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Wacken Open Air 2012

Organisatorische Mängel und Schlammschlacht können die Feierlaune nicht komplett verhageln

Freitag, 3. August

Endstille

Ähnlich wie Saxon sind auch Endstille ein häufig gesehener Gast auf dem WOA – wenngleich das wohl auch so ziemlich das einzige ist, was diese beiden Gruppen gemeinsam haben. Allerdings dürften die Jungs auch mit den kürzesten Anreiseweg aller Bands auf dem gesamten Festival haben – Kiel liegt schließlich gerade mal um die 60 Kilometer entfernt.

Wieder einmal stellt sich die Frage, wie gut Black Metal bei Tageslicht funktioniert, auf der anderen Seite haben Endstille die letzten Male auf dem Wacken auch relativ früh gespielt, also sei's drum. Mal abgesehen davon ist dieses Abrisskommando zumindest gut dafür geeignet, den Schlafsand aus den Augen zu vertreiben, bei dem Tempo, das die Truppe in den meisten ihrer Songs vorlegt. Bereits um elf Uhr müssen die Kieler ran und treffen auf sicherlich noch nicht ganz ausgeschlafene Festivalbesucher. Als Opener gibt es den Klassiker „Dominanz“ auf die Horchlappen, der mit seiner brachialen Gitarrenwand und den gnadenlosen Blastbeats der verpennten Bande vor der Bühne ordentlich einheizt.

Von Anfang an ist klar, dass der positive Trend, was den Sound angeht, sich auch hier und heute bestätigt: Endstille sind nun wirklich keine leicht abnehmbare Gruppe und die letzten beiden Male, als sie hier waren, schwankte der Sound zwischen halbwegs okay und unterirdisch, doch an diesem Freitagmorgen ist das mehr als nur akzeptabel, insgesamt sogar fast ein bisschen zu leise, jedenfalls kann man problemlos ohne Gehörschutz in Bühnennähe stehen und bekommt ein sehr differenziertes Klangbild – sofern man bei den monotonen Riffattacken, die diese Combo auszeichnen, von so etwas sprechen kann.

Frontmann Zingultus wirkt selbst irgendwie ähnlich wie ein Großteil der Zuschauer ein bisschen angeknockt, lässt gesanglich allerdings nichts anbrennen und hat außerdem ein paar sehr amüsante Ansagen in petto: Bei „When Kathaaria Falls“ will er wissen, wer vor zwei Jahren dabei gewesen sei, als man jenes Stück als neue Nummer präsentierte. Als daraufhin ein paar müde „Hey!“-Rufe ertönen, meint er: „Damals waren es 80.000. Na ja, jetzt sind es immerhin 40.000.“ – Da soll noch mal einer sagen, Schwarzmetaller seien alles bloß humorlose Misanthropen… Sehr schön kommt in einer Pause auch, als ein paar Klänge von den auf der Party Stage zockenden Betontod herüberwehen, und der Ex-Nagelfar-Sänger sofort meint: „Was machen die dahinten denn? – Ich will jetzt, dass sich jeder hier einen schnappt und zeigt, was hier abgeht! Was geht hier ab!?“ Und in Anspielung auf den nächsten Song „Depressive/Abstract/Banished/Despised“ nach ein paar nur mäßig enthusiastischen Antwortrufen hinzufügt: „Klingt nicht sehr depressiv.“

Die beste Ansage hebt er sich allerdings für einen Klassiker auf; so wird „Frühlingserwachen“ zu „Frühstückserwachen“. Manch einer mag ja immer noch Iblis hinterherheulen, doch konnten die Schleswig-Holsteiner wohl keinen besseren Ersatz finden, und Zingultus' furztrockener Humor spricht sowieso für sich. Die Gesamtperformance der Band geht absolut in Ordnung, bei „World Aflame“ schafft sie es sogar, die Leute zu ein bisschen mehr Action zu animieren, jedenfalls werden die zunächst noch etwas zaghaften „Burn! Burn!“-Rufe im Chorus dieses Songs von Mal zu Mal lauter. Die Setlist lässt nicht viele Wünsche offen und bildet die übliche Festivalkost mit der Mischung aus neuerem Material und Klassikern à la „Endstilles Reich“, „Bastard“ und „Navigator“. Amtliche Show und danach ist man auf jeden Fall erst einmal wach, auch wenn Zingultus die Leute mit „Gute Nacht“ verabschiedet.

Setlist: 

Dominanz
Endstilles Reich
Satanarchie
Conquest Is Atheism
Ripping Angelflesh
When Kathaaria Falls
Bastard
World Aflame
Depressive/Abstract/Banished/Despised
Frühstücks… äh… Frühlingserwachen
Anomie
Navigator

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