben. Parallel zu Overkill auf der Black Stage erstürmen die Broilers die Party-Stage und siehe da – schon beim Intro kann man trotz der vorangegangen, wirklich miesen Wetterlage einen beachtlich großen Pulk an Besuchern sehen, die auf das, was die Düsseldorfer zu bieten haben, gehörig abgehen wollen. Punkrock ist zwar nicht gang und gäbe auf dem Wacken Open Air, doch dass diese Richtung durchaus zieht, wird ordentlich bewiesen. Nach dem ersten Song spielt Sänger Sammy auf den Wolkenbruch der vergangenen Stunde an und wirft die Frage in den Raum, wer denn gestern nicht aufgegessen – oder schlimmer – nicht ausgetrunken hat. Bei einem Broilers-Konzert hat es schließlich noch nie geregnet. Natürlich will es wieder keiner gewesen sein, schließlich gibt es ja noch genügend andere Feierwütige auf dem Areal, die sich diesen Stiefel anziehen können als die anwesende Fangemeinde.

Zwischen Bühne und FOH-Turm hat sich, weil eben jemand nicht ausgetrunken hat, eine riesige Schlammpfütze gebildet. Bei „Nur die Nacht weiß“ scheint diese einige fast magnetisch anzuziehen. Frenetisch wird im Takt im Dreck herumgesprungen und gefeiert bis komplett eingetaucht. Die Suhlenden beweisen eine ganze Menge Energie und die ausgepackten Fotoapparate, die alle immer in ihre Richtung zeigen, werden als weiterer Ansporn angesehen. Aber egal, es heißt doch „Rain or Shine“ und man muss ja aus der Situation schließlich das Beste machen. Bei „Tanzt Du noch einmal mit mir?“ und „In ein paar Jahren“ findet man noch mehr Anhänger, die im Matsch spruchwörtlich den Punk abgehen lassen. Drei von ihnen legen sich sogar rücklings mittenrein und formen Schlammengel.

Sammy hat das Gefühl, dass die Broilers auf dem Wacken Open Air schon etwas deplatziert sind. Aber als man vor zwei Jahren schon hier war, hat es ordentlich geknallt und dieses Jahr soll das Konzert genauso reinhauen. Doch der, so wortwörtlich, „Ficker Petrus“ hat ihnen heute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Zuschauer zeigen sich von der momentanen Umgebung jedoch eher unbeeindruckt und konzentrieren sich lieber auf die Band.

Bei „Harter Weg“ ist die Stimmung vor der Party-Stage förmlich am Kochen. Der Titel nistet sich nicht nur im Gehörgang ein, sondern auch die müdesten Glieder setzen sich in Bewegung, egal wie tief man gerade im Schlamm steckt und wie sehr sich das Schuhwerk festgesaugt hat. Auch die Schlammmeute nimmt gesammelt Anlauf und surft dann auf dem Hosenboden über die braune Brühe.

Irgendwann bricht die Diskussion vom Zaun, was Reggae und Heavy Metal eigentlich gemeinsam haben. Man kommt letztendlich nach reichlicher Analyse zu dem Ergebnis – nichts. Aber die nächste Nummer wurde eindeutig für die harte Zunft komponiert. Das Iron Maiden-Cover „Run To The Hills“ wird in einen punkigen Regenmantel gehüllt und in voller Broilers-Manier dem Publikum entgegengeschleudert. Zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus gut umgesetzt und wird auch dementsprechend angenommen.

Während „Weckt die Toten auf“ kommt die Aufforderung von vorne „Wacken, bitte benimm dich auch wie Wacken!“, doch nach dem Titel bemerken die Musiker erst, welche Faszination sich für die ein paar Meter entfernte Pfütze aufgebaut hat. „Alter, machen die eine Schlammrutsche?“, ertönt es aus dem Mikro und Sammy räumt ein, dass diese ihn ganz crazy macht. Sichtlich angetan von dem Spektakel, was die Braunglasierten ihn da vorbringen, offenbart er, dass man sich vor dem Auftritt überlegt hätte, das Publikum zu animieren, sich mit dem Schlamm Kriegsstreifen ins Gesicht aufzuziehen. Gut, Broilers sind keine Ensiferum, aber wäre eine coole Aktion gewesen.

Eines muss man den Düsseldorfern lassen – von Anfang ziehen sie mit ihrem Liedgut und auch mit ihrem sympathischen Auftreten die wettergepeinigte Zuhörerschaft in ihren Bann, was man bis zum Ende beobachten kann.  Mit „Meine Sache“ wird das Konzert melodisch zu einem Ende gebracht, was auch mit zahlreichen Mittelfingern honoriert wird.

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