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Rock Hard Festival 2015

Are you guys ready auf den Rängen?

Black Star Riders

Testament, der Sonntags-Headliner im letzten Jahr, erwies sich wegen einer äußerst mittelprächtigen Performance und schlechten Sounds als ziemlicher Flop – der dritte Headliner anno 2015 war dagegen sogar schon im Vorfeld umstritten. Die-Hard-Fans von Thin Lizzy sehen es als Sakrileg an, dass die Band fast 30 Jahre nach dem Ableben von Frontmann Phil Lynott (R.I.P.) immer noch musiziert, weil der legendäre Sänger und Bassist schlichtergreifend unersetzbar ist. Inzwischen hat man die Gruppe aus Respekt vor Phil zwar in Black Star Riders umbenannt, was sicherlich eine gutgemeinte Geste ist, zeigt sie doch, dass man nicht versucht, unter dem wesentlich bekannteren Namen noch kräftig Kohle zu scheffeln, warum diese Idee allerdings erst Ende 2012 aufgekommen ist, bleibt fraglich. 

Jedenfalls scheinen nicht wenige der Band von Anfang an keine Chance geben zu wollen, denn im Vergleich zu Overkill, wo es ziemlich rappelvoll war, haben sich die Reihen im Amphitheater wieder etwas mehr gelichtet. Des Weiteren scheint es beim Soundcheck ein paar Probleme zu geben, denn das Konzert beginnt mit rund zehnminütiger Verspätung. Als sie endlich starten, geht es noch nicht einmal mit einem Lizzy-Klassiker los, sondern mit „Bound For Glory“ aus dem „All Hell Breaks Loose“-Album, dem Quasi-Debüt der Black Star Riders von 2013. Immerhin hat die Band einen guten Sound, sogar die Akustikgitarre von Fronter Ricky Warwick ist einigermaßen hörbar. „Jailbreak“ markiert anschließend dann aber den ersten von etlichen Lizzy-Songs, der die Fans vor allem im Parkett ordentlich ausflippen lässt und bei dem auch Warwick zur elektrischen Gitarre wechselt, sodass nun drei verstärkte Klampfen auf der Bühne vorhanden sind, auch wenn dies (wie schon zuvor bei Sinner) eher wenig sinnvoll erscheint.

Dafür muss man dem Mann lassen, dass seine Stimme und Phrasierung der von Phil Lynott nicht unähnlich sind – er macht jedenfalls das Beste draus, auch wenn er tatsächlich nicht ganz die Lockerheit und Lässigkeit des Lockenkopfs besitzt, doch dieses Charisma zu erreichen, wäre wohl auch zu viel verlangt.

So oder so feiern die meisten Anwesenden nach allen Regeln der Kunst – neben den wie üblich durch die Gegend fliegenden Bierbechern segeln sogar Klopapierrollen über das Areal, die Security hat wieder jede Menge Arbeit mit Crowdsurfern und vor allem der wohl größte Lizzy-Hit „The Boys Are Back In Town“ lässt die Stimmungskurve rapide nach oben schnellen. Andere, die weniger zufrieden sind, applaudieren zumindest vorsichtig oder wippen mit dem Fuß, und diejenigen, die die Darbietung der durchweg etwas härter als im Original gespielten Songs ganz grauenhaft finden, packen bereits im Verlauf des Gigs ihre Sachen und suchen vorzeitig das Weite. Doch dass es gespaltene Reaktionen geben würde, war, wie eingangs angedeutet, schließlich vorprogrammiert.    

Zwischendurch versucht Ricky Warwick, dem deutschen Publikum die irische Sprache näher zu bringen, als er die Leute bei „Soldierstown“ dazu auffordert, die Zeile „Tar a thighhearna tar a thi“ (ja, ich musste es googeln…) mitzusingen. Und Müdigkeit lässt er nicht zu: „Ich weiß, es war ein langes Wochenende und ihr seid müde, aber das hier ist eine Rock’n’Roll-Show!“ – da hat er natürlich vollkommen Recht und so überwindet sich sogar auf den Stufen der eine oder andere und wuchtet seinen Allerwertesten von der entspannten Sitz- in eine Stehposition.
 
„Whiskey In The Jar“ beschließt dann einen Auftritt, an dem man wenigstens rein objektiv nicht viel bemängeln kann – natürlich ist es angesichts der vielen Lizzy-Klassiker immer schwierig, mit der Songauswahl jeden zufriedenzustellen, in jedem Fall hat die Band jedoch zumindest den besten Sound der drei Headliner. Traurig nur, dass, wie wir schon in der Einleitung auf der ersten Seite dieses Berichts erwähnten, quasi mit dem Schlusspfiff des Events ein Crowdsurfer, als er sich zugegeben etwas wild in die Menge wirft, böse stürzt, besinnungslos liegen bleibt und umgehend von den Sanitätern behandelt werden muss. Ein unschönes Ende eines ansonsten wieder ganz tollen Festivals, das wir auch nächstes Jahr gerne wieder besuchen. Dem verletzten Metalhead können wir nur gute Besserung wünschen!

Setlist:

Bound For Glory
Jailbreak (Thin Lizzy)
Kingdom Of The Lost
Are You Ready (Thin Lizzy)
Bloodshot
Charlie I Gotta Go
Bad Reputation (Thin Lizzy)
Soldierstown
Suicide (Thin Lizzy)
All Hell Breaks Loose
Through The Motions
The Boys Are Back in Town (Thin Lizzy)
Finest Hour
Emerald (Thin Lizzy)
Killer Instinct
Rosalie (Bob Seger)
Whiskey In The Jar

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