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Satyricon, Zonaria im Konzert (Hamburg, Dezember 2008)

Ein würdiges Ende für dieses Konzertjahr!
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Satyricon

Danach ist mit Satyricon auch schon der Hauptact an der Reihe, da es für die bekanntermaßen ausgefallenen Evile keinen Ersatz gab. Es müssen ja nicht jedes Mal zwei Vorbands sein.
Und nach einer ziemlich langen Umbauphase – der Schlagzeuger von Zonaria spielte auf einem kleineren Drum-Set, das sich vor Frosts Schießbude befand, und das nun durch das Publikum getragen werden muss, weil es offenbar keine direkte Verbindung zwischen Backstageraum und Bühne gibt – geht es dann endlich los.

Man eröffnet das Set mit „Repined Bastard Nation“ und das Publikum ist bei diesem genialen Pflicht-Livesong von der „Volcano“-Scheibe sofort Feuer und Flamme. Von der ersten Sekunde an wird gebangt und mitgegrölt. Pommesgabeln werden in die Höhe gestreckt.

Bei diesem Sound, der dermaßen perfekt abgemischt ist, dass man erst mal kurz überlegen muss, ob man hier nicht doch bei einer Listening-Session gelandet ist, macht das Bangen aber auch gleich doppelt Spaß. Die Band sieht das offensichtlich genauso – die beiden Gitarristen lassen ihre Rüben im Propellerstil rotieren und die Keyboarderin im Hintergrund bangt dermaßen intensiv, dass man sich gar nicht vorstellen will, wie ihr Nacken am nächsten Tag schmerzen muss.
Im Hintergrund agiert naturgemäß auch Frost, der einmal mehr mit seinem ultrapräzisen Filigran-Drumming für ungläubiges Staunen sorgt. Selten habe ich live einen besseren Schlagzeug-Sound gehört.

Nach diesem fetten Opener geht es weiter mit dem sehr eingängigen „The Wolfpack“ vom aktuellen Album „The Age Of Nero“, von dem an diesem Abend noch einige Stücke gespielt werden. Logisch, dass diese CD im Mittelpunkt der Show steht, auch wenn der Vorgänger „Now, Diabolical“ mit vier Stücken beinahe genauso stark berücksichtigt wird. Der Titelsong dieser Scheibe ist dann auch der dritte Track auf dem Programm, bevor man mit „Havoc Vulture“ ein bisschen weiter in die Vergangenheit reist.

Die Stimmung ist inzwischen auf dem Höhepunkt angekommen und der letzten Show einer Tour mehr als würdig. Satyr, an dessen Anblick man sich mit den kurzen Haaren schon erst mal gewöhnen muss, animiert die Zuschauer immer wieder mit „Hey! Hey!“-Rufen, bedankt sich artig fürs Kommen und amüsiert sich außerdem königlich über die Zwischenrufe vereinzelter Fans. So witzelt er: „It’s always funny what people say during the show. You for example“, und deutet auf jemanden in der ersten Reihe „you would really like it if everyone else would just leave and we two could talk a little bit.“
Natürlich erntet der charismatische Frontmann damit einige verdiente Lacher und seine Extra-Posen für die Kameras der Leute in der ersten Reihe kommen ebenfalls sehr sympathisch, weil bodenständig, herüber. Genauso wie die Tatsache, dass er die Ansagen mit seiner normalen Stimme vollzieht und nicht das affektierte Getue wie bei vielen anderen Genre-Kollegen an den Tag legt.

Das Set jedenfalls bleibt weiter abwechslungsreich: Zwischen den zwei neuen Stücken „Black Crow On A Tombstone“ und „Commando“, gibt es mit „Forhekset“ (das mit seinem Folk-Touch stellenweise fast an Moonsorrow erinnert) von „Nemesis Divina“ alten Stoff zu hören, wobei mir der Typ mit den Dreadlocks vor mir beim Bangen fast die Brille von der Nase haut. Noch mal Glück gehabt.

Mit dem epischen „To The Mountains“ haben die Norweger dann noch ein ganz besonderes, unerwartetes Schmankerl am Start, in dem man wie in einem Rausch versinken kann. Ganz großes Kino!

Bei „Die By My Hand“, das zweifelsohne zu den stärksten Songs des neuen Albums gehört, kann das Publikum schließlich auch noch mal so richtig aus sich herausgehen und man muss sogleich an Metallicas alten Klassiker „Creeping Death“ denken, wenn alle plötzlich „Die! Die! Die!“ rufen. Hier wird nun auch Satyr eine – übrigens siebensaitige – Gitarre gereicht, sodass nun gleich drei Klampfen auf der Bühne zu sehen und zu hören sind. Unglaublich, was hier abgeht – einfach der absolute Wahnsinn!

Mit „Sign Of The Trident“ haben Satyricon laut eigenen Angaben ihre eigene Bandhymne kreiert, jedenfalls kündigt Satyr diesen Song als „the essence of Satyricon“ an – und verdammt noch mal, das Stück ist ja auch wirklich ein weiterer Oberhammer vom „The Age Of Nero“-Album. Auch hier haut der Chef persönlich mit in die Saiten, genauso wie bei „The Pentagram Burns“, das natürlich auf keinem Konzert fehlen darf. Diese eingängige Nummer ist einer der stärksten Beweise für Satyrs Talent als Songwriter.

Anschließend gehen die sechs Musiker erst einmal von der Bühne, werden von der jubelnden Menge allerdings schnell wieder auf die Bretter zurückgebrüllt, um dann „K.I.N.G.“ und „Fuel For Hatred“ zum Besten zu geben. Bei letzterem fordert Satyr einen Moshpit, der allerdings nur „energetic, not violent“ sein soll. Vorbildliches Verhalten, wo andere irgendwelchen Schwachsinn von „schlagt euch die Fresse ein“ schwadronieren. Der Moshpit entsteht tatsächlich im ansonsten eher dem Bangen zugetanen Hamburger Publikum.

Nach „Fuel For Hatred“ jedoch geht die Band zunächst wieder in die Katakomben, aber alle wissen selbstverständlich, dass da noch etwas fehlt. Keine Show ohne „Mother North“ – schon gar nicht, wenn es die letzte der Tour ist. Die Gitarrenmelodie, die einer der beiden Gitarristen anspielt, wird denn auch von fast allen sogleich erkannt und mitgesungen. Das Gänsehautfinale eines absolut grandiosen Auftritts.

Gerne hätte ich noch etwas von meiner persönlichen Lieblingsscheibe „Volcano“ wie das geniale „Mental Mercury“ oder „Black Lava“ (ich weiß, dieser Longtrack war von vornherein eher unwahrscheinlich, aber man wird ja noch träumen dürfen) gehört und interessiert hätte mich auch, wie heute Songs des ersten Albums, das ja noch mit einem absolut räudigen Underground-Sound ausgestattet ist, klingen würden – aber man kann eben nicht alles haben.

In jedem Fall eine Glanzleistung und nach dem eher enttäuschenden Metalfest, zwei Tage früher, mehr als eine Entschädigung. Es war das erste Mal Satyricon live für mich und mir bleibt nur noch zu sagen: Immer wieder gerne! – Ein würdiges Ende für dieses Konzertjahr!

Setlist:

Repined Bastard Nation
The Wolfpack
Now, Diabolical
Havoc Vulture
Black Crow On A Tombstone
Forhekset
Commando
To The Mountains
Sign Of The Trident
Die By My Hand
The Pentagram Burns
-----------
K.I.N.G.
Fuel For Hatred
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Mother North

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