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Wacken Open Air 2009

Ein würdiges Jubiläum

Heaven & Hell

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Heaven & Hell

Ganz anders Heaven & Hell, zu denen ich schnell ’rüberlaufen muss, kurz bevor bei Lacuna Coil Schluss ist, um bloß nichts zu verpassen. Bei phänomenal gutem Sound ergattere ich mir einen schönen Platz in der Mitte mit ausreichend Raum zum Bangen und blicke direkt auf die Bühne, die mit großen gläsernen Kugeln, die in überlebensgroßen Handtellern liegen, welche wiederum auf Säulen platziert sind, die an den Seiten der Bühne und des Drum-Sets stehen, dekoriert ist. Diese Wahrsagerkugeln mit ihren Händen verleihen der Show ebenso eine düstere, mystische Aura wie das hauptsächlich in blau gehaltene Licht und der Nebel.
Man legt zunächst mit dem Intro „E5150“ los, bevor mit „Mob Rules“ der erste richtige Song ertönt. Vom ersten Ton an ist klar: Ronnie James Dio singt immer noch göttlich. Klar, schon auf dem aktuellen, wirklich gelungenen Album „The Devil You Know“ konnte man feststellen, wie gut der kleine Mann immer noch bei Stimme ist, doch live ist das ja immer noch eine etwas andere Geschichte. Meine Güte, vor drei Wochen ist der charismatische Frontmann 67 Jahre alt geworden und dennoch hat er keinerlei Probleme mit hohen Tönen und eine unfassbare Kontrolle über sein Singorgan, so dass man sich nur vor Erstaunen am Kopf kratzen kann. Und über die Göttlichkeit von Tony Iommis Riffs und Soli, Geezer Butlers souveränes, cooles Bassspiel und Vinny Appice’ präzises Drumming müssen ja wohl keine Worte verloren werden.

Gänsehaut kommt auf, als mit dem erhabenen „Children Of The Sea“ der erste Song von dem Album, nach dem die Band sich benannte, gespielt wird. Tausende Kehlen singen „Oh they say, that it’s over and it just had to be“ mit und tausende Fäuste und Pommesgabeln fliegen zu dem markigen „Look out“, das Dio in die Wackener Nacht hinausruft, durch die inzwischen wieder trockene Luft.

Bei der Ansage „The next song’s title has only one tiny letter but nevertheless it’s a great song“ dürfte wohl jedem klar sein, dass nun „I“ vom unterschätzten Album „Dehumanizer“ ansteht. Meiner Ansicht nach eine gute Scheibe, die nun einmal das Pech hat, dass sie im Schatten von „Heaven And Hell“ und „Mob Rules“ steht, die so überragend sind, dass sie eben nicht überboten werden können. Wer zu dem eingängigen Riffing zu „I“ jedenfalls nicht am Headbangen ist, dem ist wohl auch nicht mehr zu helfen.

Anschließend bekommt das Publikum mit „Bible Black“ erstmals auch einen Song vom aktuellen Album „The Devil You Know“ um die Ohren gehauen – und diese epische, abwechslungsreiche Nummer dürfte ganz klar zu den Highlights dieser Platte zählen –, bevor mit „Time Machine“ noch eine Nummer von „Dehumanizer“ geboten wird, bei der passenderweise auf der Leinwand hinter den Drums ein stetiger Strudel gezeigt wird, der einen in andere Dimensionen zu saugen scheint. Äußerst gelungen leitet man dann in ein Schlagzeugsolo über, bei dem Vinny Appice sich so richtig austoben kann. Nun wird auch deutlich, warum das Set so riesengroß ist; Vinny spielt unter anderem hinter ihm hoch oben hängende Toms, dreht sich ständig im Kreis und nutzt quasi das komplette Kit.
Eigentlich bin ich ja gar nicht so ein großer Fan von Schlagzeugsoli – John Bonhams „Moby Dick“ hab ich dann doch gerne des öfteren geskippt –, doch was Appice hier bietet, ist wirklich vom Feinsten, da rhythmisch sehr durchdacht strukturiert.

Das schnörkelige „Fear“ und das doomige „Follow The Tears“ sind dann zwei erneut starke Nummern der aktuellen Scheibe, die mit „Falling Off The Edge Of The World“ einen absoluten Klassiker einrahmen. Endgültig Gänsehaut-Feeling jedoch kommt dann bei „Die Young“ auf, welches der „God Of Riffs“, (diesen Titel bekommt Tony Iommi bei den Metal Hammer-Awards offiziell verliehen) mit einem herrlichen Intro verziert. In diesem wundervollen Delay-Sound könnte man geradezu baden – schlichtweg nicht von dieser Welt und beim Song selbst schwebe ich dann nur noch auf Wolke Sieben. „So live for today, tomorrow never comes“ – das ist bei diesem grandiosen Konzert in diesem Moment garantiert mein Credo.

Doch es kommt noch besser, als die Götter mit dem Titelstück den absoluten Hammer vom Stapel lassen. Minutenlang wird gejammt – immer wenn man denkt, nun müsste ja mal bald der Tempoanzug kommen, haut Iommi noch ein Lick in die Masse hinaus, die jeden Ton begierig aufsaugt und in völliger Ekstase versinkt. Zwischendurch erscheint Ronnie James Dio in rotes Licht getaucht und lacht wie der Teufel persönlich, der sich jede einzelne Seele aus dem Publikum krallen und hinab in den Schlund der Hölle ziehen will. Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Gänsehaut pur!

Nach diesem schätzungsweise viertelstündigen Epos ziehen sich die vier Großmeister dann zunächst zurück, um dann aber noch eine von allen natürlich auch erwartete Zugabe zum Besten zu geben: Nach einer Strophe von „Country Girl“ bekommen wir noch „Neon Knights“, den Opener von „Heaven And Hell“ zu hören. Auch dieser Klassiker wird selbstredend mächtig abgefeiert, bevor endgültig Schicht im Schacht ist und eine absolut zufriedene Fanschar in die Nacht entlassen wird.

So komisch es klingt: Aber in dieser Formation und dann noch vor allem unter diesem Namen macht es tatsächlich nichts, keine Songs aus der Ozzy-Phase geboten zu kriegen. Wäre man unter dem Namen Black Sabbath aufgetreten, wären sicherlich eine ganze Menge Klassiker aus diesem Sabbath-Abschnitt gefordert worden, egal, ob da oben nun Dio oder Ozzy steht, aber so wusste jeder gleich, woran er ist und was er vorgesetzt bekommen würde. Außerdem passen die Ozzy-Songs wohl wirklich besser mit Ozzy, genau wie die Dio-Songs eben mit Dio. Da hätte man sich eher noch zusätzliche Songs aus der Martin-Ära vorstellen können.
In jedem Fall hat sich Wacken jetzt schon allein wegen dieses Gigs gelohnt und dementsprechend sage ich denn abends auch zu meinem Kumpel: „Eigentlich könnten wir auch jetzt schon wieder nach Hause fahren, das beste haben wir ja schon gesehen...“

Setlist:

- E5150
- The Mob Rules
- Children Of The Sea
- I
- Bible Black
- Time Machine
- Drum Solo
- Fear
- Falling Off The Edge Of The World
- Follow The Tears
- Die Young
- Heaven And Hell
----------------------------
- Country Girl / Neon Knights 

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