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Wacken Open Air 2009

Ein würdiges Jubiläum

Saxon

Zum Thema

Enslaved

Anschließend begebe ich mich zu Enslaved, von denen ich zumindest das letzte, sehr überzeugende Album „Vertebrae“ gehört habe. Parallel laufen Machine Head, was mich ein wenig ärgert, denn die hätte ich schon auch gerne gesehen, aber ich schätze mal, es dürfte eine ziemliche Minderheit gewesen sein, die mit dieser Überschneidung ein Problem hatte.
Zur Debatte allerdings stand nie, auf wen hier die Entscheidung fällt, denn für einen eingefleischten Opeth-Jünger wie mich ist eine Band wie Enslaved mit ihrer atmosphärischen Mischung aus Black-, Viking- und Folk-Metal genau das richtige Futter (die beiden Gruppen waren übrigens im Mai miteinander auf Tour durch Amerika).

Während sich also vor der Black Stage riesige Circle-Pits formieren (mir fallen fast die Augen aus dem Kopf, als ich dies nach dem Gig während der letzten Viertelstunde von Machine Head auf der Leinwand mitverfolge – schon heftig) erlebe ich eine Stunde, die einem einzigen, kompletten Rausch gleichkommt. An alle, die nicht da waren: Leute, ihr wisst ja gar nicht, was ihr verpasst habt! Die beileibe nicht gerade unkomplizierten, komplexen Arrangements setzen die Norweger völlig problemlos auf der Bühne um, ohne dass dabei in irgendeiner Form das Live-Feeling verlorengehen würde. Sänger und Bassist Grutle Kjellson ist stimmlich in bester Verfassung, sein Kreischen ergänzt sich prächtig mit dem Klargesang von Tastendrücker Herbrand Larsen.

Der Sound ist gnadenlos gut und die in konservativen Kreisen so hart kritisierten Keyboards lassen sowohl bei neueren Songs wie „To The Coast“, „The Watcher“ oder „Ground“, als auch bei den älteren, etwas aggressiveren Stücken wie „As Fire Swept Clean The Earth“, „Ruun“ oder „Isa“ das Gefühl aufkommen, zu schweben. Doch egal, ob altes oder neues Material: Die Band schafft es, ihre Musik so zu vermitteln, dass alles wie ein einziges Ganzes herüberkommt, die Grenzen zwischen den Songs scheinen zu verschwimmen. Wie erwähnt: ein einziger, sagenhafter Rausch, bei dem man sich immer wieder dabei erwischt, wie man sich mit geschlossenen Augen und einem seligen Lächeln auf den Lippen hin- und herwiegt. 
Und nebenbei schafft Grutle es sogar noch, die Leute mit Witzen zu amüsieren („How many vikings does it need to change a lightbulb? – 1001. One to change the lightbulb and thousand to invade England“).
Diese Art Stimmung zu vermitteln, schaffen jedenfalls nur ganz wenige Bands und dafür ein großes Dankeschön an Enslaved, eines der größten Highlights des diesjährigen W:O:A.

Setlist:

- To The Coast
- Fusion Of Sense And Earth
- Ruun
- As Fire Swept Clean The Earth
- Ground
- The Watcher
- Return To Yggdrasil
- Allfadr Odhinn
- Isa

 

Saxon

Wacken und Saxon verbindet mittlerweile einiges – schließlich sind die Briten schon fast Dauergäste auf diesem Festival. Und zufälligerweise fällt der zwanzigste Geburtstag des W:O:A mit dem dreißigsten der Band zusammen – Grund genug für letztere, sich etwas ganz besonderes auszudenken: Von jedem der 18 Studioalben soll ein Song gespielt werden, den die Fans im Vorfeld auf der Saxon-Webpage wählen konnten. Eine nette Idee, wobei gerade bei den ganz großen Alben wie „Wheels Of Steel“, „Strong Arm Of The Law“ und „Denim And Leather“, die wohl jeder kennt und die etliche Hits beinhalten, die Wahl nicht gerade leicht gefallen sein dürfte. Man darf also gespannt sein, auf welche Tracks die Wahl des Publikums bei diesen Alben gefallen ist.

