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The Devil's Blood, Griftegard, Verdunkeln im Konzert (Essen, November 2009

Teuflisches Blut verdunkelt den kirchenlosen Friedhof
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The Devil’s Blood

Hype oder nicht Hype, das musste an diesem Abend geklärt werden. Die Metalgazetten dieser Welt geraten regelrecht ins Schwärmen, so überragend sei das musikalische Potential dieser aus Eindhoven stammenden Band. Jedoch blieb der Hype in den heimischen vier Wänden sitzen, denn nur knapp 300 zahlende Gäste fanden den Weg ins Turock.

Die Umbaupause zog sich ein wenig hin, die Bühne wurde mit einigen Kerzen im hinteren Bereich ausgeschmückt, ebenso wurden am Bühnenrand mehrere fette Bündel Räucherstäbchen platziert und angezündet. Das Gedränge und Geschiebe nahm deutlich zu, und als The Devil’s Blood die Treppe hinaufstiefelten und ihre mit frischem Blut verschmierten Körper der Menge preisgaben, war der größte Teil der Anwesenden völlig entrückt. Der Rauch der Stäbchen ätzte so langsam die Iris ins Jenseits, der Blutgeruch machte säuerlich auf sich aufmerksam, doch alle zusammen sind für eine The Devil’s Blood-Show unverzichtbare Elemente. Die Band bezeichnet bekanntlich ihre Konzerte als Rituale: „Das Tierblut ist für uns eine Möglichkeit, den Tod auch auf der Bühne zu tragen und dadurch weniger menschlich zu werden. Ein Weg, um unsere eigenen Identitäten und Persönlichkeiten verschwinden zu lassen und Geister zu werden (Zitat aus „Keine Angst vor Satanisten“)“. Mann möge sich seinen Teil denken. Musikalisch bekamen die Fans die volle Breitseite ab, kaum ein Wunsch, der wohl nicht erfüllt wurde. Jedoch vermag die Band auch stark zu polarisieren, denn fast 50 Konzertbesucher hielten sich im hinteren Teil des Raumes auf und machten um die Ablehnung der Band keinen Hehl – dort fielen dann Begriffe wie „uninspirierte 70er Scheiße“ und so manch verbaler Gewaltakt mehr.
Die Band indes kümmerte dieser Umstand wenig, das Programm wurde durchgezogen, die Saitenbearbeiter fegten über die Bühne und versuchten, durch Bewegung einer sonst lahmen Partie Leben einzuhauchen. Farida mochte die Bühnenmitte gar nicht mehr verlassen, ein Schritt zurück und kurze Zeit später wieder nach vorn sowie das anpreisende Hochheben ihrer Arme waren neben dem Festhalten des Mikrofons die einzigen Bewegungen. Minimalistisch, so wie die Musik.

Zurück zum Hype: Wie soll man etwas erklären, was sich langsam durch die Gehörgänge windet? Natürlich wippte der Fuß teilweise im Takt mit, schließlich war der Rhythmus der okkulten Truppe eingängig genug. Hilft hier vielleicht die Essenz eines frischen Kräuertees mit abgestorbenen Gewürznelken? Mag diese Show auf kleinen Bühnen in kleinen Clubs durchaus hypnotischen Einfluß haben, so dürfte das Ritual auf großen Festivalbühnen und vor allem bei Tageslicht wie ein schlechter Gedanke verpuffen und sich in einem Gemisch aus Blutstropfen, Kerzenrauch und Vergissmeinnicht südlich vom Himmel verabschieden.

Setlist:

Come, Reap
River Of Gold
I’ll Be Your Ghost
Queen Of The Misery Heart
The Graveyard Shuffle
Evermore
A Waxing Moon Over Babylon
Rake Your Nails Across The Firmament
The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood
House Of Ten Thousand Voices
White Faces
The Anti Kosmik Magick
Voodoo Dust
Christ Or Cocaine

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