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Rock Hard Festival 2015

Are you guys ready auf den Rängen?

Architects Of Chaoz

Erst die zweite Band und schon kommt gleich ein Heavy-Metal-Schwergewicht daher: Paul DiAnno ist mit seiner neuen Truppe Architects Of Chaoz angereist und viele Leute dürften sich die Frage gestellt haben, ob der frühere Maiden-Sänger den eigenen Legendenstatus noch weiter zerstören würde, woran er durch etliche, qualitativ höchst bescheidene Liveauftritte in den letzten Jahren bereits fleißig arbeitete, oder ob er mit seiner frisch formierten Formation noch einmal einen Neubeginn schaffen würde.

Wenn man sieht, dass vor dem Auftritt ein Stuhl in die Mitte der Bühne gestellt wurde, und dann noch, wie Paul unter größter Mühe darauf Platz nimmt, lässt dies nichts Gutes vermuten. Angeblich soll sein Knie schon seit mehreren Jahren kaputt sein und dringend einer Operation bedürfen; dafür jedoch habe der Sänger kein Geld, wie man munkelt. Nun, dann muss er halt „im Singen sitzen“, wie der Rock-Hard-Delegierte, der den Briten ankündigt, mit einem amüsanten Dreher im Satz erklärt. Zunächst muss die Band sich zwar noch ein bisschen in den Gig hineinfinden, die Tightness ist noch nicht von Beginn an vorhanden, doch DiAnno selbst bringt eine den Umständen entsprechend erfreulich ordentliche Leistung. Manch einer sagt sogar, so gut habe er/ sie den Barden seit Jahren nicht mehr gesehen.

Nicht nur weil das Debütalbum „The League Of Shadows“ von Architects Of Chaoz (was immer dieses „z“ soll, eine bewusst falsche Rechtschreibung dieser Couleur verwenden doch eigentlich nur Hip Hopper) am heutigen Tag erscheint (vorgezogen vom ursprünglich geplanten 29. Mai), konzentriert sich die Band auf das Material dieser Scheibe und nicht etwa altes Maiden-Zeugs. Zumal man DiAnno ja immer wieder vorwirft, nur von seinen paar Jahren bei Iron Maiden zu zehren, wozu er durch provokante und mitunter auch ziemlich realitätsfremde Äußerungen allerdings auch selbst beigetragen hat.

Was Letzteres betrifft, hält er sich heute ebenfalls zurück, ist trotzdem so redselig, dass mein Sitznachbar sich fragt, ob der Mann fürs Quatschen oder fürs Singen bezahlt wird. Immerhin ist er freundlich und gut gelaunt: Das Publikum wird ausschließlich für seine Treue und sein Engagement gelobt, zum Glück gibt es keine Pöbeleien und sogar Intimfeind Bruce Dickinson bezeichnet er als „großartigen Sänger“ und wünscht ihm alles Gute wegen seiner (inzwischen glücklicherweise überstandenen) Krebserkrankung. Außerdem zeigt er sich schlagfertig und selbstironisch: „If I’d be Jesus I could walk on water or I could fly. Instead I sit here like a big fat frog!“ Doch das sei ja scheißegal, er würde jedenfalls keine Konzerte canceln. Auch die Ansage vor „How Many Times“, das er allen Exfrauen widmet – auch „meiner neuen Exfrau, die weiß es nur noch nicht“ - sorgt für so manchen Lacher im Rund.

Dennoch bleibt auch Zeit für einen ernsten Moment, als einer der Gitarristen ein paar Worte zum kürzlich verstorbenen Jörg Litges (R.I.P.) sagt – äußerst vorbildlich und absolut angebracht. Was die stilistische Ausrichtung betrifft, so geht das Ganze schon in die Maiden-Ecke und manch Spötter fragt sich, ob die Band auch mit einem unbekannten Sänger gesignt worden wäre. Dies ist jedoch pure Spekulation und schlecht ist das Dargebotene keineswegs, wie auch die wohlwollenden Reaktionen beweisen. Mit „Killers“ schließt die Show am Ende allerdings dann doch noch mit einem Maiden-Klassiker. 

Setlist:

Erase The World
Horsemen
Architects Of Chaoz
Dead Eyes
How Many Times
When Murder To Town
Children Of Madness (Battlezone-Cover)
Killers (Iron Maiden-Cover)

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