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The Devil's Blood, Griftegård im Konzert (Hamburg, Juli 2009)

Ein exklusives Ereignis

The Devil's Blood

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The Devil’s Blood

Nach einer guten halben Stunde Umbauphase – das komplette Drumset wird noch ausgetauscht – ist es dann so weit: The Devil’s Blood entern die Bretter. Mastermind Selim Lemouchi tritt stilecht in Lederjacke auf – und ich schwitze schon im T-Shirt wie ein Eisbär in der Wüste –, Frontfrau Farida wie immer im dunkelroten Kleid und die ganze Band ist wie stets mit Blut begossen, welches dank Schweißausdünstungen und Zigarettenqualm den Riechkolben allerdings nicht allzu sehr penetriert.
Die Begeisterung ist von der ersten Sekunde da. Fäuste und Pommesgabeln werden der Bühne entgegengestreckt, es wird kräftig gebangt und zumindest bei den bereits bekannten Songs der „Come, Reap“-EP und der „The Graveyard Shuffle“-Single recht textsicher mitgesungen.

Was die Instrumentalfraktion betrifft, ist der Sound nahezu perfekt, um so bedauerlicher, dass der Gesang während des gesamten Auftrittes ein bisschen zu leise ist. Zwischendurch habe ich zwar den Eindruck, dass Farida heute ein bisschen Schwierigkeiten mit den hohen Tönen hat, aber hundertprozentig lässt sich das nicht festmachen, weil die Stimme zwischen den drei Gitarren hin und wieder etwas untergeht.

Trotzdem, gerade was die drei Gitarren angeht: Im Gegensatz zu Iron Maiden macht es hier wirklich Sinn, dass drei Klampfer auf der Bühne stehen und selten habe ich Musiker gesehen, die derart perfekt aufeinander abgestimmt sind. Bei den minutenlangen Jams in „The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood“, „Voodoo Dust“ und „The Anti-Kosmik Magick“ reicht ein Blick vom wie entfesselt aufspielenden Chef Selim zu seinen drei Kollegen von der Saitenfraktion und sie wissen, wie es weitergeht, oder eine kurze Geste in Richtung des Drummers, und ihm ist klar, dass er sich etwas zurücknehmen soll. Derartige Souveränität sieht man sonst höchstens im Jazzbereich.

Die Spielfreude und die Improvisationen lassen einen ein ums andere Mal an die glorreichen siebziger Jahre denken, wo man einen Song gerne mal um zehn und mehr Minuten erweiterte und wo man nicht auf die Bühne ging und jede Note bereits im Vorfeld genau feststand. Schön, dass diese Band in Zeiten von klinischer Perfektion dieses Feeling wieder etwas zurückbringt und den Leuten scheint es zu gefallen: Je mehr sich die Jams mit den technisch astreinen, aber unaufdringlichen Soli steigern, um so mehr bangen sie sich – wie die Band selbst – in einen Rausch.  
Ansagen gibt es keine, aber die braucht auch niemand: Die Musik spricht für sich und wenn man dann noch solch glänzende Übergänge fabriziert wie von „River Of Gold“ zu „A Waxing Moon Over Babylon“ (meiner Ansicht nach vielleicht der beste Track überhaupt) wird deutlich, dass Pausen gänzlich überflüssig wären.

Die neuen Songs wie „Evermore“, „I’ll Be Your Ghost“ (die erste Single aus dem neuen Album) oder „Queen Of My Burning Heart“ kommen hervorragend an, auch wenn der Jubel bei den bekannten Stücken verständlicherweise noch frenetischer ist. Im Prinzip jedoch ist es ohnehin ein einziges Fest – man könnte glatt annehmen, die Band hätte schon mindestens drei, vier Alben veröffentlicht. Das Ballroom ist schon jetzt eigentlich eine viel zu kleine Location für die Holländer, aber wer weiß, wie lange sie noch in solch kleinen Schuppen spielen werden. Zwar sind The Devil’s Blood darauf bedacht, sich das Underground-Feeling zu bewahren (man will nach wie vor nur ausgewählte Gigs spielen und bei Festivals nur abends oder nachts zocken), aber wenn das so weitergeht, sind solche gemütlichen kleinen Clubs, wo man noch ganz nah dran ist und in der ersten Reihe beim Bangen noch mit einem Fuß auf der Bühne stehen kann, bald nicht mehr ausreichend für diese tolle Band.  

Jeder, der dabei war, sollte also froh und sich bewusst sein, dass er hier etwas ganz Exklusives erlebt hat. Der Verfasser dieser Zeilen jedenfalls verlässt nach einem etwa 80-minütigen, intensiven und einzigartigen Konzert gegen Mitternacht den Club und macht sich mit einem seligen Lächeln auf den Lippen auf den Heimweg. Trotz Gehörschutz rauscht es im linken Ohr zwar, da sich die Saitenfraktion den Spaß erlaubt hat, die Gitarren gegen die Amps zu lehnen und so massives Rückkoppeln zu provozieren (was durch den generell Delay-getränkten Sound der Band nur um so stärker wirkt) und ein Wermutstropfen ist zugegebenermaßen schon, dass sie „Come, Reap“ nicht gespielt haben, doch all dies lässt sich verschmerzen. Schwerer wiegt da schon, dass es nun noch knapp zwei Monate warten heißt, bis „The Time Of No Time Evermore“ herauskommt... 

Setlist:

 Intro
 Evermore
 I’ll Be Your Ghost
 Queen Of My Burning Heart
 River Of Gold
 A Waxing Moon Over Babylon
 Rake Your Nails Across The Firmament
 The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood
 The Graveyard Shuffle
 House Of 10.000 Voices
 White Faces
 Voodoo Dust
 Christ Or Cocaine
 The Anti-Kosmik Magick

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