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Rock Hard Festival 2015

Are you guys ready auf den Rängen?

Avatarium

Zeit für den nächsten krassen Stilbruch: Auf Avatarium dürften viele gespannt gewesen sein, handelt es sich hier doch um die neue Band von Candlemass-Tieftöner Leif Edling, die musikalisch auch in eine ähnliche Kerbe schlägt (wenngleich der Bandname eher Power Metal vermuten lassen könnte). Nur dass hier mit Jennie-Ann Smith eine Frau am Mikro steht und das Ganze eher in die rockige statt metallische Ecke geht – im Übrigen ist es die erste Band des Festivals, die mit weiblichem Gesang und Keyboards aufwartet. Ursprünglich war mal Mikael Åkerfeldt als Sänger vorgesehen, doch der Opeth-Fronter musste letztlich aus zeitlichen Gründen passen. Ausgerechnet Edling selbst, alleiniger Songwriter und Chef der Formation, ist heute jedoch nicht anwesend – er pausiert aus gesundheitlichen Gründen schon seit vielen Monaten im Livesektor und wird von Anders Iwers, dem älteren Bruder von In Flames-Bassist Peter Iwers, vertreten.

Natürlich gehen auch hier die Meinungen wieder auseinander; manchen ist der Doom-Rock der Schweden zu langweilig und sozusagen nicht Festival-kompatibel, doch unten im Pit wird das Quintett gebührend beklatscht und abgefeiert. Wenn man sieht, wie charmant sich die zum Teil auch Akustikgitarre spielende schöne Jennie-Ann gibt, kann man aber auch gar nicht anders: Die Dame ist die Liebenswürdigkeit in Person, lächelt immer wieder zuckersüß und ist sichtlich angetan von den freundlichen Reaktionen. Die Begrüßung erfolgt sogar auf Deutsch: „Wir sind Avatarium aus Schweden und wir freuen uns, hier zu sein“, trägt die Blondine artig vor, was natürlich wiederum sehr gut ankommt. Nebenbei bringt sie außerdem eine klasse Gesangsleitung, kriegt alle hohen Töne ohne Wackler und zeigt sich bei den leisen Passagen äußerst ausdrucksstark und gefühlvoll.

Vier Songs des bislang einzigen Albums von 2013 gibt es in Form des epischen Openers „Moonhorse“, „Bird Of Prey“, „Pandora’s Egg“ (einem Song darüber, was passiert, „wenn man nicht die Seite des Guten ergreift“ oder so ähnlich…) sowie selbstredend „Avatarium“ (bei dem Keyboarder Carl Westholm als kleiner Leckerbissen für die Zuschauer auch mal zum Theremin überwechselt), dazu die beiden Stücke „Deep Well“ und „All I Want“ von der EP, die letztes Jahr herauskam. „All I want is to stay here with you tonight“, süßholzraspelt Jennie-Ann nach der Performance dieses Liedes und fügt noch an, sie würde am liebsten jeden einzelnen aus dem Publikum mit nach Hause nehmen. Zumindest die männliche Fraktion dürfte nichts dagegen einzuwenden haben, einzig Ex-Evergrey-Gitarrist Marcus Jidell würde diese Vorstellung wohl weniger begeistern, ist er doch mit Smith verheiratet.

Als die Frontfrau schließlich noch ein neues Album für November ankündigt, bricht erneuter Jubel aus, der nur noch dadurch überboten worden wäre, wenn sie bereits einen Appetithappen daraus gespielt hätten. Doch die Zeit ist nicht da und nach sechs Songs ist der Zauber schon wieder vorbei. Ohne Frage aber ein hervorragender Auftritt bei bestem Sound, nach dem der Verfasser erst mal abchecken muss, wie sich sein leidgeprüfter HSV im Bundesliga-Abstiegskampf schlägt.

Setlist:

Moonhorse
Bird Of Prey
All I Want
Deep Well
Pandora’s Egg
Avatarium

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