Los geht es mit „Battalions Of Steel“ von der aktuellen Scheibe „Into The Labyrinth“, es folgen „Let Me Feel Your Power“ von deren Vorgänger „The Inner Sanctum“ und „Lionheart“ vom gleichnamigen Album von 2004. Arbeiten die sich jetzt chronologisch umgekehrt nach hinten durch? – Nein, denn danach folgt mit „Strong Arm Of The Law“ einer der alten Klassiker. 
Biff Byford ist trotz der jahrelangen Erfahrung schon beeindruckt von der Kulisse und lässt sich erst mal ein Glas Wein bringen, das er zu Ehren dieses Doppeljubiläums erhebt und in amtlicher Manier ext. Die Leute schreien zum Teil lauter als die Band spielt, was bei diesem besonderen Konzert mit exklusiver Setlist nicht verwunderlich ist und dem Saxon-Frontmann zwischendurch ein mit grinsendem Mund hervorgepresstes „Scheiße!“ entlockt.

Im weiteren Verlauf werden immer abwechselnd alter und neuer Stoff dargeboten, wie angekündigt ein Song von jedem Album, wobei es sich zumeist um die jeweiligen Titelsongs handelt, insofern bleiben die großen Überraschungen bei diesem Voting aus: „Rock The Nations“, „Metalhead“, „Killing Ground“, „Forever Free“, „Crusader“, „Dogs Of War“, „Unleash The Beast“, „Solid Ball Of Rock“ und selbstredend „Power And The Glory“ (allesamt Titelstücke) haben den Weg auf die Setlist gefunden und werden aus voller Kehle mitgesungen. 
Etwas schwieriger wurde es dann wohl bei den ganz großen Highlights in der Saxon-Discographie, namentlich den bereits oben genannten „Wheels Of Steel“, „Strong Arm Of The Law“ und „Denim And Leather“. Bei „Wheels Of Steel“ schummelt die Band das erste Mal und zockt neben dem Titelstück auch „Motorcycle Man“, sowie im Zugabenblock „747 (Strangers Of The Night)“ und auch „Strong Arm Of The Law“ wird mit zwei Vertretern honoriert; hier gibt es neben dem Titelsong nämlich noch „Heavy Metal Thunder“ zu hören.
Dafür musste, wie Biff später erklärt, „Ride Like The Wind“ vom „Destiny“-Album weichen, doch auf den Motorradmann will ja auch nie jemand verzichten und „Heavy Metal Thunder“ passt natürlich gut zum „größten Metalfestival der Welt“.

Ich ärgere mich zunächst ein wenig, dass von „Denim And Leather“ nicht der gleichnamige Track, sondern „Princess Of The Night“ gespielt wird (sind beides gute Stücke, aber ich ziehe nun mal ersteres vor), komme aber im noch einmal vier Songs beinhaltenden Zugabenblock doch noch auf meine Kosten. Als zweiundzwanzigste (!) und letzte Nummer heute abend wird diese unsterbliche Hymne in die Nacht geschmettert, eine Hymne, die „heute noch dasselbe bedeutet wie damals“, so Byford.
Gut zwanzig Minuten haben die Engländer überzogen, als Schicht im Schacht ist. Doch Saxon dürfen das, denn sie sind schließlich Dauergäste auf dem W:O:A. Und es stand ein Jubiläumsprogramm auf dem Zettel, das viel Spaß gebracht hat, dank einer hochmotivierten Band und mindestens ebenso motivierten Fans. Wirklich beeindruckend – und dabei bin ich eigentlich gar nicht so ein großer Fan von Saxon...

Setlist:

- Battalions Of Steel
- Let Me Feel Your Power
- Lionheart
- Strong Arm Of The Law
- Killing Ground
- Metalhead
- Wheels Of Steel
- Unleash The Beast
- Dogs Of War
- Rock’n’Roll Gypsy
- Rock The Nations
- Motocycle Man
- Forever Free
- Solid Ball Of Rock
- Crusader
- Power And The Glory
- Princess Of The Night
- Heavy Metal Thunder
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- Live To Rock
- 747 (Strangers Of The Night)
- Stallions Of The Highway
- Denim And Leather

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